Waldbrände in Südwesteuropa
In den Waldbrandgebieten in Spanien und Frankreich rüsten sich die Einsatzkräfte für einen neuen Anstieg der Temperaturen. Auch wenn es inzwischen kleinere Fortschritte bei der Brandbekämpfung gab, dürfte die erwartete Hitze wieder für erschwerte Bedingungen sorgen. Zuvor sollen die Waldbrände rasch eingedämmt werden.
Online seit heute, 13.06 Uhr
(Update: 13.50 Uhr)
Die Nacht sei positiv verlaufen, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Dienstag über die Waldbrände westlich von Madrid. „Dank des enormen Einsatzes der Helfer“ konnten Fortschritte bei der Bekämpfung des Feuers erzielt werden, so Grande-Marlaska in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „Heute können wir etwas beruhigter sein, insbesondere angesichts der Wetterbedingungen, die uns in den kommenden Stunden erwarten.“
Dennoch befänden sich die Arbeiten zur Brandbekämpfung „in einer kritischen Phase“. Ab Mittwoch werden dem Wetterdienst zufolge wieder steigende Temperaturen und auffrischende Wind erwartet, weshalb sich die Situation dann wieder verschlechtern dürfte. Die neue Hitzewelle soll bis Ende der Woche andauern.
Besonders betroffen waren weiterhin die Provinz Avila westlich von Madrid und die benachbarten Regionen Madrid und Toledo, wo die Brände zusammen knapp 80.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört haben. Seit Jahresbeginn sind bereits 175.000 Hektar Land verbrannt, das Sechsfache der vernichteten Fläche im Vorjahreszeitraum.
Leichte Entspannung, aber keine Entwarnung in Spanien, hier in Onda im Osten des Landes
Seit dem Wochenende hat sich die Ausbreitung der Brände zumindest deutlich verlangsamt. Rund 90.000 Menschen waren zuletzt von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. Auch in der Provinz Castellon im Osten des Landes brannte es weiter. Dort mussten rund 16.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Die EU hatte am Montag erklärt, weitere Flugzeuge zur Brandbekämpfung nach Spanien zu schicken.
Fortschritte in Frankreich
Auch in Frankreich wird wieder ein Anstieg der Temperaturen erwartet, es wird die bereits vierte Hitzewelle des Jahres. Für Mittwoch prognostizierte Meteo France in der Region einen Spitzenwert von 37 Grad.
Der riesige Waldbrand bei Bordeaux konnte in der Nacht auf Dienstag eingedämmt werden. Mehrere nächtliche Brandentwicklungen nördlich von Le Porge und nördlich von Cap-Ferret konnten „dank des Einsatzes der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht werden“, erklärte die zuständige Präfektur in der Gironde. Die durch das Feuer vernichtete Fläche habe sich nicht vergrößert.
Über 100 Kilometer an Schneisen
Die Lage bleibe aber schwierig, sagte die Senatorin für das Departement Gironde, Nathalie Delattre, am Dienstag dem Sender BFM TV. Alles werde davon abhängen, wie die Feuerwehrleute an Ort und Stelle vorankämen.
Um dem Feuer nahe Bordeaux die Möglichkeit einer weiteren Ausbreitung zu nehmen, wurden am Montag an zahlreichen Stellen Schneisen in den Wald geschlagen. Laut Präfektur erstreckten sich diese taktischen Schneisen bereits über eine Länge von mehr als 103 Kilometern. Ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebiete soll damit verhindert werden.
Rüstungs- und Raumfahrtindustrie bedroht
Der Waldbrand in der Region Bordeaux bedroht auch die Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie Frankreichs. In dem Gebiet sind eine Sprengstofffabrik, ein Raketenwerk und mehrere Forschungszentren beheimatet. Allein die ArianeGroup hat vier Standorte in dem gefährdeten Gebiet.
Zwei davon liegen in Saint-Medard-en-Jalles, einer evakuierten Gemeinde. Dort werden M51-Raketen mit hochentzündlichem Treibstoff befüllt. Eine weitere Produktionsstätte, die vor allem Triebwerke für die Trägerrakete Ariane 6 herstellt, befindet sich in der Kleinstadt Le Haillan, die die Bewohnerinnen und Bewohner ebenfalls verlassen mussten.
Weiter südlich, in der ebenfalls evakuierten Gemeinde Le Barp, betreibt die Atomenergiebehörde CEA die Forschungsstätte CESTA für das französische Verteidigungs- und Atomprogramm. Sie liege jedoch in sicherer Entfernung vom Wald, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Laut CESTA besteht derzeit kein Risiko. Das Verteidigungsministerium in Paris teilte mit, „Fachleute und Mittel“ seien „zum Schutz der Industriestandorte“ im Einsatz.
Neue Evakuierung
Im Badeort Lacanau in der Gironde wurde am Dienstag eine neue Evakuierungsaufforderung herausgeben, rund 4.000 Touristinnen und Touristen waren betroffen. Im südlich der Gironde gelegenen Departement Landes konnten unterdessen 15.000 Menschen in ihre Häuser zurückkehren.
Seit Mittwoch wurden mehr als 220.000 Menschen in der beliebten Urlaubsregion an der Atlantikküste in Sicherheit gebracht, auch viele Touristinnen und Touristen. Das Feuer hat sich inzwischen auf bis zu 15 Kilometer der Großstadt Bordeaux genähert und rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört.
In der Gegend von Biscarrosse rund 40 Kilometer südlich hat sich die Lage indes nach einem anderen Waldbrand in der vergangenen Woche wieder etwas normalisiert. Rund 15.000 Menschen konnten schrittweise in ihre Häuser und auf einen nahe gelegenen Campingplatz zurückkehren, wie die örtliche Verwaltung mitteilte. Die positive Entwicklung bedeute jedoch nicht, dass die Gefahr gebannt sei. Ein Aufflammen der Brände seien weiterhin möglich, insbesondere aufgrund von Wind und Trockenheit.