Mitarbeiter berichten Sicherheit im Freibad – warum in Mettlach jetzt Security benötigt wird
Mettlach · Im Freibad Mettlach laufen seit ein paar Wochen Sicherheitsmänner Streife. Denn die Mitarbeiter melden zunehmend Probleme. Warum immer mehr Bäder im Saarland auf Security setzen – und was die Kriminalstatistik dazu sagt.
23.07.2026
, 07:00 Uhr
Seit einigen Wochen setzt das Freibad Mettlach einen Sicherheitsdienst ein.
Foto: Michelle Soulier
Im Nichtschwimmerbecken toben und spielen Kinder und Jugendliche, im Schwimmerbecken ziehen Erwachsene gleichmäßige Bahnen. Rund 800 Gäste sind an diesem Tag ins Freibad nach Mettlach gekommen – und wer die Liegewiesen überblickt, sieht: Familien, Freundesgruppen, Handtücher, Sonnencreme. Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch.
Auf Streife im Freibad Mettlach
Zwischen den Picknickdecken und Handtüchern laufen zwei Männer in schwarz-weißen Uniformen. Sie schlendern langsam, aber ihr Blick wandert wachsam über das Gelände. Sie registrieren, wer wo sitzt. Wie groß eine Gruppe ist. Im Hinterkopf eine Frage, die man an diesem friedlichen Samstag kaum für nötig halten würde: Wo ist der nächste Ausweg, wenn es eskaliert?
Die beiden kommen vom DKW Sicherheitsservice aus Großrosseln. Seit einigen Wochen sind sie hier in Mettlach im Einsatz – vorerst auf Probe. In regelmäßigen Abständen laufen sie die Liegewiesen ab, zeigen Präsenz. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. Die meisten Badegäste nehmen kaum Notiz von ihnen.
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Den Bademeistern im Freibad Mettlach über die Schulter geschaut
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Foto: Michelle Soulier
Streitereien unter Gästen eskalieren immer häufiger
Warum sie hier sind, weiß Bademeister Sascha Frank. „Seit etwa drei oder vier Jahren bemerken wir, dass die Gewalt im Bad deutlich zunimmt", sagt er. Immer wieder gebe es Streitereien unter Gästen oder Diskussionen mit dem Personal, die eskalieren. „Dann diskutiere ich mit einem und bin auf einmal von einer ganzen Gruppe Halbstarker umzingelt, werde bedroht oder beschimpft." Vor einigen Wochen habe sich die Lage besonders zugespitzt, schildert Frank: Eine 15-köpfige Jugendgruppe geriet mit einem Mann aneinander. „Wir mussten die Parteien auseinanderhalten. Zusätzlich hatten sich weitere – eigentlich unbeteiligte – Badegäste eingemischt." Die Jugendlichen bekamen Hausverbot. „Wenn solche Situationen auftreten, können wir die Becken nicht im Blick behalten“, erklärt Frank. Aus diesem Grund hat das Freibad Mettlach den Sicherheitsdienst beauftragt.
Gras auf der Wiese?
Am Rand der Liegefläche verlangsamen die beiden Männer ihren Schritt. Ein intensiver Geruch liegt in der Luft. Cannabis. Sie schauen sich um, lassen die Blicke über die Liegefläche wandern – aber niemanden können sie den Geruch direkt zuordnen. Kurz darauf kommen auch Badegäste zu Frank und seinen Kollegen, beschweren sich über den offenkundigen Cannabis-Konsum. Nach kurzer Rücksprache von Bademeister und Sicherheitsdienst ist klar: Eingreifen ist vorerst nicht möglich. „Wenn wir jetzt einfach Gäste ansprechen und sie beschuldigen, kann es sein, dass die sich angegriffen fühlen", erklärt einer der Sicherheitsmänner. Also einigen sie sich mit Frank darauf, die Stelle weiter im Auge zu behalten und abzuwarten.
Neben Drogen ist Alkohol ein weiteres wiederkehrendes Problem im Freibad. Immer wieder finden Mitarbeiter leere Flaschen mit Hochprozentigem auf dem Gelände. „Vor allem ist es Whisky", erzählt Frank. Manchmal seien Badegäste – auch Eltern, die mit ihren Kindern ins Bad kommen – erkennbar betrunken. Die Kombination aus Hitze und Alkohol senke die Hemmschwelle spürbar. Und stelle ein Sicherheitsrisiko dar – auf der Wiese, aber auch im Becken.
Meister für Bäderbetriebe Sascha Frank ist froh über die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitspersonal: „So können wir uns endlich wieder auf die Aufsicht im Becken konzentrieren“.
