everyschematic.com

(+) Sonntag shoppen in Hamburg? Jetzt nimmt die Debatte Fahrt auf

Anzeige

Hamburg

Debatte um Öffnungszeiten: Rettet der Sonntag die Innenstadt?

Kundinnen vor der Europa-Passage (Symbolbild)
dpa Christin Klose

Lasst die Kunden auch am Sonntag shoppen – diese Forderung wird aktuell (erneut) von den großen Handelsverbänden erhoben. Wie sieht das in Hamburg aus? 

Einkaufen vor der Arbeit? Geht in vielen Hamburger Supermärkten und seit einiger Zeit auch in einer Budni-Testfiliale. Auch nach Feierabend sind viele Supermarktkassen besetzt. Nächster Schritt: Sonntags alle Geschäfte auf? Die Bundesregierung will ab 2027 in Bäckereien und Bibliotheken bis zu acht Stunden Sonntagsarbeit erlauben. Handelsverbände fordern daraufhin ein Ende des Ladenöffnungsverbots für alle Geschäfte. CDU und FDP springen auf den Zug. Wie ist die Stimmung in Hamburg?

Budni-Chef Christoph Wöhlke ist jedenfalls kein Fan der strikten Sonntagsregeln, nach denen es in Hamburg nur vier verkaufsoffene Sonntage gibt: „Die derzeitige Regelung passt aus unserer Sicht nicht mehr vollständig zur Lebensrealität vieler Menschen“, sagt Wöhlke zur MOPO: „Während der Online-Handel rund um die Uhr und auch sonntags verfügbar ist, gelten für den stationären Handel deutlich strengere Vorgaben. Diese Ungleichbehandlung im Wettbewerb sollte überprüft werden.“ 

Das heißt aber nicht, dass jede der 188 Budni-Filialen an jedem Sonntag geöffnet wäre: „Wir müssten sorgfältig prüfen, an welchen Standorten und unter welchen Rahmenbedingungen eine Sonntagsöffnung überhaupt sinnvoll ist. Denkbar wären beispielsweise touristisch besonders geprägte Lagen.“

Anzeige

Die WochenMOPO 29/2026

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

• Vor Hamburgs Toren: Stade zwischen Idylle und Gewalt

• Lieblingsplätze: Die schönsten Sonnengärten in der City

• 16 Seiten Sport: Die Highlights und Flops der WM

• Jede Woche mit 40 Seiten Rätsel und Kultur: Kino unter freiem Himmel

Und, ganz wichtig, betont Wöhlke: „Sonntagsarbeit  würde freiwillig bleiben. Es gibt durchaus Interesse an Sonntagsschichten – etwa aufgrund persönlicher Lebenssituationen oder wegen der attraktiven Sonntagszuschläge.“

Einkaufen für Frühaufsteher und Einkaufen am Sonntag – eins ist einfach, eins aufwendig

Anzeige

Sonntag zu öffnen, das hieße: Mitarbeiter bekommen mehr Geld und fehlen dann in der Woche. Und dann muss man ja gucken, ob auch Läden in der Nachbarschaft mitmachen, damit es sich lohnt. Einzelne Standorte morgens eine halbe Stunde früher zu öffnen, weil regelmäßig aufgeweckte Kunden an die Tür klopfen, ist viel leichter. So kann man jetzt in der Budni-Filiale in der Osterstraße und in den Edekamärkten Niemerszein in St. Georg und in Harburg bereits ab 7 Uhr einkaufen. „Da sind die Mitarbeitenden ohnehin schon im Laden und die Kunden können an die Selbstbedienungskassen“, sagt Niemerszein-Geschäftsführer Frank Ebrecht. Das klappe aber nicht überall: „Es gibt auch Langschläferzonen.“

Offene Supermärkte am Sonntag, gute Idee?

