everyschematic.com

Berliner FDP-Politiker macht Wahlkampf an ungewöhnlichem Ort

Mehr als zwei Monate vor der Berlin-Wahl beginnt bei der FDP der Wahlkampf. Jedoch nicht in Berlin, wie man denken könnte. Der 30-jährige Batuhan Temiz tritt bei der FDP für seinen Lichtenberger Wahlkreis an. Vor Kurzem aber stand er am bulgarisch-türkischen Grenzübergang Kapitan Andreewo–Kapıkule, um dort Türkei-Urlauber aus der Hauptstadt abzufangen und für sich Werbung zu machen.

Auch interessant

Wahlkampfauftakt Berliner Linke mit Spitzenkandidatin Eralp

Die Route in die Türkei mit dem Auto habe für viele im Ausland lebende Türken Tradition, berichtet Termiz gegenüber dieser Redaktion. Auch für jene aus Berlin. In der Ferienzeit konnte sich der FDP-Politiker also sicher sein, dort besonders viele von ihnen anzutreffen. Ein Vorteil für Temiz: Auf der Route stehen die Reisenden oft stundenlang am Grenzübergang im Stau.

Berliner FDP-Politiker Batuhan Temiz

Berliner FDP-Politiker Batuhan Temiz macht Wahlkampf an der türkisch-bulgarischen Grenze. Unter anderem mit Plakaten. © Mihrimah-Elif Temiz | Mihrimah-Elif Temiz

Das nutzt Temiz für sich. Er hat in riesige Werbeplakate mit seinem Gesicht investiert. Aber nicht nur das. Er ist persönlich an den Grenzübergang gereist und verteilte dort Flyer an die Autofahrer, wie er in einer Instagram-Story dokumentiert hat. „Durch die Nummernschilder weiß ich, wen ich ansprechen muss“, sagt der FDP-Politiker gegenüber der „B.Z.“

Berlin-Wahl: Temiz reist durch die Türkei, um Deutsch-Türken in den Ferien zu treffen

Temiz nutzt seinen Nachnamen auf den Plakaten spielerisch. Der bedeutet auf Deutsch nämlich „sauber“. Und so steht auf den türkischsprachigen Plakaten „Berlin sauber machen“. Die Idee zur Aktion kam übrigens von seinem Vater, „als wir den gemeinsamen Sommerurlaub geplant haben, und ich eigentlich nicht mitfahren wollte, weil ich Wahlkampfvorbereitungen in Berlin traf“, so Temiz.

Unter seinem Post auf Instagram finden sich viele anerkennende Kommentare. „Das nenne ich mal echten ‚Haustürwahlkampf‘ auf internationalem Level!“, schreibt etwa jemand. „Krasser Move“ oder „starke Aktion“, kommentieren andere.

Auch an der Grenze habe er durchweg positive Erfahrungen gemacht, berichtet Temiz. Wie fielen die Reaktionen der Menschen also konkret aus? „Es lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: stolz. Sie sehen, wie einer aus ihren Reihen es in diesem Land geschafft hat, ihnen auf Augenhöhe begegnet, ihre Sprache spricht und sie ganz genau versteht. Ich kriege immer wieder zu hören: So ein Kandidat wie ich ist ihnen vorher noch nicht begegnet“, sagt Temiz.

Berlin-Wahl 2026: Haustürwahlkampf mal anders

In Berlin dürfte Temiz noch gar keine Wahlwerbung machen. Dort sind Plakate und andere Aktionen erst sieben Wochen vor der Wahl erlaubt. Der Wahltermin für das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) ist am 20. September. Am Grenzübergang auf türkischer Seite gibt es diese Regel nicht. Temiz ging aber dennoch auf Nummer sicher und holte eine Genehmigung beim Gouverneur ein.

Auch interessant

Stefan Evers (CDU)

Der Sinn seiner aufwendigen Wahlkampfaktion ist leicht erklärt: „Es gibt über 200.000 wahlberechtigte Deutsch-Türken bei der Berlin-Wahl“, sagt Temiz gegenüber der „B.Z.“. Es würde ausreichen, wenn sich fünf Prozent davon bei der Berlin-Wahl für die FDP entscheiden, um die zuletzt in Berlin stark abgeschlagene Partei wieder ins Abgeordnetenhaus zu bringen. Temiz will die Deutschtürken, von denen zuletzt viele eher CDU, Linke oder AfD wählten, zu FDP-Wählern machen.

Newsletter Illustration

Wie er berichtet, ist Temiz zurzeit selbst im Türkei-Urlaub, aktuell in Ankara. „Ich mache eine kleine Türkei-Reise und versuche überall mit den Deutschtürken, oder ‚Gurbetçi‘, in den Dialog zu kommen. Da, wo meine Wähler sind, da bin ich auch“, sagt Temiz. Der FDP-Politiker ist gebürtiger Kreuzberger, anschließend mit seinen Eltern nach Charlottenburg gezogen. Er ist Oberstabsarzt bei der Bundeswehr.