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Pfalzpreisträger im Zweibrücker Herzogsaal: Einblicke in die pfälzische Geschichte

Pfalzpreisträger im Zweibrücker Herzogsaal Einblicke in die pfälzische Geschichte

Zweibrücken · Bei Ausbruch der Französischen Revolution gehörte Obermoschel zum wittelsbachischen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Andreas Becker stellte beim Historischen Verein den für diese Zeit wichtigen Wirtschaftsstandort vor.

22.07.2026 , 18:06 Uhr

Ins Zeitalter der Französischen Revolution blickte der Historische Verein Zweibrücken beim Vortrag von Andreas Becker zum Thema „Obermoschel im Zeitalter der Französischen Revolution“ zurück.

Foto: Sabine Best

Einen sehr detaillierten Vortrag über „Obermoschel im Zeitalter der Französischen Revolution“ hielt Andreas Becker, wissenschaftlicher Leiter des Universitätsarchivs Regensburg, im Herzogsaal des Stadtmuseums. Die Überschrift des Vortrages ist auch Titel der von Becker verfassten lokalhistorischen Publikation, für die er jahrzehntelang in Archiven in ganz Deutschland und angrenzenden Nachbarländern recherchierte. Das entstandene Buch erschien 2024 zum 675-jährigen Jubiläum der Gemeinde Obermoschel in der Nordpfalz und wurde mit dem Pfalzpreis für Geschichte und Volkskunde 2025 ausgezeichnet.

In der vom Historischen Verein Zweibrücken unter dem Vorsitz von Michael Schubert und Charlotte Glück organisierten Veranstaltung mit etwa 40 Gästen gab der Referent Einblicke in die Entstehungsgeschichte seines Werkes mit aufwendiger Quellensuche und -auswertung. Inhaltlich stand die faszinierende Entwicklung der Gesellschaft in Obermoschel von der Ära des Ancien Régime, der absolutistischen Regierungsform in Frankreich bis 1789, bis zum bürgerlichen Zeitalter im Mittelpunkt.

Bereits als Neunjähriger habe er beim Erstellen eines Stammbaumes von seinen Großeltern erste Informationen zur Familiengeschichte erhalten, die über den Vorfahren Peter Homburger – um 1800 lutherischer Pfarrer in Obermoschel – eng mit der kleinsten Stadt der Pfalz verbunden ist, so Becker. Damals wartete der sehr junge Mann auch gespannt auf weitere Ausführungen seines Großvaters über das Treiben des bekannten Räubers Schinderhannes, alias Johannes Bückler, doch dazu kam es leider nicht mehr. „Mich hat das Umfeld interessiert, in dem meine Vorfahren lebten“, erklärte der Referent seine Ambitionen zur Buchveröffentlichung mit weitreichenden geschichtswissenschaftlichen Hintergründen. Auch wenn sich der Inhalt überwiegend auf lokale Ereignisse bezieht, so fehlt doch nicht der Bezug zur ganzen damaligen europäischen Geschichte.

In seinem Vortrag legte Becker den Fokus auf die Jahre 1770 bis 1815. Unterteilt in Obermoschel am Ende des Ancien Régime, also während der Revolutionskriege, die französische Herrschaft, wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandlung sowie die damit verbundenen Veränderungen der Strukturen. Ein Punkt waren die Konflikte in der Selbstverwaltung zwischen dem vom Volk gewählten Bürgermeister und dem vom Herzog ernannten Schultheiß, der wesentlich mehr Rechte hatte und diese auch ausnutzte.

Viele Menschen waren in Obermoschel, das schon seit 1349 Stadtrechte hatte (die es dann mit der Neugliederung der Verwaltung unter französischer Herrschaft verlor und erst 1846 durch die Bemühungen des damaligen Bürgermeisters Maximilian Neu zurückbekam) im Bergbau beschäftigt. Obermoschel war zur damaligen Zeit die drittgrößte Abbaustelle für Quecksilber weltweit; das seltene Silber-Quecksilbererz ist als Moschellandsbergit benannt. Dabei seien vor allem Lutheraner in den Minen beschäftigt gewesen, während Katholiken und Juden als Händler tätig waren.

Becker konnte anschaulich die französische Zeit mit Reformen, Bürgertum, baulichen Veränderungen und moderner Stadtgesellschaft dokumentieren. „Während wir französisch waren, hat man gute Geschäfte machen können“, war ein aussagekräftiges Zitat des Bürgermeisters Johann Jacob Neu (1800-1848).

Am Schluss ging er noch auf den Überfall des berüchtigten Räubers Schinderhannes mit seiner Bande auf den jüdischen Haushalt des Kaufmanns Elias Joel in Obermoschel im Jahr 1801 ein. Nur durch den Zusammenhalt der ganzen Bevölkerung konnten die Angreifer vertrieben werden. Auch dazu gab es Selbstzeugnisse von damaligen Bewohnern der Stadt. Diese Dokumente zeigen eindrucksvoll, wie sich die Bürgerschaft geschlossen für ihre jüdischen Mitbürger einsetzte.

Die sehr detaillierten und reichlich mit Quellen belegten Ausführungen in kompakter Zusammenfassung machten den Vortrag zu einem gleichermaßen kurzweiligen als auch historisch interessanten Abendprogramm.