Stand: 17.07.2026, 06:28 Uhr
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Der Name ist Programm: Der Sonnenhut im Garten von Heide Jakob hat es gerne sehr sonnig. © Körtge, NormanHeide Jakob lässt ihren Rasen in Sickenhofen vertrocknen. Die 77-Jährige gießt stattdessen lieber ihre Kamelien, Hortensien und Stauden.
Sickenhofen – Es knirscht beim Betreten des Rasens im Garten der Heidgalerie. Besser gesagt, was davon derzeit noch übrig ist. „Der ist mir nicht wichtig“, sagt Heide Jakob. Zwar bedauert die Sickenhöferin, dass aus der ansonsten grünen Fläche eine braune Steppe geworden ist, aber: Viel wichtiger sind ihr die vielen Pflanzen.

Den Dauer-Sonnenschein hat diese Rispenhortensien-Blüte nicht überstanden. © Körtge, NormanAuch die leiden unter dem Mix aus Sonne, Hitze und Trockenheit. Auf etlichen Blättern der Kamelienbüsche sind braune Flecken, viele haben sich auch zusammengezogen, sind gewellt und porös. „Da kann man noch so viel gießen, gegen die Sonne kommt man nicht an“, meint Jakob und hat einen anschaulichen Vergleich parat: Wenn man den ganzen Tag zwar in einer Badewanne mit kühlem Wasser sitzt, aber die Sonne einem beständig auf den Kopf strahlt, bekommt man auch einen Sonnenbrand.
Weniger Insekten als in Vorjahren
Die Sonne-Hitze-Trocken-Schäden halten sich aber noch in Grenzen. Allerdings erwartet Jakob, dass die Hortensienblüte in diesem Jahr nicht so prachtvoll ausfallen wird wie sonst. Einige der Blüten an den Rispenhortensien mussten der Sonneneinstrahlung bereits Tribut zollen. „Heute würde ich an diesen Stellen auch keine Hortensien mehr pflanzen“, berichtet die Gartenexpertin und Künstlerin Heide Jakob. An anderen Stellen hingegen profitieren die Hortensien von Schatten spendenden Kameliensträuchern. Diese Symbiose macht den Garten seit Jahren zu einem Treffpunkt für Gartenliebhaber und Kunstinteressierte. „Kunst und Kamelien“ (im Frühjahr) und „Kunst und Hortensien“ (27. September) gehören zum festen Bestandteil des Babenhäuser Veranstaltungskalenders.

Im Halbschatten entfalten die Hortensien hingegen ihre ganze Pracht. © Körtge, NormanDas Verweilen und Betrachten ist auch der Grund, warum für Heide Jakob kein bequemes Bewässerungssystem infrage kommt. Lieber geht die 77-Jährige mit Schlauch oder Gießkanne von Pflanze zu Pflanze und wässert sie. „Jeden Tag entdecke ich immer noch etwas Neues“, freut sie sich. Normalerweise wird sie dabei fleißig und tatkräftig von Ehemann Carl-Heinz unterstützt. Allerdings muss er derzeit aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Froh sind die Jakobs, dass sie 1987 beim Kauf des Eigenheims im Babenhäuser Stadtteil einen Brunnen vorfanden, der das lebenswichtige Nass für den Garten frei Haus liefert.
Die Auswirkungen von Trockenheit und Hitze merkt Heide Jakob aber auch an anderer Stelle: „Es sind nicht so viele Insekten wie sonst“, hat sie beobachtet. Das liege auch an weniger Blüten, wie im Staudenbeet. Die Fetthenne etwa, die auch gut mit Trockenheit auskommt, habe viel kleinere Blüten als sonst. Und dennoch bleibt der Garten an der Harpertshäuser Straße ein Insektenparadies. Am Mönchspfeffer kann zeitgleich eine Hummel und eine blaue Holzbiene beobachtet werden, die von Blüte zu Blüte schwirren. Schmetterlinge flattern entlang der Büsche.

Das kühle Nass genießen etliche Frösche im Seerosenteich der Heidegalerie in Sickenhofen. Die Blätter der Seerosen sorgen auch im Wasser für viel Schatten. © Körtge, NormanLavendel und Salbei kommen mit der Trockenheit ebenfalls bislang gut klar. Ebenso die Brandkräuter (Phlomis) und die sogenannten graulaubigen Stauden, die mit ihrer Behaarung und wächserner Schicht auf den Blättern das Sonnenlicht besser reflektieren und damit einen natürlichen UV-Schutz haben. Als Bodendecker zwischen den Kamelien hat sich nach Meinung von Jakob das kaukasische Vergissmeinnicht mit seinen auffällig strukturierten Blättern bewährt.
Hervorragend scheint es den Fröschen zu gehen. Nach dem Sonnenbad auf den Ufersteinen, springen sie ins erfrischende Nass des Seerosenteiches. „Sie machen es richtig“, meint Jakob und lacht. (Norman Körtge)