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WM 2026: Brasilien verkommt zum Mythos - letzter Titel 2002

Brasiliens Vinicius Junior nach dem WM-Aus am Boden Zerstört

Vini Jr. bittet um Entschuldigung Seit 2002 erfolglos - Brasilien verkommt zum Mythos

Stand: 11.07.2026 • 09:44 Uhr

Mit emotionalen Worten hat sich Vinicius Junior nach Brasiliens WM-Aus an die Fans gewandt. Die "Selecao" verkommt zum Mitläufer - und will das nicht wahrhaben.

Offensiv-Star Vinicius Junior hat sich nach einigen Tagen des Nachdenkens mit einem emotionalen Statement zu Brasiliens WM-Aus zu Wort gemeldet. "Ich entschuldige mich, und ich werde für unseren Traum kämpfen, an die Weltspitze zurückzukehren", schrieb der 25-Jährige von Real Madrid bei Instagram.

Das frühe Aus im Achtelfinale gegen Norwegen (1:2) am vergangenen Sonntag nage noch immer an ihm: "Das Gefühl der Frustration ist enorm. Wir hatten einen Kader, der stark genug war, um mehr zu erreichen, und das ist uns nicht gelungen." Das Trikot der Nationalmannschaft zu tragen, sei "der größte Stolz" seines Lebens. Vinicius Junior hatte bei der WM vier Tore erzielt und eine Vorlage gegeben.

Der letzte WM-Titel ist 24 Jahre her

Die "Selecao" ist nach wie vor Rekordweltmeister (fünfmal Champion) und wollte ihren Vorsprung an der Spitze ausbauen. Dieses Ziel wurde kaum hinterfragt, schließlich ist Brasilien eine WM-Institution, ein automatischer Favorit. Aber warum denn eigentlich?

2002 schoss Ronaldo die Südamerikaner zum bisher letzten Finalsieg, in Deutschland erinnert man sich schmerzhaft an diesen Moment. Danach gab es aber nur noch ernüchternde Momente für Brasilien. 2006 und 2010 reichte es nur fürs Viertelfinale, 2014 war es immerhin das Halbfinale, dort gab es aber die 1:7-Abreibung gegen Deutschland. Es folgten zwei weitere Viertelfinals und nun der Tiefpunkt mit dem Achtelfinal-Aus gegen Norwegen (1:2).

Pelé, Garrincha, Romario, Ronaldo, Ronaldinho - lange ist's her

Brasilien ist in den nackten Ergebnissen auf dem absteigenden Ast - und auch darüber hinaus. Bei dieser WM gab es gegen annähernd gleichwertige Gegner keinen überzeugenden Auftritt, das Weiterkommen gegen Japan (2:1) war schon glücklich. 2022 war es nicht anders, bei den vier vorigen Endrunden auch nicht. Jedes Mal war ein europäisches Team Endstation, jedes Mal war es der erste wirklich große Prüfstein, der zu groß war.

Früher gab es "zu groß" für Brasilien nicht. Von 1958 bis 1970 war die "Selecao" kaum zu schlagen, es gab drei WM-Titel in vier Turnieren. Pelé und auch Garrincha revolutionierten den Fußball, Mario Zagallo wurde erst zweimal als Spieler Weltmeister, dann 1970 als Trainer. Es folgte eine Durststrecke, die 1994 endete mit Romario, Bebeto und Co. - und einem gewissen Ronaldo in den Anfängen seiner Karriere. Der Stürmer wurde danach zum Aushängeschild, mit Ronaldinho und Rivaldo folgte 2002 der nächste Titel.

Die brasilianischen Legenden Ronaldo (l.) und Pelé geben sich die Hand

Neymar geht ohne WM-Titel in die Brasilien-Rente

Wegen dieser Generationen identifizieren sich Kinder beim Kick auf den Bolzplätzen noch immer am ehesten mit den brasilianischen Fußball-Tugenden. Sie wollen Übersteiger, Dribblings, pure Freude und Samba anstatt Standardtanz und Kampf. Die Kinder haben den Spaß, den die "Selecao" über Jahrzehnte auf professionellem Niveau hatte. Mittlerweile ist der nicht mehr zu sehen, es ist viel Krampf dabei, der Erfolgsdruck ist exorbitant. 2014 war das unübersehbar, auch diesmal, als Neymar nach dem Ausscheiden förmlich zusammenbrach.

Neymar wollte der Pelé oder Ronaldo dieser Generation sein, jetzt hat er seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet, ohne einen WM-Titel geholt zu haben. Mit Vinicius Jr. ist nun noch ein Spieler da, der für brasilianischen Zucker(hut)-Fußball steht - aber um ihn herum sind zu wenige Akteure, die im obersten Regal zu finden sind. Bei jedem Turnier sind mehrere Kader deutlich besser besetzt, deutlich homogener, nur will Brasilien davon nichts wissen: (Selbsternannter) Favorit auf Biegen und Brechen.

Brasilien "muss seine Arroganz und Überheblichkeit ablegen"

Klar ist, dass sich grundsätzlich etwas ändern wird. Carlo Ancelotti will jedoch Trainer bleiben, obwohl auch er in der Kritik steht. "Brasilien war eine kleine, feige, dominierte und lächerliche Mannschaft. Das ist der größte Misserfolg in Ancelottis Karriere", schrieb das heimische Portal "UOL". Und die Zeitung "Estadao" blickte sorgenvoll voraus: "Brasilien wird bei der WM 2030 wieder zu den Mitfavoriten zählen, muss aber seine Arroganz und Überheblichkeit ablegen."

Arrogant und überheblich ist jedoch schon genau dieser Reflex, die "Selecao" trotz Topteams wie Frankreich, Spanien oder England, die aktuell deutlich besser besetzt und dazu viel jünger sind, zu einem der ersten Anwärter zu ernennen. Dafür gibt es keine Gründe mehr, es ist nur die Geschichte, die für diesen Automatismus sorgt. Die Südamerikaner sind nicht mehr der WM-Dominator, sondern eher ein Mitläufer. Brasilien verkommt zum Mythos.

Quelle: sho/red