Weshalb Iran im Krieg gegen die USA immer besser trifft, hat einen einfachen Grund
Nicht nur Russland ist ein wichtiger Unterstützer Irans. Auch Chinas Schützenhilfe ist für die iranische Kriegsführung entscheidend geworden.
Petra Ramsauer26.07.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten

Drei amerikanische Soldaten wurden bei einem iranischen Angriff auf den Muwaffaq-Salti-Stützpunkt in Jordanien getötet. Im Bild wird die Leiche eines der Soldaten in Dover, Delaware, von Kameraden aus dem Flugzeug getragen.
Bonnie Cash / Imago
Die Nervosität im Weissen Haus wächst. Der Präsident sei im «Rachemodus», erzählen Insider dem «Wall Street Journal». Wenige, besonders nicht Donald Trump, hatten damit gerechnet, dass die Islamische Republik den Konflikt mit der Supermacht USA ein halbes Jahr lang überstehen wird.
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Dies gelang nicht im Alleingang. Die Unterstützung Russlands, vor allem aber auch die von China dürften dabei eine grosse Rolle spielen. Das wird immer deutlicher, auch für Trump, wie sein jüngster Wutausbruch erahnen lässt. «Präsident Xi hat mir versprochen, keine Waffen an das Regime in Teheran zu liefern. Wenn er das aber tut, oder Putin, wird das sehr schlimm für beide ausgehen», schrieb er am Freitag auf Social Media.
Das offizielle China betonte seine Neutralität in dem Konflikt. «Es ist im Interesse der Region und der gesamten Welt, so rasch wie möglich eine Lösung zu finden», verkündete das chinesische Aussenministerium seit Kriegsbeginn. Doch fügt man die einzelnen Berichte und durchgesickerten Informationen zusammen, die während der vergangenen fünf Monate bekannt geworden sind, ergibt sich ein klares Bild: Es zeigt, wie Peking Iran unter die Arme griff, das Raketen- und Drohnenarsenal der Armee der Revolutionswächter verbesserte – und diese im Laufe des Konflikts ihre Zielgenauigkeit erhöhen konnte. Bis heute.
Störung des Navigationssystems
Zwei Jahrzehnte lang hatten die USA und ihre Alliierten in der Golfregion bis zu 20 Milliarden Dollar in Abwehrsysteme investiert. Doch Irans Angriffe beeinträchtigen diesen Schutzschild immer stärker. Deutlich illustrierten dies die fast simultanen iranischen Angriffe auf amerikanische Stützpunkte und die Infrastruktur in fünf Staaten der Region vergangenes Wochenende: Bahrain, Kuwait, Katar, Oman sowie Jordanien. Drei Servicekräfte der US-Armee kamen dabei ums Leben.
«Es war die massivste Angriffswelle seit Kriegsbeginn», analysiert Tom Sharpe, der in der britischen Armee auf Luft- und Raketenabwehr spezialisiert war und jetzt als Berater tätig ist. «Mit hoher Präzision und geringer Vorwarnzeit setzen iranische Raketen vom Typ Zolfaghar sowie Drohnenschwärme die US-Armee also massiv unter Druck.» Er geht davon aus, dass die iranischen Luftstreitkräfte Zugang zu dem verschlüsselten Satellitennavigationssystem Beidou-3 der Chinesen hatten. Damit konnten die Iraner eine der einfachsten Möglichkeiten nutzen, um die amerikanische Abwehr zu durchbrechen: die Störung des Navigationssystems durch die Manipulation des Signals.
Dass Pekings Führung Iran diese Daten vermutlich preisgibt, ist ein enormer Vertrauensbeweis und gleichzeitig ein ebenso grosses Problem für die USA, die bereits in den ersten sieben Wochen des Krieges die Hälfte ihrer Präzisionswaffen für die Raketenabwehr aufgebraucht haben. 37,5 Milliarden Dollar hat Amerika der Krieg bereits gekostet, nun schraubt Chinas Hilfe den Preis noch weiter nach oben.
