Politik
Unmittelbar vor dem deutsch-französischen Ministerrat hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine europäische Politik der Stärke eingefordert.
17.07.2026 06:25

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron bei einem Treffen Ende August 2025.
Quelle: IMAGO/BestimageMan müsse die Kräfte bündeln und dabei die Besonderheiten jedes einzelnen europäischen Partners respektieren, um «dieses strategische Erwachen Europas voranzutreiben», sagte er vor einem Gespräch mit Kanzler Friedrich Merz auf Schloss Bensberg. Beide Regierungen wollen am Freitag mit zwei umfangreichen Vereinbarungen ihre Zusammenarbeit in der Sicherheits- und der Wirtschaftspolitik verstärken und erste Schritte für eine gemeinsame nukleare Abschreckung gehen.
Merz erwähnte beim Empfang Macrons, dass er für den Ministerrat am Freitag als Tagungsort Schloss Augustusburg in Brühl ausgewählt habe. Denn dort hatten der frühere französische Präsident Charles de Gaulle und der damalige Kanzler Konrad Adenauer die Grundlage für den späteren Elyséevertrag gelegt, der das Fundament für die bilaterale Zusammenarbeit beider Länder schuf.Merz war bereits am Montag bei einem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen für die Unterstützung der Ukraine in Paris mit Macron zusammengekommen.Er hatte zudem am Dienstag an der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag teilgenommen.
Macron erwähnte als Beispiele für die bilaterale Zusammenarbeit etwa die Rüstungskooperation bei Frühwarnsystemen, Langstreckenraketen, in der Raumfahrt sowie die Kooperation bei der Quanteninformatik, der Künstlichen Intelligenz und im Energiesektor. Beide Regierungen wollen zudem erörtern, wie sie nach dem gescheiterten gemeinsamen Kampfjet-Projekt FCAS trotzdem bei einem Luftleitsystem und Drohnen zusammenarbeiten können.
Macron betonte eine aus seiner Sicht wachsende deutsch-französische Übereinstimmung bei europäischen Themen. «Ich glaube sagen zu können, dass die letzten Monate eine echte deutsch-französische Annäherung in der europäischen Agenda gebracht haben», sagte er. Macron sprach etwa von «sehr fruchtbaren Gesprächen» über Wechselkursfragen und die Beziehungen zu China.
Merz hatte hier mehrfach eine massiv unterbewertete chinesische Währung kritisiert. Die zunehmenden Gemeinsamkeiten gingen aber über die bilaterale und europäische Ebene hinaus und beträfen auch Fragen wie den Schutz der europäischen Industrie und die strategische Ausrichtung Europas im 21. Jahrhundert, betonte der Präsident.
(Reuters)