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„Muss man sich sehr gut überlegen“: Elektronische Fußfessel für Frauenschläger kommt in Bayern

Stand: 27.07.2026, 18:00 Uhr

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Elektronische Fußfessel

Elektronische Fußfesseln soll es ab Juli 2027 auch in Bayern geben. © Julian Stratenschulte/dpa

Ab Juli 2027 wird die elektronische Fußfessel bei Hochrisikofällen häuslicher Gewalt eingeführt. Nähert sich ein Täter seinem Opfer, löst die Fessel Alarm aus. Die Maßnahme wurde beim True-Crime-Abend unserer Redaktion heiß diskutiert.

Jennifer Poole war 24 Jahre alt, als die zweifache Mutter im April 2021 von ihrem Lebensgefährten ermordet wurde. In Irland, wo diese Bluttat geschah, entbrannte eine jahrelange öffentliche Diskussion. Vor zwei Wochen nun erließ Irland laut CNN ein neues Gesetz: Das Land führt ein öffentliches Register ein, in dem Straftäter häuslicher Gewalt aufgelistet werden.

Gewalt gegen Frauen: Irland führt Register für Straftäter ein, in Deutschland kommt die Fußfessel

Jeder kann nachschauen, ob jemand wegen Körperverletzung, Vergewaltigung, Zwangskontrolle oder der Weitergabe intimer Bilder verurteilt wurde. Wie es beim True-Crime-Abend der tz zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ hieß, sei ein solches Register in Deutschland schwer vorstellbar. Ab Juli 2027 wird nach einer aktuellen Gesetzesreform jedoch die elektronische Fußfessel eingeführt.

True Crime: Christiane Rapp-Gazic

Auf dem Podium beim True-Crime-Event: Familienrichterin Christiane Rapp-Gazic. © Jens Hartmann

Sicherungsmaßnahme, wenn ein potenzielles Opfer massiv in Gefahr ist

„Das ist ein weiterer Schutzmechanismus“, erklärte Familienrichterin Christiane Rapp-Gazic. Zur Anwendung kommen soll die Fußfessel bei Hochrisikofällen. Also dann, wenn ein Opfer massiv in Gefahr ist. Drei von vier Betroffenen von Partnerschaftsgewalt sind Frauen, drei von vier Tätern sind Männer, zu 60 Prozent deutsch. Nähert sich ein Frauenschläger oder Stalker seinem Opfer, löst die Fessel Alarm aus. Ebenso dann, wenn ein Täter in eine Schutzzone eindringt.

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Ermittler geben exklusive Einblicke in ihre Kriminalfälle: Auch, wer bei unserem großen True-Crime-Event nicht dabei sein konnte, kann die Inhalte des Abends ab sofort in der Mediathek von Radio Arabella nachhören unter www.radioarabella.de/share/2738749. Unsere True-Crime-Reihe setzen wir im Herbst fort: Melden Sie sich für den Newsletter an, um die neuen Termine als Erstes zu erfahren: www.tz.de/truecrime

Oberstaatsanwalt erklärt: Resozialisierung von Tätern steht im Vordergrund

Florian Schlosser ist als Oberstaatsanwalt zentral für Fälle von häuslicher Gewalt in München zuständig, Wie er bei dem True-Crime-Abend erklärte, bedeute ein solches Register, die Täter „einen öffentlichen Tod sterben zu lassen“. Sie für alle Zeit an den Pranger zu stellen. Das kollidiere mit unserem System, das seit den 1970er-Jahren auf die Resozialisierung von Straftätern ausgelegt ist. Ziel sei es, Kriminelle nach der Verbüßung ihrer Tat zurück in die Gesellschaft zu bringen. „Sie sollen sich an die Normen halten.“ Auch das sei in den Augen Schlossers Opferschutz. Er sehe den „Zielkonflikt“ bei diesem Thema. „Aber man muss sich sehr gut überlegen, was man mit welchen Mitteln erreichen will.“

Panel, Dr. Christiane Rapp-Gazic (Amtsgericht Abtlg. Familiensachen), Esther Papp (Expertin für Prävention K105 Polizei München), Florian Schlosser (Oberstaatsanwalt StAnwMünchen I), Dr. Laurent Lafleur (Richter und Ltg. Pressestelle Strafsachen OLG München), Dr. Antje Brandes (Fachanwältin f. Strafrecht), Uli Florl, Gewalt gegen Frauen, True Crime, Pressehaus, München, 21. Juli 2026, Foto: Jens Hartmann

Das prominent besetzte Panel beim True-Crime-Abend unserer Redaktion. © www.JensHartmann.com für tz/Merkur/www.jenshartmann.com

Münchner Anwältin hat mehr als 6000 Frauen juristisch geholfen

Anwältin Antje Brandes hat über 6000 Frauen juristisch zur Seite gestanden. Die versierte Juristin hält den Täterschutz in Deutschland grundsätzlich für zu hoch. Ein Register, das öffentlich Namen und Taten nennt, hält aber auch sie für schwierig. Diese Weitergabe von Informationen sei schon mit den hohen Datenschutzregeln nicht vereinbar.

Opferschutz und Täterschutz: Allein in München wurden im vergangenen Jahr 4176 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt. Die Dunkelziffer wird von Ermittlern auf mindestens das Zehnfache höher geschätzt. Deutschlandweit gab es im Vorjahr 308 versuchte und vollendete Tötungen. Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres (Ex-)Partners.