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AfD in Nordrhein-Westfalen: AfD-Spitze verlangt von NRW-Vorstand Akten und Protokolle

Obwohl der NRW-Landesverband der AfD eine einstweilige Verfügung zurückzog, bleibt die Bundesführung hart: Eine Kommission soll tief in Protokolle und Karteien schauen.schauen.

Quelle: DIE ZEIT,

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  1. Juli 2026, 17:42 Uhr

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AfD Nordrhein-Westfalen Landesverband Führung Untersuchung
Alice Weidel, Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende der AfD, mit Co-Bundeschef Tino Chrupalla im Bundestag © Michael Kappeler/​dpa

Der Bundesvorstand der AfD hält an seinem Vorhaben fest, die Arbeit des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen um den dortigen Landessprecher Martin Vincentz mit einer Tiefenprüfung durchleuchten zu wollen. Das geht aus einem am Dienstag an die Mitglieder der Partei verschickten Brief des Bundesvorstands hervor, der der ZEIT vorliegt.

Auf dieser Basis will die Parteiführung ihren am Montag angekündigten Plan umsetzen, die Finanzen und bestimmte Entscheidungen der NRW-Landesführung von einer Kommission prüfen zu lassen – obwohl es seitens der NRW-Landesführung zuletzt Signale der Deeskalation gab. So hatte der Landesvorstand am Montagabend einen gegen den Bundesvorstand gerichteten Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurückgenommen, mit der er dem Bundesvorstand untersagen wollte, sich in die Wahl der Kandidaten für die Landtagswahl 2027 einzumischen, die an den beiden vergangenen Wochenenden in Marl stattfand.

Konflikt zwischen Chrupalla- und Weidel-Anhängern in NRW

Bei der Wahl hatten sich Delegierte zweier rivalisierender Lager gegenseitig der Erpressung und von Tätlichkeiten beschuldigt, Strafanzeigen waren die Folge. Auch in der Wahl der Kandidaten gab es harte Auseinandersetzungen: Den Unterstützern von Landeschef Vincentz, die Parteichef Tino Chrupalla nahestehen, gelang es, ihre Wunschkandidaten weitgehend durchzusetzen.

Das etwas schwächere Lager um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich und Landesvorstandsmitglied Sven Tritschler, die Parteichefin Alice Weidel sowie dem Thüringer Landeschef Björn Höcke politisch nahestehen, sah sich unterrepräsentiert. Die Gruppe organisierte in Smartphone-Chats die »Aktion Filibuster« – eine Massenkandidatur, die die Wahlversammlung über Stunden lahmlegte und ins Chaos trieb.

Vorwürfe aus der NRW-AfD an Alice Weidel

Nach den Tumulten rief der Bundesvorstand die NRW-AfD dazu auf, die Aufstellung der Kandidaten neu anzusetzen. Vincentz warf Weidel daraufhin »Antifa«-Auswüchse vor und beschuldigte den Bundesvorstand, nicht zulässigen Einfluss auf die Aufstellung der Kandidaten ausüben zu wollen. Die Versammlung entschied sich mehrheitlich für eine Fortsetzung der Wahl, die dann vergangenes Wochenende mit 80 Listenkandidaten endete.

Der Bundesvorstand kündigte daraufhin an, Entscheidungen des Vorstands um Vincentz herum von einer Kommission untersuchen zu wollen. Es gehe dabei um die Finanzen der vergangenen Jahre sowie die Praxis der Aufnahme von Mitgliedern. Im nun an die Parteimitglieder verschickten Schreiben beschreibt der Bundesvorstand sein Vorhaben genauer: So habe er den Landesvorstand aufgerufen, »sämtliche im Zusammenhang mit Sitzungen des aktuellen Landesvorstands stehenden Unterlagen« bereitzustellen.

Das betreffe auch Unterlagen, »die derzeit mit der Entscheidung zur und Einleitung des Einstweiligen Verfügungsverfahrens vor dem Landgericht Düsseldorf im Zusammenhang stehen«. Offiziell begründet der Bundesvorstand das mit Bedenken, wonach die aktuell gültige Kandidatenliste – in der sich das Vincentz-Lager letztlich durchgesetzt hatte – aus der Partei heraus juristisch angefochten oder aufgrund der bekannt gewordenen Auseinandersetzungen vom zuständigen Wahlprüfungsausschuss in NRW für ungültig erklärt werden könnte. Der AfD würde dadurch ein Szenario drohen, in dem sie für die Wahl im kommenden April keine gültige Kandidatenliste vorlegen könne.

Die dafür gebildete Untersuchungskommission soll der jüngst aus dem Bundesvorstand ausgeschiedene Roman Reusch leiten, ihm soll nach ZEIT-Informationen der neugewählte Bundesschatzmeister der Partei und brandenburgische Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck zur Seite stehen. Die Kommission kann weitere Helfer verpflichten, etwa aus dem Mitarbeiterstab der Bundesgeschäftsstelle. Zudem soll sie über ein Finanzbudget verfügen, um externe Wirtschaftsprüfer auf die NRW-Kassenbücher anzusetzen.

AfD-Führung distanziert sich weiter von NRW-Landeschef

Vincentz sieht in der Untersuchung einen Vorwand, um ihn zu entmachten. Ein Vertreter der Vincentz-Gegner beschreibt im Gespräch mit der ZEIT die geplante Vorgehensweise der Untersuchungskommission: Diese werde in der NRW-AfD »alles auf links drehen«, hieß es. Das deutet darauf hin, dass so lange gesucht wird, bis belastendes Material zutage tritt.

Der Bundesvorstand bestreitet, Vincentz um jeden Preis absetzen zu wollen: Die »öffentlichen Vorwürfe«, wonach der Bundesvorstand einen Abbruch der Aufstellungsversammlung erzwingen und »im Weigerungsfalle den Landesvorstand oder Teile davon seines Amtes entheben wolle, finden keine Grundlage«, heißt es in dem Brief. Man sei sich bewusst, dass der Bundesvorstand dafür »kein entsprechendes Weisungsrecht« habe.

Zugleich distanzierte sich der Bundesvorstand damit weiter von Vincentz. Dieser trage »nun auch die Verantwortung für den Fall, dass die Liste ganz oder teilweise erfolgreich angefochten wird«, schreibt der Bundesvorstand. Die Konflikte um die Wahl der Kandidaten herum seien »in hohem Maße schädlich für unsere wahlkampfführenden Landesverbände« und hätten nichts mit »unserem Anspruch als umfragestärkste Volkspartei« zu tun.