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Gemeinsamhandel-Chefin zu Sonntagsöffnungen: „Jeder sollte öffnen können, wie er möchte“

Gemeinsamhandel-Chefin zu Sonntagsöffnungen „Jeder sollte öffnen können, wie er möchte“

Zweibrücken · Der Einzelhandel braucht dringend neue Impulse, mahnt Sandra Cleemann. Die Zweibrücker Einzelhändlerin und Vorsitzende von Gemeinsamhandel, sagt zum Vorhaben der Bundesregierung, Sonntagsöffnungen zu liberalisieren: „Ich feiere das. Ich finde den Vorstoß super.“

12.07.2026 , 20:19 Uhr

Mitten im Hochsommer ein adventliches Motiv? Für Sandra Cleemann angemessen. Als Handels-Profi hat sie bereits den Dezember im Blick – die umsatzstärkste Zeit für den Einzelhandel. Cleemann hofft angesichts der neu aufgeflammten Debatte um die Sonntagsöffnungen, dass der Zweibrücker Handel 2026 an allen Adventssonntagen öffnen darf. Dies wäre, erklärt sie eindringlich, ein ganz wichtiger Impuls. Unser Archivfoto zeigt, wie Sandra Cleemann unter den Augen des Nikolaus’vor ihrem Spielzeug- und Schreibwarenladen in der Fußgängerzone eine Tanne schmückt, unterstützt von Noah (rechts) und Mattéo (links).

Foto: Rainer Ulm

Es sind zwar noch gut fünf Monate bis zum Fest der Feste. Aber Sandra Cleemann kann bereits jetzt ihren Herzenswunsch nennen: dass künftig jeder Händler in Zweibrücken und ganz Deutschland an den Sonntagen so öffnen darf, wie er es für richtig hält.

Diesen Wunsch habe sie schon lange, erklärt die Zweibrücker Einzelhändlerin auf Anfrage unserer Zeitung. Und nun werden ihre Hoffnungen neu beflügelt.

Denn die Bundesregierung plant eine Aufweichung der bisher noch recht strengen Regeln. In einem zumindest ersten Schritt will die schwarz-rote Koalition Bäckereien und Konditoreien erlauben, an Sonntagen künftig bis zu acht Stunden öffnen zu dürfen – bislang sind maximal fünf Stunden zulässig.

Sandra Cleemann, die in der Fußgängerzone ein Spielwaren- und Schulartikel-Geschäft betreibt und zudem als Vorsitzende der Händlervereinigung Gemeinsamhandel verantwortlich zeichnet, zeigt sich regelrecht begeistert, dass in die Debatte um die Sonntagsöffnungszeiten frischer Wind kommt.

„Ich feiere das. Ich finde den Vorstoß super“, sagt sie. Sie habe „eigentlich schon immer die Überlegung gehabt: „Warum dürfen wir nicht einfach so öffnen, wie wir wollen?“ Cleemann sagt: „Ich kenne meinen Laden und meine Kundschaft. Ich weiß, wie die Bedürfnisse sind. Warum kann ich nicht öffnen, wie ich möchte?“

Sie stellt klar: „Das hat nichts damit zu tun, sich den Sack vollmachen zu wollen.“ Mit Blick darauf, dass vor allem Gewerkschaften und Kirchen einer Ausweitung der bisher zulässigen Sonntagsöffnungen ablehnend gegenüber stehen, macht sie deutlich: „Ich bin bereit, alleine vor Ort präsent zu an einem verkaufsoffenen Sonntag. Da müssen nicht zwangsläufig Mitarbeiter mit anwesend sein.“

Die bisherigen Regelungen seien unfair, kritisiert sie. „Es gibt Bundesländer, die dürfen sonntags öffnen, andere nicht“ – es fehle an einer Gleichstellung der Verhältnisse.

