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„Wird nicht mehr bestellt“: Restaurant-Trend aus den USA löst Diskussionen aus

Stand: 23.07.2026, 06:50 Uhr

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Auf Reddit warnt eine Frau vor einem Trend in der Gastronomie- und Restaurantbranche. Experten sehen das Konzept kritisch.

Frankfurt – Das Angebot bei Lieferdiensten wie Uber Eats, Lieferando, Wolt und Co. wirkt schier endlos. Hunderte Restaurants und Imbisse auf einen Blick. Doch nicht hinter jeder Speisekarte verbirgt sich ein Restaurant. Das Phänomen nennt sich „Ghost Kitchen“ oder Geisterküche: Es geht um virtuelle Restaurants, die ausschließlich digital als Lieferdienst existieren.

Küche einer Burgerbraterei

Das „Ghost Kitchen“-Konzept basiert auf virtuellen Restaurant, die ausschließlich liefern und keinen Gastraum haben. (Symbolfoto) © FotoPrensa/Imago Images

Das Geschäftsmodell dahinter ist einfach. Eine Ghost Kitchen ist kein echter Gastronomiebetrieb, sondern lediglich eine Küche ohne Gastraum. Gekocht wird ausschließlich für Lieferplattformen – und oft für mehrere Marken und Franchises gleichzeitig. Häufig bieten sich auch herkömmliche Restaurants an, neben ihrem eigenen Tagesbetrieb noch als Geisterküche für eine andere Marke zu kochen und auszuliefern.

Für die Anbieter solcher Modelle ist die Rechnung klar: Sie gewinnen Reichweite, ohne viele eigene Küchen betreiben zu müssen. Besonders Prominente und Influencer haben das Konzept für sich entdeckt. „Influencer nutzen Ghost Kitchens, um ihre Marke zu hypen“, erklärt Foodtrend-Forscherin und Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Ein Beispiel aus Deutschland ist „Loco Chicken“, die Fried-Chicken-Marke von Rapper Luciano. „Bis zu 200.000 Euro im Jahr dazuverdienen“, wirbt die Marke auf ihrer Website um neue Partner-Restaurants.

Restaurant-Expertin warnt: Qualität leidet häufig unter „Ghost Kitchen“-Konzept

Laut eigenen Angaben arbeitet „Loco Chicken“ bereits mit mehr als 750 Geisterküchen zusammen. Das schnelle Wachstum hat seinen Preis. Den Marken fehle häufig die gastronomische Erfahrung, warnt Rützler. Sie seien darauf angewiesen, Geschäftspartner zu finden, welche die Qualität garantieren – „das ist aber oft sehr herausfordernd“. Zwar könne man Optik und Frische vorgeben, „aber oft scheitert es daran, dass Kompetenzen nicht klar definiert sind oder gespart wird. Dann sieht das Produkt plötzlich weder so aus wie erwartet, noch schmeckt es wie ursprünglich geplant“, erklärt Rützler.

Besonders heikel wird es laut Rützler, wenn ein Restaurant neben seinem Tagesbetrieb noch für eine fremde Marke produziert. Eine gleichbleibende Qualität zu garantieren, sei dann „extrem schwierig“. Auch auf Reddit äußern sich einige Menschen kritisch über den Geisterküchen-Trend. „Ich unterstütze lieber ‚richtige‘ Restaurants“, schreibt eine Person. Eine andere sieht es rational und kommentiert: „Wenn’s nicht schmeckt, wird halt nicht mehr bestellt.“

Das weltweit wohl bekannteste Beispiel für solche Qualitätsprobleme ist Jimmy Donaldson, besser bekannt als „MrBeast“ auf YouTube. Mit mehr als 450 Millionen Abonnenten ist er der US-Amerikaner der erfolgreichste Creator der Plattform. Seine Kette „MrBeast Burgers“ wurde überwiegend durch das Unternehmen Virtual Dining Concepts mit mehr als 1.700 Ghost Kitchens betrieben. Im Netz hagelte es teils heftige Kritik an den Speisen aus den Geisterküchen. Die Zusammenarbeit endete schließlich im Rechtsstreit: Donaldson verklagte das Unternehmen auf 100 Millionen Dollar. Sein Ruf sei durch die schlechte Lieferqualität „irreparabel geschädigt“, berichtete The Guardian.

DEHOGA-Rechtsexperte zum Gastro-Trend: „Offene Fragen“ bei den Geisterküchen

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht das Modell kritisch. Neben der Qualität sei ein weiterer Knackpunkt die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben für gastronomische Betriebe. Von Hygiene über Brandschutz bis zum Arbeitsschutz bestünden „offene Fragen“, sagt Dehoga-Rechtsexperte Jürgen Benad der Frankfurter Rundschau: „Wer steht hinter diesen Ghost Kitchens? Wer haftet bei Hygieneverstößen, wenn sich zwei oder drei Anbieter eine Küche teilen?“

Zudem müsse für Verbraucherinnen und Verbraucher immer klar nachvollziehbar sein, wer die Speisen zubereitet, fordert der Verband. Aktuell wissen die meisten Bestellenden nicht, ob sie bei einem herkömmlichen Restaurant oder einer Ghost Kitchen bestellen – weil die Anbieter das selbst nicht klar kennzeichnen. Auf vielen Lieferplattformen findet sich ein entsprechender Hinweis auf ein „virtuelles Restaurant“ erst beim genauen Blick auf die hinterlegte Adresse.

Hinter „Loco Chicken“ steckt neben Luciano als Werbegesicht auch das Berliner Food-Tech-Startup Lanch, das die Strukturen für die Liefer-Restaurantkette organisiert. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau weist das Unternehmen die Kritik zurück. Man lege „großen Wert auf Transparenz“ und arbeite mit den Lieferplattformen daran, die Darstellung von Marken und Produktionsstandorten klarer zu gestalten, teilt ein Sprecher mit. Jeder Partner durchlaufe einen mehrstufigen Onboarding-Prozess mit Schulungen und regelmäßigen Kontrollen. Alle Partnerküchen erfüllten sämtliche gesetzlichen Auflagen zu Hygiene, Brandschutz und Haftung. (Quelle: eigene Recherche, The Guardian)