everyschematic.com

FIFA und WM: Alles wächst, nur der Widerstand gegen Infantino nicht

Schlusspfiff. Nach 39 Tagen und 104 Spielen gibt es einen neuen Weltmeister. Die größte Fußball-Party der Geschichte ist damit zu Ende. Seien Sie ehrlich: Sie freuen sich doch auch schon auf den nächsten Wahnsinn in vier Jahren. Wenn die WM nicht nur in drei Ländern, sondern drei Kontinenten gespielt wird und Spiele in Uruguay, Paraguay, Argentinien, Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen werden. Wenn Sie vor Ort sein wollen, steigen Ihre Chancen auf ein Ticket: In Casablanca wird ein Stadion für 115.000 Menschen gebaut.

Vermutlich wird bis dahin alles noch einmal größer, nur eines nicht: der Widerstand gegen jenen Mann, der das alles orchestriert und die Gesetze des Fußballs mutwillig und sogar transparent in alle Richtungen verbiegt. Sei es mit der Aufhebung der Sperre von US-Kicker Balogun oder der regelwidrigen Verlängerung der finalen Halbzeitpause von 15 auf 27 Minuten.

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht vor einer Wiederwahl im März 2027. Mehr als 200 von insgesamt 211 Mitgliedsverbänden sollen bereits ihre Unterstützung für den Schweizer angekündigt haben. Das geht, weil es ein Fehler im System möglich macht: Der Verband von San Marino hat bei der Wahl ebenso eine Stimme und damit gleich viel mitzureden wie etwa jener aus Deutschland.

Schnelle Kurswechsel

Der größte Sportfachverband der Welt gehört übrigens zu einer Handvoll europäischer Verbände, die Infantino nicht wiederwählen wollen. Stand heute, denn das kann sich ja noch ändern. Denn wann auch immer sich jemand dazu durchgerungen hat, dem mächtigen Funktionär die Stirn zu bieten, war das nur ein temporärer Zustand. Wie etwa beim marokkanischen Kicker Achraf Hakimi, der Infantino bei der WM in Katar beflegelt hat. Tags darauf sagte er: „Infantino ist mein Freund. Nichts ist passiert.“ So wie beim FIFA-Kongress 2025 in Paraguay. Weil Infantino wegen eines Trump-Termins zu spät kam, verließ UEFA-Boss Ceferin mit einer europäischen Delegation den Saal – wenig später ruderte die UEFA zurück und sprach von „sehr guten“ Beziehungen zu Infantino.

Passieren wird aber erst etwas, wenn sich die UEFA mit ihren 55 Verbänden geschlossen auf die Beine stellt. Sechs von acht Viertelfinalisten bei dieser WM kamen aus Europa. Die sportlichen Hebel wären also da.

Und der ÖFB? Der hat in Person von Josef Pröll zuletzt immerhin „lupenreine Aufarbeitung“ im Fall Balogun gefordert. Gebe es diese nicht, gebe es auch keine Unterstützung für Infantino, so der ÖFB-Boss. Jedoch: Kann man vom ÖFB verlangen, sich gegen den Weltverband zu stellen, wenn er sich damit selbst schadet? Das ist keine Charakterschwäche, das ist Kalkül. Und genau darauf baut Infantinos Macht. Die nächste Party kann beginnen.

kurier.at  |  20.07.2026, 18:00