Nun wird endlich vollzogen, was monatelang nur angedroht war und woran viele schon nicht mehr glaubten: Wegen der umstrittenen Wiederzulassung Russlands stellt die EU ihre Förderung der Biennale von Venedig ein. Ein Sprecher der EU-Kommission teilte am Dienstag mit, die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur habe nach einer rechtlichen Prüfung beschlossen, den laufenden Biennale-Zuschuss zu beenden. Ursprünglich waren zwei Millionen Euro zugesagt gewesen.
„Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden“, erläuterte der Sprecher. Im Vorfeld der am 9. Mai eröffneten Biennale hatte deren Präsident Pietrangelo Buttafuoco mit Rückendeckung von Italiens stellvertretendem Ministerpräsidenten und bekennenden Putin-Sympathisanten Matteo Salvini kurzerhand entschieden, Russland wieder seinen Pavillon bespielen zu lassen. Als „Diplomatie der Schönheit“ wollte er das verstanden wissen.
Die Kunstbiennale in Venedig zählt zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Mit dem Zuschuss half die EU bei der Unterstützung von Filmproduzenten und immersiver Technik. Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur verwaltet Mittel für Bildung, Kultur, audiovisuelle Medien, Sport, Bürgerbeteiligung und Freiwilligenarbeit.
Russland hat Tausende Kulturdenkmäler in der Ukraine zerstört
Russland nimmt erstmals seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine wieder an der Kunstbiennale teil. Rund fünfzig vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“. Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, für ein breites Publikum geschlossen, Besucher sehen die Installation aber draußen auf einem großen Bildschirm. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, sagte die umstrittene Kuratorin Anastassija Karnejewa. Sie ist Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals, der über gute Beziehungen zu russischen Waffenfirmen verfügt. Russland sieht die Teilnahme als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen.
Schon nach der Ankündigung Russlands hatte es Kritik gegeben. Verurteilt wurde die russische Kulturoffensive als Teil von Moskaus „hybrider Kriegsführung“. Die Ukraine protestierte heftig, auch weil im Zuge des Krieges nach offiziellen Angaben Kiews mittlerweile Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört oder beschädigt wurden.
Die Schmach von Venedig ist für die Ukraine auch politisch verheerend. Zu Recht wies Präsident Selenskyj in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Nova darauf hin, dass „Sport, Musik, Kino und Kunstfestivals wie die Biennale von Venedig zu Waffen zu machen, niemals hilft“. Kunst als Waffe ist stets Ausdrucksmittel von Totalitarismus.
Bereits im März hatten Mitglieder der EU-Kommission angekündigt, man werde die Aussetzung oder Beendigung des laufenden EU-Zuschusses an die Biennale-Stiftung prüfen. „Diese Entscheidung der Fondazione Biennale ist nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands“, kritisierten damals Glenn Micallef und Henna Virkkunen als Mitglieder der EU-Kommission.
Die Besucherzahlen der 61. Ausgabe der Kunstbiennale von Venedig liegen Schätzungen zufolge trotz oder gerade wegen des Konflikts in den ersten beiden Monaten deutlich höher als zu Beginn der Biennale 2024. Gemeldet wird unter Berufung auf Quellen in Venedig ein Besucherplus von zwanzig Prozent. Vor vielen nationalen Pavillons, insbesondere jenem Österreichs, der Niederlande und Deutschlands, gebe es immer wieder lange Schlangen. Sollte sich der Trend fortsetzen, würde die aktuelle Ausgabe zur bestbesuchten Kunstbiennale ihrer mehr als hundertzwanzigjährigen Geschichte. Die Ausstellung dauert noch bis zum 22. November.