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Zwischen 12 und 17: Alltagsfehler in der Erziehung macht Kinder zu unsicheren Erwachsenen

Stand: 17.07.2026, 22:32 Uhr

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Wenn Eltern ständig auf ihr Smartphone schauen, schadet das ihren Kindern. Sogar, wenn diese schon älter sind, zeigt eine neue Studie.

Frankfurt – Wenn Eltern zu häufig auf ihr Handy schauen, kann sich das langfristig auf die Bindung zu ihren Kindern auswirken. Das zeigt eine neue Studie, die im Juli 2026 in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht wurde. Für sie haben Forschende eine Skala namens Device Attachment Interference Scale (DAIS) entwickelt und an einer repräsentativen Stichprobe von 600 US-amerikanischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren getestet.

Es zeigte sich: Je stärker Jugendliche die Ablenkung und mangelnde Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen durch Smartphone und Tablet wahrnahmen, also je höher die DAIS-Skalenwerte waren, desto unsicherer (sowohl ängstlich als auch vermeidend) war ihre Bindung zu Mutter oder Vater. In ursprünglichen Studien wurde dieser Zusammenhang nur bei mütterlichen Bezugspersonen beobachtet.

Wie Eltern ihr Smartphone nutzen, sei – im Gegensatz zu vielen anderen familiären Risikofaktoren – willentlich steuerbar, betonen die Forschenden. Deswegen sollte darüber in Bezug auf die emotionale Bindungssicherheit von Jugendlichen zu ihren Eltern mehr gesprochen werden, fordern sie. Denn eine unsichere Bindung als Kind korreliert oft mit schlechterer psychischer Gesundheit und äußert sich im Erwachsenenalter in unsicheren oder vermeidenden Beziehungsmustern.

Zwölfjährige im Park

Auch Zwölf- bis Siebzehnjährige leiden laut einer neuen Studie darunter, wenn Eltern zu viel am Smartphone hängen. (Symbolbild) © Depositphotos/IMAGO

„Technoference“: Dass Eltern durch das Smartphone abgelenkt sind, hat Folgen

Bei kleineren Kindern ist schon länger bekannt, wie sich die Abwesenheit durch das Smartphone auswirken kann. „Die Beziehungen zu Säuglingen sind so klein und fein und wir drohen, sie über das Schnelle, Grelle, Laute und Spannende des Handys zu verlieren“, warnt die Kinderärztin Silke Schwarz bei der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Wenn ich am Handy bin, bin ich leicht nicht empathisch und emotional zugewandt, sondern wirke abwesend, unerreichbar und somit hochnäsig.“ Auf Säuglingsstationen sehe sie immer wieder durchs Smartphone abgelenkte Eltern.

Auf Instagram kritisiert ein Erzieher, dass ihm beim Abholen in der Kita auffalle, wie viele Eltern eher auf ihr Smartphone schauen, statt mit ihrem Kind zu interagieren. Sie würden dem Kind vor allem kurze Anweisungen wie „Mach dich jetzt fertig“ geben – Blickkontakt fehle. „Beim Elternabend fragen sie mich dann: ‚Wieso redet der Jonas noch so wenig?‘ – ‚Weil du nicht mit deinem Kind sprichst!“, sagt er. Für das Phänomen der Ablenkung der Eltern durch ihr Smartphone oder Tablet gibt es bereits einen Namen: „Technoference“. Das Wort setzt sich aus „Technology“ und „Interference“ (dt: Unterbrechung) zusammen.

„Beim Tippen oder Scrollen verändert sich die Mimik der Eltern oft so stark, dass für das Kind kaum noch ein Gegenüber da ist“, sagt die Medienpädagogin Iren Schulz der Frankfurter Rundschau. Man könne beobachten, wie das Gesicht „quasi einfriert“, sagt sie. Schon Untersuchungen in den 70er-Jahren wiesen auf dieses Still-Face-Phänomen hin. „Gerade für kleine Kinder ist dieses eingefrorene Gesicht irritierend, weil sie ständig auf Reaktion angewiesen sind. Wenn das Gegenüber plötzlich starr wird, bricht für das Kind genau der Teil der Beziehung weg, der Orientierung und Sicherheit gibt.“ Es entstehe Unruhe und „im schlimmsten Fall kann sich das langfristig auch auf die Bindung auswirken“.

„Nur besser getarnt“: Medienpädagogin reagiert auf virales Produkt von Start-up

Als Lösung für das Problem der „Technoference“ haben zwei Unternehmerinnen aus Griechenland das Start-up „Peek a Book“ gegründet. Es verkauft hohle Bücher mit Magnethalterung, in denen das Handy Platz findet. Auf Social Media gehen sie viral. Schulz versteht das Dilemma vieler Eltern, das dahintersteckt. Doch am Ende werde so nur die eigene Mediennutzung versteckt, nicht wirklich reflektiert, sagt sie. „Mit einem Fake-Buch wird die Störung nicht kleiner, sondern nur besser getarnt oder umgeleitet auf einen anderen ,Störenfried‘“, sagt Schulz der FR.

Die Eltern-Kind-Interaktion bleibe unterbrochen, auch wenn das Handy hinter einem Buchcover verschwinde. Gerade in den ersten Lebensmonaten brauche es keine raffiniertere Verpackung für Ablenkung, sondern möglichst klare und verlässliche Zuwendung. Und wie die neue Frontiers-Studie zeigt, hört das auch nicht auf, wenn die Kinder älter werden. (Quellen: eigene Recherche, Frontiers-Studie)