Stand: 20.07.2026, 18:00 Uhr
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Die Rückseite der neuen Fahne, präsentiert von Fähnrich Sebastian Westenthanner (l.) und Fahnenbegleiter Laurin Hähn: der Pullacher Maibaum mit allen Zunftzeichen vor himmelblauem Hintergrund. © Andrea KästleDer Pullacher Burschenverein hat sich seine erste Fahne weihen lassen. Das 1,40 mal 1,40 Meter große Schmuckstück aus mitternachtsblauem Samt wurde mit jedem Fahnenband schwerer.
Pullach – Durchaus festlich, aber auch recht fröhlich ist am Sonntag das gemeinsame Dorffest von Trachtlern und Burschen in Pullach geendet. Nachdem d’Hochleitner am Samstag ihren Weltmeisterschaftstitel im Schuhplatteln zum fünften Mal in Folge hatten verteidigen können, ließen die Burschen, gerade 19 Jahre alt geworden, sich ihre nigelnagelneue erste Fahne weihen. Bei einem Festgottesdienst, der wetterbedingt im Bierzelt über die Bühne gegangen ist. Schönerweise hat es dann beim Festumzug, der nach dem Mittagessen stattfand, nicht geregnet, sodass dem 1,40 mal 1,40 Meter großen Traditionstextil eine Taufe auch von oben erspart geblieben ist.
Sämtliche Gäste strömen ins Zelt – sogar aus Amerika
Im Zelt: ziemliches Gedränge. Die Gastgeber hatten mit Einladungen nicht gegeizt. Burschenvereine aus Adelshofen, aus Sielenbach saßen an den Tischen, außerdem jede Menge Münchner Vereine, unter ihnen die Kaninchenzüchter aus Perlach. Auch die Dirndlschaft Aggaschnoin (bayerisch für Mohnblume) aus Unterschleißheim hatte sich eingefunden. Die Vereine der Gemeinde waren ohnehin alle versammelt mit ihren Fahnenabordnungen, und auch amerikanische Gäste hatten ihre Plätze eingenommen im Zelt – die Trachtler aus Nordamerika, die bei der WM mit an den Start gegangen waren.

Die Vorderseite ziert das Pullacher Wappen, gerahmt vom bayerischen Wappen und von Edelweiß. © Andrea KästleDass die Fahne der Burschen „friedfertig daherkommt“, während ja Fahnen durchaus instrumentalisiert werden als „Zeichen von Macht und Herrschaft über andere“ – das führte der katholische Pfarrer Wolfgang Fluck in seiner kurzen Ansprache aus. Er ermunterte die Beteiligten, unter ihrem neuen Vereinsaccessoire „eine gute Gemeinschaft zu pflegen“, die „niemanden ausschließt“. Fluck und sein Kollege Konrad Petersen von der Jakobusgemeinde besprühten die Fahne, gefertigt aus mitternachtsblauem (vorn) beziehungsweise hellblauem Samt (Rückseite), mit Weihwasser.
Im Anschluss trugen die Burschen ihre Fürbitten vor; dann traten unter anderem die Fahnenmutter (Nicole Mania) und die Fahnenbraut (Amelie Letzner), die Vertreter von Patenverein (Thalkirchen) und Pullacher Madln ans Mikrofon, um den frischgebackenen Fahnenbesitzern in Reimform das Beste zu wünschen – und ihre Fahnenbänder an der Fahne festzumachen. Die wurde damit ziemlich schnell um einiges schwerer – Fähnrich Sebastian Westenthanner und seine Fahnenbegleiter ließen sich nicht anmerken, dass es durchaus Kraft kostet, so ein Teil zu halten. Beim Auszug aus dem Festzelt schwenkte Westenthanner das gute Stück auch noch tapfer.
Unikat mit „Wow-Effekt“
Mehrere Jahre hat die Anfertigung der Fahne für die Pullacher Burschen in Anspruch genommen. Das Unikat aus Samt wurde handbestickt von Mitarbeitern der Firma Kössinger aus Schierling. Die Motive entworfen haben Burschenvorsitzender Lennart Hoffmann und ein Teil seiner rund 150 Mitglieder. Dabei seien, sagte Hoffmann im Vorfeld, „viele Ideen eingeflossen“.
Dreimal fuhren sie nach Schierling, um sich mit den Fachleuten zu besprechen. Gleichzeitig wurde aufgepasst, dass ja niemand, der nicht ohnehin einbezogen war in den Prozess, die Fahne vorab zu sehen bekam. Hoffmann wollte sich und den Seinen den „Wow-Effekt“ nicht vermasseln. Er sagte, er freue sich, „dass wir das Ganze so umsetzen konnten, wie es geplant war“, und auch: „Das Ergebnis sieht in echt noch besser aus als auf dem Papier.“ Am Sonntag haben auch die Pullacher ihrerseits Fahnenbänder an anderen Fahnen befestigt, etwa an der ihres Patenvereins aus Thalkirchen. Ein Fahnenband, das die Pullacher Fahne ziert, wurde zudem den fünf Burschen aus dem Ort gewidmet, die bereits gestorben sind. Gekostet hat die Fahne um die 15.000 Euro, die Hälfte davon hat die Gemeinde beigesteuert.
Die Stimmung bei dem Ganzen: allerbestens. Als die Burschen ihre Fahne erstmals hochhoben, kam langer Applaus auf, Gejohle und Gejuchze. Die Fahne, von den Burschen selbst entworfen, ist aber auch wirklich schön geworden: Sie zeigt vorn das Pullacher Wappen, auf der Rückseite ist der Maibaum der Gemeinde mit allen Zunfttafeln zu sehen.
Damit endete auf fidele Art der Pullacher Feiermarathon. Der am Donnerstag mit einem Kabarettabend, souveränst bestritten von Luise Kinseher, begonnen hatte. Die Schuhplattel-WM erwies sich insofern als spannende Angelegenheit, als d’Hochleitner in der Gruppenwertung, der Königsdisziplin, nur vier Punkte vor den Zweitplatzierten, d´Schlossbergler aus Schongau, lagen. Zwei Abende lang war Party gewesen im Zelt; am Sonntag klebten manche Biertische noch. Draußen hatte ein Witzbold auf die Holzplanken am Boden einen Aufkleber hinterlassen, auf dem stand: „mehr Bier“.