Stand: 16.07.2026, 18:09 Uhr
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Wilhelm Busch, Kopf eines Bauern, Öl auf Holz, undatiert, Dauerleihgabe. © Stiftung Malerkolonie KronbergDie Stiftung Kronberger Malerkolonie will ein Bauernporträt des Max-und-Moritz-Zeichners erwerben. Für den Ankauf benötigt sie einen höheren vierstelligen Betrag.
Kronberg – In der Jubiläumsausstellung „25 Jahre Stiftung Kronberger Malerkolonie – Von der Romantik bis zum Impressionismus“ (noch bis zum 11. Oktober zu sehen) befindet sich in der Vitrine auf der linken Seite im ersten Stock eine kleine Holztafel, die manchen Besucher überraschen wird. Die Signatur ist deutlich zu erkennen und gehört dem humoristischen Dichter und Satiriker Wilhelm Busch (1832–1908), der vor allem als Zeichner von Karikaturen und Illustrationen zu eigenen Bildergeschichten berühmt wurde.
Titel wie „Max und Moritz“, „Die fromme Helene“ und „Fipps der Affe“ machten ihn zu einem der einflussreichsten Zeichner und Karikaturisten des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Manchem gilt er gar als „Urvater des modernen Comics“. Doch nur wenigen ist bekannt, dass er auch ein malerisches Œuvre hinterlassen hat. Neben Zeichnungen malte er Genrebilder, Landschaften und Bildnisse. Seine Bilder zeichnen sich oft durch einen skizzenhaften, dynamischen Pinselduktus und durch den Einfluss Anton Burgers sowie niederländischer Maler aus.
Spontan, vital und kraftvoll
Mehr als tausend Ölgemälde soll Busch geschaffen haben, die allermeisten als Kleinformate. Das ist einem Ankündigungstext zu einer Auktion im Jahre 2016 zu entnehmen. Weiter heißt es dort: „Es ist schwer, sich Wilhelm Busch wie andere Maler tage- oder wochenlang an der Staffelei an einem Gemälde arbeitend vorzustellen; wahrscheinlich hätte er dazu nicht die Geduld gehabt; Malerei ist für ihn etwas Momentanes, Stimmungshaftes, Prozessuales, das das eigene Tun sichtbar macht. Schnell und spontan, kraftvoll und vital ist seine Arbeit als Maler, der uns heute so fasziniert.“ Mitte der 1880er Jahre wandte sich Busch der Malerei zu. Sie ließ ihn nicht mehr los. Es entstand ein malerisches Werk, das sich zunehmend auf die Wiedergabe der heimatlichen Landschaft konzentriert.
Mit Anton Burger bekannt
Busch kam am 15. April 1832 in Wiedensahl/Hannover auf die Welt. Zwischen 1847 und 1851 ließ er sich zunächst an der polytechnischen Schule in Hannover zum Maschinenbauer ausbilden. 1851 wurde er Schüler an der Düsseldorfer Akademie der Schönen Künste. Zur Vervollständigung seiner künstlerischen Ausbildung studierte er 1852 an der Antwerpener Akademie. Eine Typhuserkrankung ließ ihn 1853 in die Heimat zurückkehren. 1854 wurde er Schüler an der Münchener Akademie bei W. von Kaulbach und war Mitglied im Künstlerverein „Jung München“.
1858 wurde er Mitarbeiter bei den „Fliegenden Blättern“. Noch im selben Jahr feierte er seinen Durchbruch mit „Max und Moritz“. 1867 und 1869 bis 1872 folgten Aufenthalte in Frankfurt, wo er im Hause der Bankiersfamilie Kessler Anton Burger kennenlernte, zu dem er später eine enge Freundschaft pflegte. Es folgten Aufenthalte in München und Niedersachsen, wo er Freundschaften zu Lenbach, F.A. Kaulbach und Lorenz Gedon unterhielt, sowie Reisen nach Holland, Wien, Venedig und Rom.
1891 nahm er den Kontakt nach Frankfurt und die Freundschaft zu Johanna Kessler und ihren Töchtern wieder auf. Von dieser Verbindung, die bis zu Buschs Tod anhielt, zeugt ein lebhafter Briefwechsel, der von zahlreichen Besuchen berichtet. Im Jahr 1898 siedelte Wilhelm Busch mit seiner Schwester Fanny zum Neffen Otto Nöldeke ins Pfarrhaus von Mechtshausen am Harz über, wo er am 9. Januar 1908 verstarb.
„Kein Ding sieht so aus, wie es ist. Am wenigsten der Mensch, dieser lederne Sack voller Kniffe und Pfiffe“, schreibt Busch im Vorwort zu seiner Autobiografie. Busch erlebte die Revolution von 1848 als 16 Jahre alter Schüler in Hannover. 1899 veröffentlichte er das geschichtliche Werk „Die Berliner Märztage von 1848. Die Ereignisse und ihre Überlieferung“.
„Bilder von Wilhelm Busch sind auf dem Kunstmarkt rar. Die kleine Holztafel mit dem lebendigen Porträt eines Bauern wurde jüngst der Stiftung zum Kauf für einen höheren vierstelligen Betrag angeboten“, sagt Ingrid Ehrhardt, Leiterin des Museums Kronberger Malerkolonie. Die Stiftung hofft, das Werk bis Ende des Jahres für die Sammlung ankaufen zu können. Sie benötigt dafür Spender, die dieses Ansinnen unterstützen.