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Bauernhof in Not: Crowdfunding gegen Heu-Knappheit

Trockenheit Crowdfunding für Heu-Zukauf soll Kühe vor Schlachtung bewahren

Wegen der Dürre geht manchen Bauern das Heu aus. In Reigoldswill BL sammelt jetzt ein Hof Geld für Heu im Internet.

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Die anhaltende Trockenheit und Hitze treffen den Jurabogen besonders: Seit Anfang Juni fiel kaum Regen. Die Vegetation leidet; es sieht jetzt schon aus wie im Herbst. Die kalkhaltigen Juraböden können Wasser nur schlecht speichern. Das verschärfe die Lage für die Höfe, erklärt Sandra Helfenstein vom Schweizerischen Bauernverband.

Landschaft mit Hügeln, Bäumen und klarem Himmel.
Legende:

Die Kalkböden der Jurahügel speichern Wasser schlecht, sodass es rund um den Grienhof ähnlich braun aussieht.

SRF / Rachelle Strub

Die Dürre hat Folgen für die Betriebe: Heu wird immer knapper. Einige Betriebe verfuttern darum bereits, was sie eigentlich für den kommenden Winter beiseitegelegt hatten. So auch Philipp und Sandra Rosset vom Grienhof oberhalb von Reigoldswil BL auf gut 600 m ü. M. Weil auf ihren Weiden kaum mehr Futter wächst, bleiben ihre 30 Milchkühe derzeit im Stall.

Knappe Kalkulation statt Geld wie Heu

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Trotz landesweiter Trockenheit geht der Schweizerische Bauernverband (SBV) davon aus, dass an einzelnen Orten dank etwas Regen und geeigneten Böden auch jetzt noch Gras wachsen kann. Doch wenn bei knappem Heu-Angebot wie jetzt die Nachfrage stark steigt, geht der Preis mit – dann müssten die Betriebe gut rechnen, sagt Sprecherin Sandra Helfenstein.

Gemäss Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbandes beider Basel, kommt vereinzelt Heu auf den Markt, namentlich von Betrieben ohne eigene Tiere, aber das Heu sei teurer als letztes Jahr. «Der Preis geht jetzt ab wie eine Rakete.»

Mit Milchkühen sei die Rechnung wegen des tiefen Milchpreises schwierig, erklärt Helfenstein. Wer seine Milch für hochpreisigen Käse verkaufen könne, sei besser dran als jene, die ihre Milch als solche vermarkten.

Heu-Import nicht einfach

Im Ausland sei die Lage derzeit indes ähnlich. Importiert werde Heu wegen der Transportkosten fast nur aus Deutschland und Frankreich. Der SBV habe dieser Tage beim Bund beantragt, die Zölle auf Raufutter vorübergehend zu streichen, um den Schweizer Bauern zu helfen.

Im Hitzejahr 2003 habe das Militär Heutransporte zwischen verschiedenen Schweizer Regionen übernommen, um betroffenen Bauern Extrakosten zu ersparen. Laut Helfenstein wird erst im August absehbar, wie schlimm es heuer aussieht für die Wintervorräte.

Mit jedem Tag, an dem die Kühe von den Winterreserven fressen, verschärft sich das Problem. Um zusätzlichen Futternachschub finanzieren zu können, haben die Rossets deshalb spontan ein Crowdfunding gestartet.

3500 Franken sollen zusammenkommen, damit ihr Biobetrieb keine Kühe wegen Futtermangels schlachten muss – das würde künftig weniger Einnahmen bedeuten. Der Zukauf dank Spenden würde nur einen Teil des Problems lösen, sagt Philipp Rosset. Die ganze für den Winter nötige Heumenge koste rund 30'000 Franken.

Für Heu ist das Crowdfunding jetzt eine Premiere. Aber es ist ja auch ein spezielles Jahr.

Für den Schweizer Bauernverband ist die Aktion ungewöhnlich. Zwar hätten Betriebe in der Vergangenheit schon Crowdfunding für Neubauten oder Betriebsumstellungen genutzt, sagt Helfenstein. «Für Heu ist das eine Premiere. Aber es ist ja auch ein spezielles Jahr.»

Auch Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbandes beider Basel, zeigt Verständnis für den Spendenaufruf: Die meisten hätten Heureserven, «aber keinen halben Jahresbedarf. Es ist wirklich extrem jetzt.» Winterreserven rühre man eigentlich nicht vorzeitig an; das tue man nur, «wenn man am Hag ist».

Spenden in der Nähe

Helfenstein sieht durchaus Chancen für solche lokale Sammelaktionen. Spendende wüssten genau, wohin ihr Geld fliesst – und für Nachbarn im Dorf gebe man vielleicht eher etwas. Und: Würden mehr Bauern diesen Weg gehen, könnte das Bewusstsein wachsen, wie stark die Trockenheit die Landwirtschaft belaste.

Tatsächlich floss schon in kurzer Zeit die Hälfte der Zielsumme an den Grienhof. «Ich bin sehr positiv überrascht», sagt Sandra Rosset. Gespendet hätten auch völlig Unbekannte; solches Mitgefühl tue gut. Mit den Spenden kann der Grienhof die als letzte Option angedachte Schlachtung im Herbst vielleicht vermeiden.

Ein Mann und eine Frau stehen in einem Stall mit Kühen.
Legende:

Sandra und Philippe Rosset im Stall – ihre Milchkühe fressen jetzt Heu von Wintervorräten, weil draussen nichts mehr wächst.

SRF / Rachelle Strub

Laut dem SBV werden derzeit in der Schweiz nicht mehr Tiere geschlachtet als üblich. Ob sich die Situation entspannt, hängt davon ab, ob im August nochmals genügend Gras nachwachsen kann. Normalerweise bringen Bäuerinnen und Bauern dann nochmals einen Heuschnitt ein, der einen wichtigen Teil der Winterversorgung sichert.

Hoffen auf Landregen

Noch ist offen, wie sich das Wetter entwickelt. Falls das Crowdfunding der Familie Rosset klappt und genug Bio-Heu zu finden ist, kann auch die 15-jährige Tochter Leoni Rosset besser schlafen. Kühe schlachten zu lassen, mit denen man aufgewachsen sei und denen man einen Namen gegeben hat, das sei «sehr emotional».

Entspannung würde laut Brodbeck nur grössflächiger, ergiebiger Regen bringen, mindestens drei, vier Tage lang. «Die Böden sind jetzt pickelhart. Wasser ist fast nichts mehr vorhanden; Säen bringt nicht viel.»

Regionaljournal Basel Baselland, 22.7.2026, 17:30 Uhr ;  lanr;stes;wilh