everyschematic.com

„Unterschiede nicht unvermeidbar“: Was Deutschland bei Migration von Malta und Irland lernen kann

Studie zeigt: Zuwanderer arbeiten mehr als viele denken – aber ein Problem bleibt

Stand: 23.07.2026, 07:09 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Rekordhoch bei der Beschäftigungsquote von Zuwanderern: Besonders Migranten aus Nicht-EU-Ländern holen auf. Dennoch bleibt großes Potenzial ungenutzt, sagen Forscher.

Berlin – In der EU sind mehr Zuwanderer als je zuvor berufstätig. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Centre for Research and Analysis of Migration des privaten Wirtschaftsforschungsinstituts Rockwool Foundation Berlin (RF), basierend auf Daten des Statistischen Amts der EU (Eurostat).

Alexander Dobrindt in einer Fotomontage

Im Innenministerium von Alexander Dobrindt (CSU) gibt es Kürzungen bei Integrationskursen. © Sebastian Gollnow, Jens Kalaene/dpa

Dieser zufolge stieg im vergangenen Jahr der Anteil der Erwerbstätigen unter den Zuwanderern in der EU von 67,8 auf 68,2 Prozent. Die Beschäftigungsquote erreichte damit im Jahr 2025 ein Rekordhoch. Den größten Zuwachs verzeichneten laut RF Migrantinnen und Migranten aus Nicht-EU-Ländern, deren Beschäftigungsquote seit 2017 um 6,6 Prozentpunkte von 59,4 stieg – auf 66 Prozent im Jahr 2025. Die Erwerbsquote unter EU-Zuwanderern erhöhte sich derweil von 71,1 auf 74,8 Prozent. Zum Vergleich: Die der einheimischen Bevölkerung stieg in dem Zeitraum von 67,2 auf 71,6 Prozent. Aber: Ein großes Potenzial bleibe in vielen Ländern ungenutzt, so die Forscherinnen und Forscher.

Zuwanderung in der EU: Immer mehr haben Arbeit

„Der Anteil der Zuwanderer in Beschäftigung steigt seit vielen Jahren, und die Zahlen liegen nahe an denen der einheimischen Bevölkerung“, sagt Tommaso Frattini, stellvertretender Direktor des Forschungszentrums bei RF Berlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand, unserer Redaktion. Es gebe allerdings erhebliche Unterschiede je nach Herkunftsregion und Aufnahmeland. So weisen Zuwanderer, die in anderen EU-Mitgliedstaaten geboren wurden, Beschäftigungsquoten auf, die die der einheimischen Bevölkerung teilweise sogar übertreffen.

Bei Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern hingegen variieren die Ergebnisse zwischen den jeweiligen Aufnahmestaaten stark. In Malta (83,7 Prozent), Tschechien (77,3 Prozent) und Irland (76,1 Prozent) haben besonders große Teile dieser Gruppe Arbeit. Am niedrigsten ist die Quote in Belgien (58,5 Prozent) und Finnland (58,6 Prozent). In Deutschland liegt die Beschäftigungsquote von Nicht-EU-Zuwanderern bei 66,1 Prozent, in Österreich bei 65,4 Prozent. In Italien weisen Nicht-EU-Zuwanderer eine Erwerbsquote von 64,2 Prozent auf: Sie ist höher als die der Einheimischen (62,1 Prozent), aber niedriger als die der EU-Zuwanderer (67,5 Prozent). In Spanien liegt die Erwerbsquote von Nicht-EU-Zuwanderern bei 65,4 Prozent und damit nahe an jener der Einheimischen (67,1 Prozent).

Der Bericht der Forscherinnen und Forscher zeigt zudem: Es gibt eine erhebliche Unterauslastung der Qualifikationen von Zuwanderern. In weiten Teilen Europas ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass hochqualifizierte Nicht-EU-Zuwanderer eine Beschäftigung finden, deutlich geringer als bei Einheimischen mit gleichem Bildungsniveau. „Europa hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt erzielt“, sagt Christian Dustmann, Direktor von RF Berlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London. Es gehe heute aber nicht nur darum, Zuwanderer in Arbeit zu bringen, sondern ihre Qualifikationen voll auszuschöpfen. „Eine bessere Anerkennung ausländischer Qualifikationen, der Abbau unnötiger Zertifizierungshürden und eine Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Nicht-EU-Frauen könnten dazu beitragen, den Arbeitskräftemangel zu lindern und gleichzeitig das Humankapital Europas besser zu nutzen“, so Dustmann.

„Eine der auffälligsten Erkenntnisse ist, wie unterschiedlich die europäischen Länder abschneiden“, fügt Frattini hinzu. „Einigen Ländern ist es weitgehend gelungen, Nicht-EU-Zuwanderer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, während andere weiterhin damit zu kämpfen haben. Dies zeigt, dass diese Unterschiede nicht unvermeidbar sind.“ Aber: Ein erhebliches Arbeitsmarktpotenzial bleibe nach wie vor ungenutzt, insbesondere bei Frauen aus Nicht-EU-Ländern sowie bei hoch qualifizierten Zuwanderern.

Derweil zeigt eine Studie des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung, dass rund ein Drittel der in Deutschland lebenden EU-Bürger über einen Fortzug nachdenkt. Ein Grund: mangelnde Integrationsangebote. Staatsministerin Natalie Pawlik (SPD), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, warnte jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion vor Kürzungen bei Integrations- und Sprachkursen im Bundesinnenministerium von Alexander Dobrindt (CSU). (Quellen: Bericht „Employment of Immigrants in the European Union: Progress, PersistentGaps, and Untapped Potential”, eigene Recherchen)