Kampf gegen Varroamilbe
Bienenretter scheitert – und wagt Neuanfang
Ein Winterthurer Start-up wollte die Bienen retten. Trotz Millionengeldern ging es Konkurs. Jetzt hat es eine neue Idee.
23.07.2026, 06:45
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Pascal Brunner setzte auf nichts Geringeres als die Rettung der Bienen – vor einer Milbe, die für Bienen tödlich ist. «Wenn man irgendeinen Imker auf der Welt fragt: ‹Was ist dein Hauptproblem?›, ist die Antwort: ‹die Varroamilbe›», sagt Brunner.
Er stammt aus einer Winterthurer Imkerfamilie, die seit vier Generationen Bienen züchtet. Hier entstand ein Lösungsansatz gegen das globale Problem.
Legende:
Willi und Pascal Brunner setzten grosse Hoffnung auf ihre Geschäftsidee, mit einer Art Bodenheizung für Bienenwaben Varroamilben zu bekämpfen.
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Vater Willi erfand 2014 ein Heizsystem mit Drähten in den Bienenwaben, um die Milbe thermisch statt chemisch zu bekämpfen. Die beiden gründeten zusammen das Start-up Vatorex. Das Prinzip erklärte Sohn Pascal damals so: «Bienen ertragen höhere Temperaturen als die Varroamilben. Wir heizen für drei Stunden auf 41 Grad Celsius. Das reicht, um die Varroamilben abzutöten.»
Legende:
Die «Bodenheizung für Bienen»: Die Erfindung – in Bienenwaben eingeflochten – sollte Varroamilben abtöten.
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Die Hoffnungen waren gross, man verzeichnete Erfolge. «Wir haben schon 60 Installationen in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und Holland, und wir haben grosse Pläne für die Zukunft», sagte Pascal Brunner in der Sendung «Schweiz aktuell» im Jahr 2018.
Sieben Millionen und der Absturz
Brunner warb gewandt für sein Start-up: «Es liegt an euch: Rettet zusammen mit uns die Bienen», forderte er Investoren in der Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» auf.
Legende:
Die «Bienenretter» 2018: Vater und Sohn Brunner bei Tests für ihre Geschäftsidee
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Sieben Millionen Franken flossen von Investoren und der EU in das Jungunternehmen. Doch der Traum platzte, als ein Mitgründer aus gesundheitlichen Gründen ausstieg. Er war das technische Hirn des Produkts. Sein Know-how konnte nicht ersetzt werden. Bei Feldversuchen in Übersee versagte die Software.
Es war ein trauriger Abschied.
Brunner gesteht: «Wir waren durch Kostendruck gezwungen, ständig neu zu entwickeln, und haben dabei im Engineering Fehler gemacht. Das Produkt hat nicht funktioniert.»
Im Mai 2025 folgte der Konkurs. «Als klar war, dass es nicht mehr geht, war es ein trauriger Abschied», erinnert sich der Vater.
Stress schlägt auf die Gesundheit
Der heute 36-jährige Gründer und ausgebildete Bewegungs- und Sportwissenschaftler blickt selbstkritisch zurück: «Ich kam blutjung und naiv frisch von der ETH. Ich hatte keine Ahnung von Betriebswirtschaft und habe trotzdem ein Unternehmen geführt – logisch machte ich Fehler.»
Ich musste zwei-, dreimal im Flieger erbrechen.
Das Start-up verlangte ihm alles ab. «Ich merkte, dass ich Scheuklappen aufhatte, im Tunnel drin war und nichts mehr anderes vom Leben mitbekam.»
Die Arbeitslast – häufig 80-Stunden-Wochen – brachte Brunner an Grenzen. Er merkte dies in den seltenen Momenten der Ruhe auf Langstreckenflügen: «Dort wurde mir plötzlich übel. Ich musste zwei-, dreimal im Flieger erbrechen. Einfach, weil dann der Stress abgefallen ist.»
Der Kampf für die Bienen geht weiter
Der Absturz ist abgehakt. Brunner hat bereits eine neue Firma gegründet – AquaBee – zusammen mit einem deutschen Fischzüchter. Erneut haben sie sich der Bekämpfung der Varroamilbe verschrieben.
Dieses Mal spritzen sie ein Serum aus Karpfenblut in den Bienenstock. Das Präparat mit Antikörpern bindet an die Varroamilben, die auf den Bienen sitzen. Es soll die Milben verwirren, damit diese von den Bienen fallen.
Das Projekt sei erst am Anfang, erste Tests seien aber vielversprechend. Die Herausforderung sei aber auch dieses Mal, die Methode in grossen Mengen kostengünstig zu produzieren.
Legende:
Neuer Anlauf gegen Varroamilben: Ein Serum aus Karpfenblut soll die Varroamilben abtöten, so das neue Projekt.
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Pascal Brunner betont: «Ich bringe mehr Erfahrung mit, ich habe gelernt, was man nicht machen sollte, und ich gebe mein Bestes, dass es dieses Mal klappt. Aber die Garantie hat man nie.» Der Kampf für die Bienen geht weiter.
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Schweiz aktuell, 22.7.2026, 19 Uhr;weds