Stand: 27.07.2026, 18:00 Uhr
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Welpen werden von Vermehrern und illegalen Hundeverkäufern oft zu jung weggegeben. © Symbolfoto: Daniel Karmann/dpaWährend bundesweit 333 Welpen im ersten Halbjahr aufgegriffen wurden, kennt die Polizei im Werra-Meißner-Kreis keine Fälle. Tierschützer warnen aber vor einem anderen Phänomen.
Werra-Meißner – Der illegale Handel mit Welpen ist weiterhin auf einem hohen Niveau: Allein im ersten Halbjahr konnten nach Daten der Vier-Pfoten-Stiftung 333 Tiere in Deutschland aufgegriffen werden. Das belastet Tierschutzvereine, unter anderem Schwalm-Eder in Felsberg. Wie Ralf Pomplun, Leiter des zuständigen Trägervereins, berichtet, können pro Jahr bis zu 50 Tiere, vor allem Hundewelpen, dort landen.
Ganz anders gestaltet sich die Situation im Werra-Meißner-Kreis. Auf Anfrage teilt die Polizei mit, dass in den vergangenen Jahren kein Fall von illegalem Handel mit Welpen bekannt geworden ist. Auch Julia Raschner, Leiterin des für unseren Kreis zuständigen Tierheims in Eschwege, bestätigt, dass Tiere aus dem klassischen illegalen Welpenhandel dort nur selten aufgenommen werden. Die Fälle beträfen eher grenznahe Regionen oder Tierheime in Autobahnnähe, wo Fahrzeuge durch Polizei oder Veterinärämter kontrolliert werden.
Handelt es sich um eine größere Anzahl sichergestellter Tiere, werden diese teilweise auf Tierheime in ganz Deutschland verteilt – und landen so auch in Eschwege. „Deutlich häufiger haben wir es mit unkontrollierter Vermehrung oder dem Versuch zu tun, mit Tieren Geld zu verdienen“, so Raschner.
21 Hunde aus Vermehrerhaushalten übernommen
„Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise 21 Hunde aus einer Wohnung im Werra-Meißner-Kreis übernommen. In solchen Fällen handelt es sich oft nicht nur um einzelne Welpen, sondern um ganze Hundefamilien mit Elterntieren und teilweise bereits wieder tragenden Hündinnen“, berichtet sie. Da Tierheime untereinander gut vernetzt seien, würden Sicherstellungen oft im Vorfeld bekannt und die Helfer stimmten mit den Behörden ab, welche Einrichtung wie viele Tiere aufnehmen kann. Auch Katzen würden immer wieder aus sogenannten Vermehrerhaushalten übernommen.
Dabei ist der Zustand der abgegebenen Tiere ganz unterschiedlich. „Manche Tiere sind äußerlich in einem guten Ernährungszustand und wirken zunächst gesund. Andere sind stark verwurmt, von Flöhen oder anderen Parasiten befallen, leiden unter Durchfall oder Atemwegserkrankungen wie Husten und Schnupfen“, sagt Julia Raschner. Häufig seien die Tiere weder geimpft noch regelmäßig gegen Parasiten behandelt worden.
Alle neuen Tiere kommen erst einmal in Quarantäne, erklärt Julia Raschner weiter. Dort werden sie vom Tierarzt untersucht, gegen Würmer und äußere Parasiten behandelt und medizinisch versorgt – je nach Zustand folgen weitere Behandlungen, dann dürfen sie in den regulären Bereich umziehen.
Kennzeichen für seriöse Verkäufer
Was ist nun zu beachten, wenn ein Jungtier angeschafft werden soll? Dann sollten sich Interessenten an seriöse Quellen wie Tierheime oder verantwortungsvolle Tierschutzorganisationen wenden, empfiehlt Raschner. „Wichtig ist, dass ausreichend Zeit zum Kennenlernen besteht und die Organisation oder das Tierheim auch nach der Vermittlung Ansprechpartner bleibt und das Tier im Notfall wieder aufnehmen kann.“
Vorsicht sei geboten, wenn das Tier auf Parkplätzen, Raststätten oder anderen Treffpunkten ohne vorheriges Kennenlernen stattfinden soll. „Seriöse Vermittler legen großen Wert darauf, dass Mensch und Tier zueinanderpassen, und stehen auch nach der Vermittlung weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung.“ (Nicole Demmer)