«Nachdem in den ersten Kriegstagen Iran ein paar Zufallstreffer geglückt waren, hat sich die Strategie ab Mitte März massiv verbessert», meint Can Kasapoglu, der für das Hudson-Institut die iranisch-chinesische Militärkooperation unter die Lupe genommen hat. Er stellte fest, dass Irans Führung mit jeder Kriegswoche ihre Angriffe verbessern konnte, es wurden Radaranlagen getroffen, zentrale militärische Infrastruktur wie Treibstoffreserven. «Dies lässt darauf schliessen, dass die Islamische Republik von externer Hilfe profitiert hat.» Von Aufklärung made in China.
Die Unterstützung wurde auf mehreren Ebenen gewährt. Bereits zu Kriegsbeginn wurde eine E-Mail einer kleinen chinesischen Firma namens Xiamen Victory Technology an die Spitze der iranischen Armee publik. «Die Aggression gegen Iran schockiert und empört uns zutiefst», steht darin. Als Zeichen der Verbundenheit wurde die Lieferung hochwertiger Motoren für Angriffsdrohnen vom Typ Shahed angeboten. Anfang April wurde ausserdem bekannt, dass China Irans Militär Chemikalien liefert, die als Rohstoff für Raketentreibstoff benötigt werden. Hunderte ballistische Raketen konnten damit versorgt werden.
Neu ist die Allianz nicht. Seit Jahrzehnten kooperieren Iran und China militärisch: In jüngster Zeit standen dabei vor allem der Know-how-Transfer sowie diskrete Hilfestellungen durch den Export von Komponenten im Vordergrund. Letztere dienen militärischen Zwecken – oder auch nicht. Denn offiziell hält sich China an das Sanktionsregime gegen Iran, auch die jüngste Unterstützung wird nicht eingeräumt.
In der Diplomatie läuft Chinas Einfluss ebenfalls unter dem Radar. Das Land spielte seinem engen Verbündeten Pakistan die zentrale Rolle des Mediators zu und dürfte hinter den Kulissen massiven Druck ausüben, um eine Lösung des Konflikts herbeizuführen. Ohne die Rohstoffimporte aus der Region wird es eng für die Wirtschaftssupermacht.
Peking versucht sich also in einem fragilen Balanceakt. Zum einen eine Eskalation einzudämmen, zum anderen Irans Regime so sehr zu stützen, dass es den Krieg überlebt und dadurch eine neue US-freundliche Führung Irans verhindert wird.
Eiskaltes Kalkül
Dafür hat China auch schon vor dem Krieg viel getan. Irans Revolutionswächter erhielten modernste Überwachungstechnologie zur Niederschlagung von Protesten und zur Kontrolle des Internets. Seit 2021 besteht bereits ein «strategisches Partnerschaftsabkommen» zwischen den beiden Ländern. Die Vereinbarung umfasst Investitionen von 400 Milliarden Dollar in den nächsten 25 Jahren.
Vieles an diesen Projekten stockt, aber kurzfristig hat China Irans Volkswirtschaft gerettet: «Das Land hat das grösste Volumen von mit Sanktionen belegtem Rohöl aus Iran gekauft, dabei ein hoch effizientes Netzwerk für den Schattenhandel aufgebaut», sagt Christopher Walker, Vizepräsident des Center for European Policy Analysis.
Nicht ganz uneigennützig. So ist es China nicht nur gelungen, die Rohstoffpreise niedrig zu halten, sondern auch gigantische strategische Reserven anzulegen: 1,2 Millionen Barrel Öl wurden gehortet. Der Puffer half, die Engpässe nach der Schliessung der Strasse von Hormuz abzufedern. Doch ewig wird auch dieses Lager nicht reichen.
Die Schützenhilfe für Teherans Regime ist kein Freundschaftsdienst, sondern eiskaltes Kalkül. Wenn Irans Kriegsführung zu riskant wird, kann China auf andere Verbündete wie Saudiarabien setzen und das Regime in Teheran gegen die Wand fahren lassen, vermutet der Journalist Jasim al-Azzawi: «China braucht Iran. Aber China wird für Iran nicht sterben.»

Zwei ballistische Raketen des Typs Zolfaghar wurden an den Feierlichkeiten zu 47 Jahren Islamische Republik in Teheran der ¨Öffentlichkeit gezeigt.
Morteza Nikoubazl / Nurphoto / Getty
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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