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Münchens größte Kult-Veranstaltung: Wer dabei sein will, muss früh aufstehen

Stand: 17.07.2026, 06:30 Uhr

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Kocherlball 2025 im Englischen Garten

Gäste beim Kocherlball im Biergarten am Chinesischen Turm. © Yannick Thedens

Es ist eine Ur-Münchner Tradition: An einem Sommer-Sonntag gibt’s Tanz in aller Herrgottsfrüh im Biergarten am Chinesischen Turm. Viele der Gäste kommen in Kostümen.

München – Hier treffen Tradition und Romantik aufeinander: Der Kocherlball am Sonntag, 19. Juli, verwandelt den Biergarten am Chinesischen Turm ab 6 Uhr (morgens!) in Münchens größten Tanzboden. Tanzmeisterin Katharina Mayer (49) aus Bad Tölz führt die Gäste mit Vortänzer Magnus Kaindl durch den Ball. Ein Gespräch über wilde Diener, unerwartete Taktwechsel und bayerische Frontfrauen – Mayer im Interview:

Sie sind seit 20 Jahren Tanzmeisterin beim Kocherlball. Eine besondere Ehre?

Diesen Job gibt es nur einmal auf der Welt. Und den mache ich. Das ist ziemlich cool. Ich moderiere, führe Menschen zusammen und leite sie beim Tanzen an. Die Tatsache, dass eine Frontfrau auf der Bühne steht, die den Männern sagt, wo es langgeht, ist in der bayerischen Kultur eher ungewöhnlich.

Katharina Mayer mit Vortänzer Magnus Kaindl beim Münchner Kocherlball.

Tanzmeisterin Katharina Mayer mit Vortänzer Magnus Kaindl beim Kocherlball. © Foto: Tjark Lienke/Kulturreferat München (honorarfrei)

Wie kam es dazu?

Meinen Vorgänger, den alten Tanzmeister Willi Poneder, kannte ich schon als Kind. Er war ein Freund meines Vaters, der ein Volksmusikforscher war. In Poneders letztem Jahr stand ich mit ihm zusammen auf der Bühne beim Kocherlball. Er war der alte Erfahrene. Ich die junge Wilde. Nach seinem Tod habe ich übernommen.

Im 19. Jahrhundert trafen sich die Kocherl, das weibliche Küchenpersonal, und andere Hausangestellte sonntags frühmorgens vor der Arbeit am Chinesischen Turm zum Tanz. Heute beginnt der Ball auch im Morgengrauen. Muss das sein?

Der Flair am frühen Morgen ist etwas ganz Besonderes. Wenn die Leute in der Dämmerung ihre Tischdecken ausbreiten, die Kerzenleuchter und das Essen auspacken. Es gibt nichts Vergleichbares. Am besten, man kommt schon gegen 4 Uhr, sonst sind alle Sitzplätze weg.

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Und dann geben Sie den Startschuss...

Um 6 Uhr begrüße ich die Gäste. Aber es wird nicht lange geredet. Der Platz zwischen Bühne und Gastronomie verwandelt sich sofort in einen großen Tanzboden. Mit meinem Vortänzer Magnus Kaindl führe ich die Tänze vor. Es gibt Paartänze wie Polka, Walzer oder Boarischer sowie Figurentänze mit schönen Namen wie Kikeriki oder Krebspolka. Mein Lieblingstanz heißt „Bleamal“, eine bayerische Polka mit langsamen, groovigen Rhythmen.

Können die Leute heutzutage überhaupt noch anständig tanzen?

Viele machen bei den Tanzkursen mit, die wir vorab mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München im Hofbräuhaus anbieten. Das Schöne ist, dass hier Leute aus allen Schichten, Altersgruppen und Nationalitäten aufeinandertreffen.

Kann man sich dabei auch blamieren?

Nein! Das Schlimmste, was man machen kann, ist einfach rumstehen. Dabei ist noch nie ein Ballvergnügen aufgekommen. Man kann übrigens auch alleine zum Kocherlball kommen. Denn dort findet sich immer ein Tanzpartner.

Gibt‘s eigentlich eine Kleiderordnung?

Jeder darf sich so anziehen, wie er mag. Viele Leute kommen in Tracht, einige in historischen Kostümen. Hier eignen sich am besten Kleider, die früher die unteren Gesellschaftsschichten trugen, die den Ball damals zelebrierten. Also Verkleidungen als Magd, Koch, Kellner oder Diener.

Ihr skurrilstes Erlebnis beim Kocherlball?

Einmal hat es so stark geregnet, dass Magnus Kaindl und ich die Schuhe ausziehen mussten. Wir waren total durchnässt. Dann ist auch noch der Strom ausgefallen, wir hatten also kein Mikro mehr und die Band musste daraufhin unplugged spielen. Aber wir haben weitergemacht und viele Besucher sind tapfer dageblieben und haben begeistert in den vielen Pfützen getanzt. Das war wirklich toll.

Die Geschichte des Fests

Am Sonntag, 6. Juli 1794, veranstaltete Benjamin Thompson im Englischen Garten erstmals einen Ball für das Personal des Militärarbeitshauses. Im 19. Jahrhundert trafen sich dann jeden Sonntagmorgen bei schönem Wetter bis zu 8000 Hausangestellte (viele Köche, Dienstmägde) zum Tanzen am Chinesischen Turm. Im Jahre 1904 wurde die Veranstaltung übrigens aus „Mangel an Sittlichkeit“ verboten.