Publiziert20. Juli 2026, 17:59
Missbrauchsvorwürfe15-Jährige missbraucht: Grossrat kämpfte gegen Pädokriminelle
Ein ehemaliger Aargauer Grossrat soll mehrere Frauen und eine Minderjährige betäubt und sexuell missbraucht haben. Gleichzeitig setzte er sich politisch gegen Pädokriminelle ein.

Darum gehts
- Ein Aargauer Grossrat, der sich politisch gegen Pädokriminelle einsetzte, soll selbst eine Minderjährige und weitere Frauen missbraucht haben.
- Laut Ermittlungen wurde er am 4. September 2023 verhaftet – drei Tage nach Einreichung eines Vorstosses für ein Tätigkeitsverbot für pädosexuelle Straftäter.
- Auf seiner Website präsentierte sich Frei als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und den Schutz benachteiligter Gruppen.
Über Monate hinweg soll ein ehemaliger Aargauer Grossrat die damals 14 und 15 Jahre alte Paula L. betäubt und in der Folge sexuell missbraucht haben. Auch ihre Mutter Iwona L. und eine weitere Frau wurden laut Staatsanwaltschaft «in einen widerstandsunfähigen Zustand» versetzt und dann sexuell misshandelt. Paula und Iwona L. schildern ihre Erlebnisse im «Tages-Anzeiger».
Während der Übergriffe auf Paula und auch Iwona L. politisierte der in der Justizkommission sitzende Grossrat Frei unbehelligt weiter. Bei einer Abstimmung im September 2022 spricht er sich etwa dafür aus, dass Lehrpersonen bei der Anstellung einen aktuellen Strafregisterauszug vorzeigen müssen. So sollen Minderjährige vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» hat der Politiker nur wenige Stunden zuvor einen weiteren sexuellen Übergriff an der am Vortag 15 Jahre alt gewordenen Paula L. gefilmt.
Politiker forderte härteres Vorgehen
In dieser Zeit unterschrieb er im Rat auch eine Interpellation mehrerer Grossräte, die eine konsequente Durchsetzung des Tätigkeitsverbots für pädosexuelle Straftäter fordert.
Am 4. September 2023 – drei Tage, nachdem der Vorstoss für die konsequente Durchsetzung des Tätigkeitsverbots für pädosexuelle Straftäter eingereicht wurde – steht Frei laut Ermittlungen erneut im Zimmer von Paula L. und wird daraufhin verhaftet.
Gegen Diskriminierung und Unterdrückung
Auf seiner Website präsentierte sich Frei als Mann für Recht und Ordnung. Als eine seiner wichtigsten Positionen nennt er «soziale Gerechtigkeit und Gleichheit». Er setze sich «für die Beseitigung von Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Sexualität und anderen Faktoren» ein, schreibt er. Auf Linkedin verweist er auf seinen Einsatz für «gute Zwecke»: unter anderem für die Unterstützung benachteiligter Gruppen, den Tierschutz und für Kinder.
Auf X teilt der Politiker einen Beitrag der SVP Schweiz mit der Überschrift: «Es reicht mit der importierten Gewalt». Selbst schreibt er: «Der Anstieg der Gewalt geht auf ausländische Beschuldigte zurück.» Zu einem Nachrichtenartikel, in welchem es um die Karriereplanung von Studentinnen geht, meint er: «Frauen wird eingeredet, sie würden diskriminiert. Das wurde jetzt offiziell widerlegt.»

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?
Hier findest du Hilfe:
Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter
Clickandstop.ch, Online-Meldestelle der Stiftung Kinderschutz Schweiz
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Daniel Krähenbühl (dk) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Er leitet das Regionennetzwerk mit Fokus auf Stadtpolitik, Kriminalität, Gesellschaft und Recherche.
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