Der Vorstoß des Bundes in Sachen Bäckereien ist womöglich nur der erste Schritt, eine Ausweitung auf alle Händler ist nun die Frage. Wobei, wie Cleemann anmerkt, die Gestaltung der Ladenöffnungszeiten Ländersache ist. Und hier hofft sie auf mehr Verständnis für die Sorgen und Nöte der Händler.

„Online geht es auch 24/7, also rund um die Uhr. Da sagt ja auch keiner etwas, wenn ich am Samstag oder Sonntag bestelle“, so die Gemeinsamhandel-Chefin. Der Online-Handel setze die stationären Händler massiv unter Druck. Diese müssten Paroli bieten können.

„Es gibt Menschen, die haben nur am Sonntag richtig Zeit für Shopping. Wir könnten dann für sie da sein. Denn Anfassen, Riechen, Schmecken, Hören – das geht nur vor Ort beim Einzelhändler. Online ist das nicht möglich. Aber dafür muss ich halt auch öffnen dürfen. Momentan habe ich gerade mit dem Schulbuchverkauf viel zu tun. Ich wäre sehr froh, wenn ich auch am Sonntag öffnen dürfte, um alles abwickeln zu können, es wäre eine riesige Erleichterung. Auch für meine Kunden. Die wären viel flexibler, was das Abholen anbelangt.“

Sie mahnt die Landesregierung, neue Freiheiten bei Sonntagsöffnungen „schnell umzusetzen. In sechs Monaten sind die Weihnachten schon wieder vorüber“, blickt sie auf die wichtigste Zeit des Jahres für den Handel.

Es wäre ein ganz wichtiger Impuls, wenn die Zweibrücker Händler sowie auch Händler in anderen Städten dieses Jahr an allen Adventssonntagen öffnen dürften.

„Das wäre auch wichtig in dem Sinne, die Innenstädte zu beleben.“ Jeder beklage eine Verödung der Innenstädte, hier sei eine entscheidende Weichenstellung möglich, um neues Leben in die Fußgängerzonen einziehen zu lassen.

„Und wenn es nur eine handvoll Kunden sind, die sonntags kommen – auch das hilft“, sagt sie, dass es nicht der große Ansturm sein müsse. Jeder neue Kunde sei ein Gewinn.

Auch für das Fashion Outlet in Zweibrücken wäre diese neue Freiheit ein Gewinn. Denn bislang stößt sich die Konkurrenz an den zahlreichen Sonntagsöffnungen im Outlet in den Ferien, die bisherige Handhabe ist rechtlich umstritten. Eine Gesetzesänderung würde hier alles zweifelsfrei legalisieren und die Debatten wären für das Outlet passé.

Cleemann macht darauf aufmerksam, dass dies ihre Meinung als Einzelhändlerin sei, es sei klar, dass ihr nicht jeder Händler in Zweibrücken zustimmen werde.

„Es ist kein Muss, zu öffnen. Wer nicht will, kann sein Geschäft doch einfach zulassen. Aber jeder sollte so öffnen können, wie er möchte.“

Die Reaktionen im Einzelhandel in Deutschland auf den Vorstoß der Bundesregierung sind bislang nicht einheitlich. Der Hauptgeschäftsführer des HDE (Handelsverband Deutschland), Stefan Genth, macht sich dafür stark, Sonntagsöffnungen freizugeben. Gegenüber der „Bild“-Zeitung sagte er: „Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis“. Durch Öffnungen an den Sonntagen könnten die inzwischen vielfach verödenden Innenstädte neu belebt werden. Auch der Einzelhandel im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen ist für eine Liberalisierung. Ablehnend zeigt sich hingegen der Handelsverband Rheinland-Pfalz. „Überbordende Sonntagsöffnungen bringen nichts“, findet der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Thomas Scherer. Er spricht sich allerdings für eine Ausweitung der Zahl der erlaubten verkaufsoffenen Sonntage aus. Sechs bis acht Mal im Jahr sollte dies zulässig sein. Bislang sind maximal vier Öffnungen gestattet.