Foto: Michelle Soulier
Immer mehr Schwimmbäder greifen auf Security zurück
Auch in „Jörgs Imbiss“ im Bad kennt man solche Situationen. Mitarbeiterin Kerstin – ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen – erlebt immer häufiger aggressives Verhalten. Vor einigen Wochen wurde sie von einer Gruppe Jugendlicher mit Essen beworfen, nachdem diese die Bestellung nicht zahlen wollten. „So ein respektloses Verhalten passiert leider immer häufiger", sagt sie.
In Wadgassen und Steinrausch, wo der DKW Sicherheitsservice ebenfalls im Einsatz ist, patrouillieren nach eigenen Angaben an manchen Tagen bis zu zehn Mitarbeiter. Dort gibt es Taschenkontrollen – nach Drogen, aber auch nach Messern. „In den ersten Wochen haben wir etwa 100 Messer konfisziert", berichten die beiden DKW-Mitarbeiter. Darunter seien gleichwohl neben Messern, die als Waffen zählen, auch solche zum Obstschneiden gewesen. In Mettlach ist man noch nicht so weit. In ein paar Wochen wird entschieden, wie es mit dem Einsatz der externen Security weitergeht. Für Sascha Frank und seine Kollegen nimmt der Sicherheitsdienst den Bademeistern vor Ort bereits jetzt eine erhebliche Last ab. Sie können sich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben und das Geschehen in den Becken konzentrieren.
Das Freibad Mettlach ist kein Einzelfall. Immer mehr Schwimmbäder im Saarland und in ganz Deutschland greifen auf die Hilfe von Sicherheitsfirmen zurück. Neben Wadgassen und Steinrausch etwa das Freibad in Fechingen und andere Saarbrücker Bädern.
Im Freibad in Mettlach eskalieren Streitereien unter Gästen immer häufiger.
Foto: Michelle Soulier
„Es geht um Sicherheit“
Ein Blick auf die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik bremst die Dramatik allerdings: Die Kriminalität in saarländischen Bädern ist in den vergangenen Jahren nicht gestiegen – im Gegenteil. 2022 wurden im Saarland noch 228 Straftaten in Schwimmbädern und Badestellen erfasst, 2023 waren es 218, 2024 nur noch 169 – ein Rückgang von mehr als 20 Prozent. Für 2025 rechnen die Behörden mit ähnlichen Zahlen. Der häufigste Delikttyp: Diebstahl, gefolgt von Rohheitsdelikten wie Körperverletzung und sexuellen Übergriffen. Allerdings rät Kriminologe Frank Neubacher von der Universität Köln, die Zahlen „mit Vorsicht zu genießen": Sie bilden nur das Hellfeld ab – also angezeigte Fälle – und lassen die unerfassten Straftaten außen vor.
Ein Fall aus diesem Sommer sorgte bundesweite für Aufsehen: Das Heidebad in Halle in Sachsen-Anhalt entschied, nur noch Gäste mit ausreichenden Deutschkenntnissen einzulassen. Begründung des Betreibers: Nicht deutschsprachige Badegäste würden sich nicht an Regeln und Lautsprecherdurchsagen halten. Auch in Mettlach fällt laut Frank auf, dass ein Großteil der Gruppen, die wiederholt für Probleme sorgen, aus dem grenznahen Frankreich kommt. Viele sprechen kein Deutsch, manche kein Englisch. Regeln und Anweisungen kommen so schlicht nicht an. Frank weiß, wie heikel das Thema ist. „Man gerät, wenn man so was anspricht, häufig in eine rassistische Richtung, in die man gar nicht möchte", sagt er. „Aber ich kann es auch nicht ignorieren. Es geht um Sicherheit."
Mettlach macht es anders
Die Antwort des Freibades Mettlach ist eine andere als die in Halle. Mitarbeiterin Nadine bedient an der Kasse auf Deutsch, Englisch und Französisch. Auch die Sicherheitsmitarbeiter sprechen mehrere Sprachen. Die Beschilderung im Bad ist auf Deutsch und Französisch gehalten und wird durch Piktogramme ergänzt – künftig sollen auch Englisch, Türkisch und Arabisch dazukommen. Auch arbeitet das Freibad mit dem Ordnungsamt und auch der Polizei zusammen. „Vor ein paar Jahren, waren in Steinrausch auch regelmäßig Kräfte der Französischen Gendarmerie“, erzählt einer der Sicherheitsmänner. Auch das sei eine Möglichkeit, die man in Mettlach nutzen könnte, meint er.
Die beiden Männer in schwarz-weißen Uniformen setzen ihren Rundgang fort. Derweil spielen und toben weiter Kinder und Jugendliche im Nichtschwimmerbecken. Im Schwimmerbecken werden weiter Bahnen gezogen. Der Himmel ist wolkenlos. Es ist ein ruhiger Samstag. „Das ist das eigentliche Ziel. Dass es so bleibt“, sagt der Security-Mitarbeiter.