Anzeige

Von den 93 Hamburger Rewe-Märkten sind sehr viele bis 22, einige gar bis 23 Uhr geöffnet, auch Discounter wie Lidl haben bis 21 Uhr geöffnet, braucht es da noch unbegrenzte Sonntagsöffnungen? Frank Ebrecht von Edeka-Niemerszein, ist zurückhaltend: „Sechs statt vier verkaufsoffene Sonntage wären gut.“

Die WochenMOPO 29/2026

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

• Vor Hamburgs Toren: Stade zwischen Idylle und Gewalt

• Lieblingsplätze: Die schönsten Sonnengärten in der City

• 16 Seiten Sport: Die Highlights und Flops der WM

• Jede Woche mit 40 Seiten Rätsel und Kultur: Kino unter freiem Himmel

Würde die Sonntagsfreigabe die City beleben?

Laut Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) kamen im März täglich 31.000 Menschen in die Europa-Passage, während das lange gefürchtete Westfield-Center nur auf 23.000 Besucher kam. Also alles paletti? Nicht ganz: Der Handelsverband Nord meldet Umsatzeinbußen in der City. Viele Menschen, die nur gucken, bringen den Geschäftsleuten gar nichts. Für Brigitte Nolte vom Handelsverband ist die Freigabe der Sonntage keine Lösung für Konsumzurückhaltung und Wirtschaftsflaute: „Es wäre aber schon viel erreicht, wenn bereits bewilligte Sonntagsöffnungen nicht mehr von Klagen der Gewerkschaften gestoppt werden könnten.“ Und: „Es wäre hilfreich, wenn die verkaufsoffenen Sonntage nicht mehr mit teuren Themensonntagen verbunden werden müssten.“

Das sagt ein Personalrat zur Sonntagsarbeit im Einzelhandel:

Es gibt Mitarbeiter, die wären froh, wenn sie in der Woche am Nachmittag freihaben und dafür am Sonntag mit 100 Prozent Zuschlag arbeiten könnten – wenn sich etwa der Partner um die Kinder kümmern kann. Solange der Sonntagsdienst freiwillig ist, kann das eine gute Sache sein.

Warum sind die Kirchen dagegen, obwohl sonntags kaum noch jemand zu Gottesdiensten kommt?

Beate Bäumer, Leiterin des katholischen Büros in Hamburg und Schleswig-Holstein: „Auch jenseits des Gottesdienstes ist der freie Sonntag eine gesellschaftliche Errungenschaft, auf die wir stolz sein sollten. Ein freier Mittwoch ist für Familien nicht so viel wert wie der Sonntag. Und wie viel Ehrenamt wegfiele, wenn plötzlich alle sonntags arbeiten müssten! Dass Infrastruktur wie Polizei und Krankenhäuser auch am Sonntag aufrechterhalten werden müssen, heißt ja nicht, dass das auch fürs Shoppen gilt.“

Mit der Öffnung der Büchereien hat die Debatte angefangen. Was heißt das für Hamburgs Bücherhallen?

Der Bund will öffentlichen Bibliotheken ab 2027 erlauben, sonntags sechs Stunden zu öffnen – daraufhin kamen aus der Wirtschaft die Forderungen, das Arbeitszeitgesetz auch für den Einzelhandel zu lockern. Für Hamburger Bücherratten wird sich zunächst nicht viel ändern: In vielen Bücherhallen können sie bereits jetzt mit ihrer Karte die Türen öffnen, wenn das Personal Feierabend hat, auch sonntags von 7 bis 22 Uhr. Bücherhallensprecherin Sina Schröder betont aber, dass zukünftige Sonntagsdienste des Personals entsprechend bezahlt werden müssen.

Einkaufen vor der Arbeit? Geht in vielen Hamburger Supermärkten und seit einiger Zeit auch in einer Budni-Testfiliale. Auch nach Feierabend sind viele Supermarktkassen besetzt. Nächster Schritt: Sonntags alle Geschäfte auf? Die Bundesregierung will ab 2027 in Bäckereien und Bibliotheken bis zu acht Stunden Sonntagsarbeit erlauben. Handelsverbände fordern daraufhin ein Ende des Ladenöffnungsverbots für alle Geschäfte. CDU und FDP springen auf den Zug. Wie ist die Stimmung in Hamburg?

Anzeige

Anzeige