Tödliche Messerattacke in Trier „Wir haben das Liebste verloren“: Eltern von Marius Dick trauern um ihren getöteten Sohn
Trier · Die Eltern des in Trier getöteten Studenten Marius Dick sprechen über ihren unfassbaren Verlust – und fordern politische Konsequenzen.
19.07.2026
, 17:27 Uhr
Die Universität Trier hat ein Kondolenzbuch für den getöteten 22-jährigen Studenten Marius Dick ausgelegt, dessen Eltern sich am Wochenende öffentlich zu der schrecklichen Tat geäußert haben.
Foto: Harald Tittel/dpa/Harald Tittel
Es sind Worte, die einen bis ins Tiefste erschüttern: „Wir haben das Liebste durch dieses unsägliche Verbrechen verloren. Unser Sohn wurde am helllichten Tage auf offener Straße ermordet“: Das sagt der Vater von Marius Dick, dem 22-jährigen Studenten, der am Mittwoch in Trier erstochen worden ist.
Die Eltern – Elke und Thomas Dick – haben sich gegenüber der Bild-Zeitung und der ebenfalls zum Axel-Springer-Verlag gehörenden Zeitung „Die Welt“ am Wochenende zu ihrem schrecklichen Verlust geäußert. Ihren Sohn nennen sie dabei bei seinem vollen Namen, die Zeitungen haben auch Fotos von Marius Dick veröffentlicht. Ein weiteres Foto zeigt seine Eltern, wie sie sich an den Händen halten und anschauen – offenbar vor ihrem Haus im pfälzischen Landstuhl.
Familie von Marius Dick will Öffentlichkeit
Die Stadt Landstuhl und die Verbandsgemeinde Landstuhl haben in den sozialen Medien im Internet eine Art Traueranzeige veröffentlicht, ebenfalls mit dem vollen Namen von Marius Dick. Am Montag will die Heimatstadt des Getöteten ein Kondolenzbuch in ihrem Rathaus auslegen.
Nach den Veröffentlichungen hat der Trierische Volksfreund Elke Dick angeschrieben und um ein Gespräch gebeten, am Sonntag allerdings keine Rückmeldung erhalten.
Die Gespräche, die die Eltern offenbar mit der Welt und der Bild geführt haben, zeigen allerdings: Die Familie will nicht nur, dass über die Tat berichtet und der Name ihres grausam getöteten Sohns bekannt wird. Die Eltern fordern auch politische Konsequenzen.
Sowohl Elke Dick als auch ihr Mann Thomas sind bei der CDU in ihrem Heimatkreisverband aktiv. „Es muss sich in Deutschland etwas ändern. Wir fühlen uns nicht mehr sicher“, zitiert die Bild-Zeitung das Ehepaar. „Der Fall meines Sohnes muss jetzt Deutschland aufrütteln“, sagt demnach Vater Thomas. „Ich appelliere an die Politik, an unsere Landes- und Bundesregierung, unsere Bürger vor solchen Attentaten zu schützen. Ich möchte Gerechtigkeit für meinen Sohn.“
Angreifer arbeitete bei Trierer Metall-Firma Natus
Wie diese Gerechtigkeit aussehen könnte, bleibt offen. Der Afghane Sajad M., der nach seiner Festnahme am Tatort laut Polizei gestanden hatte, auf Marius Dick eingestochen zu haben, lebt offenbar seit mehr als zehn Jahren in Deutschland und bereits seit mehreren Jahren davon in Trier. M. ist ebenfalls 22 Jahre alt, wohnte offenbar in der Nähe des Tatorts und arbeitete bis zuletzt bei der Trierer Firma Natus, einem großen Hersteller von Schaltanlagen.
„Er war 4 Jahre bei uns beschäftigt, sprach sehr gut Deutsch. Es gab nie irgendwelche Auffälligkeiten, er galt als bestens integriert. Deshalb war die Fassungslosigkeit umso größer“, zitiert die Bild-Zeitung Firmensprecherin Anja Natus.
Laut Staatsanwaltschaft liegt bei dem mutmaßlichen Täter eine psychische Erkrankung vor, weswegen ein Richter ihn in eine forensische Psychiatrie eingewiesen hat. Nach unbestätigten Informationen der Bild-Zeitung soll laut seinen Angaben – im Alter von zwölf Jahren an der iranisch-türkischen Grenze von seinen Eltern getrennt und musste sich alleine nach Deutschland durchschlagen.
Das Ehepaar Dick lebt zusammen mit seinem zweiten Sohn Johannes in einem Einfamilienhaus in Landstuhl, etwa 15 Kilometer von Kaiserslautern entfernt. Mutter Elke beschreibt ihren getöteten Sohn als „total offenen und extrovertierten Menschen“, der „niemals jemandem etwas zuleide tun“ habe können.
Kurz vor seinem Tod hatte Marius offenbar seine letzte Klausur in seinem Bachelor-Studium der Geschichte an der Universität Trier geschrieben. Sein Abschluss soll kurz bevorgestanden haben.
Marius Dick wollte Militärgeschichte in Potsdam studieren
Laut Medienberichten hatte Marius Dick geplant, nach Potsdam zu ziehen, um an der dortigen Universität Militärgeschichte zu studieren. Die Uni Potsdam bietet den Masterstudiengang „War and Conflict Studies“ an, der sich insbesondere dem 20. Jahrhundert widmet, das „Gewaltschauplätze in einer völlig neuen Größenordnung bot, deren Auswirkungen bis in die unmittelbare Gegenwart hineinreichen“, wie es auf der Website der Universität heißt.
Die Trierer Polizei hatte Marius Dick nach der Tat am Mittwoch vergangener Woche als „Zufallsopfer“ bezeichnet – der Täter und der Student sollen sich vorher nicht gekannt haben. Der Beschuldigte, Sajad M., hat die Tat eingeräumt, weitere Angaben habe er laut Staatsanwaltschaft nicht gemacht. Ein psychiatrisches Gutachten soll Aufschluss über seine Schuldfähigkeit geben.
Auf ihrer Facebook-Seite hat Mutter Elke Dick am Samstag ihr Profilfoto gewechselt – es zeigt nun ein Porträt ihres getöteten Sohns. Unter dem Foto sprechen unzählige Menschen der Familie ihr Beileid aus. Als Titelbild ihrer Facebook-Seite hatte die 56-Jährige bereits im Dezember 2023 ein Bild eingestellt, auf dem zwei weiße Kerzen zu sehen sind und der Schriftzug „Manchmal ist Frieden zu haben besser, als Recht zu bekommen.“