Stand: 20.07.2026, 17:59 Uhr
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Auch wenn er schon in der ersten Runde ausgeschieden war, konnte Sebastian Piechatzek alias Pinocchio am Ende des Fischerstechens mit dem 1. Kostümpreis nach Hause gehen. © VangierdegomBeim 34. Seeshaupter Fischerstechen ist die Dominanz von Michi Muhr zu Ende gegangen. Im Halbfinale setzte sich Simon Ahrndsen gegen den Titelverteidiger durch und gewann schließlich das Finale.
Seeshaupt – Der Nachmittag des traditionellen Seeshaupter Fischerstechens hatte alles andere als vielversprechend begonnen. Kurz vor dem ersten Duell fegten Wind und Regen über den See, dunkle Wolken ließen so manchen bereits an eine auch außerhalb des Wassers nasse Veranstaltung denken. Doch pünktlich zum Start verzog sich der Regen, die Sonne setzte sich durch. Nur der Wellengang blieb – und machte den Teilnehmern das Leben schwer. Die beiden Ruderer Max Lindner und Max Rest hatten alle Hände voll zu tun, die Boote sauber auszurichten. Auf den schmalen Planken war sicheres Stehen an diesem Tag oft schon die halbe Miete, denn jede Welle konnte das Gleichgewicht im entscheidenden Moment ins Wanken bringen.
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Da stand er noch sicher auf der Planke, der Rekord-Fischerkönig Michi Muhr (links). Im Halbfinale aber musste er sich geschlagen geben. © VangierdegomTraditionell eröffnete Vorjahressieger Michi Muhr das Turnier. Der Rekord-Fischerkönig, der das Fischerstechen in den vergangenen Jahren prägte, galt einmal mehr als einer der Top-Favoriten. Insgesamt 58 Seeshaupter Männer kämpften sich durch die erste Runde – und der See sorgte immer wieder für ungeplante Wendungen. Mehr als ein Stecher landete von der schwankenden Planke im Wasser, bevor überhaupt der erste Lanzenstoß gesetzt werden konnte. Andere lieferten sich ausgiebige Duelle, tasteten sich Zentimeter für Zentimeter vor und warteten geduldig auf den entscheidenden Moment, um den Gegner in den rund 22 Grad warmen Starnberger See zu schicken.
Durch das Geschehen führte erneut Markus Ott, der mit viel Witz und Schlagfertigkeit die Begegnungen kommentierte und auch spontane Badeeinlagen gekonnt einordnete. Seit Andreas Lidl und Sebastian Rössler das Fischerstechen 1992 ins Leben gerufen haben, hat sich die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des Seeshaupter Sommers entwickelt. Was einst als Gaudi unter Freunden begann, lockt heute Jahr für Jahr Hunderte Besucher an den See und gehört vor allem für viele Einheimische ebenso zum Sommer wie das Seefest.
Weit mehr geboten als Wettkämpfe
Auch diesmal wurde den Zuschauern weit mehr geboten als reine Wettkämpfe. Fantasievolle Kostüme trafen auf Business-Outfits, andere Teilnehmer erschienen gleich in Badehose – eine Entscheidung, die sich angesichts der vielen Stürze ins Wasser durchaus als praktisch erwies. Zwischen schnellen K.-o.-Duellen und langen Gleichgewichtskämpfen war alles dabei. Mal entschied ein präziser Lanzenstoß, mal schlicht die nächste Welle. Immer wieder brandete Gelächter auf, wenn ein Teilnehmer unfreiwillig im See verschwand, ehe der Gegner überhaupt zum Angriff ansetzen konnte. Genauso laut fiel der Applaus aus, wenn ein Stecher trotz der schwierigen Bedingungen erstaunlich souverän die Balance hielt und seinen Kontrahenten mit einem gezielten Stoß ins Wasser beförderte.
Mit jeder Runde wuchs die Spannung. Im ersten Halbfinale schließlich setzte sich Elias Priezel gegen Helmut Deuter durch. Im zweiten Halbfinale kam es zum mit Spannung erwarteten Aufeinandertreffen zwischen Michi Muhr und Simon Ahrndsen. Dort endete die Titelserie des Rekord-Fischerkönigs: Ahrndsen setzte sich durch und zog unter großem Applaus ins Finale ein. Dort bewies er erneut Nervenstärke und das nötige Fingerspitzengefühl auf den schwankenden Planken und sicherte sich schließlich den Wanderpokal.
Neben den sportlichen Leistungen wurden auch die originellsten Auftritte ausgezeichnet. Den ersten Kostümpreis erhielt Sebastian Piechatzek als Pinocchio. Platz zwei ging an die beiden Obelixe Sebastian Rössler und Peter Ott. Für ihre besonders gelungenen Übungslanzen wurden Markus Rau und Janis Nikkhah geehrt.
Frauke Vangierdegom