Stand: 14.07.2026, 06:30 Uhr
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Beständig: Die Kirche St. Anna in Twistringen hat schon einige Wandlungen der katholischen Kirche erlebt. © ArchivDas Bistum Osnabrück reduziert die Zahl der Hauptamtlichen in der Pfarrei Twistringen bis 2030 auf zweieinhalb Stellen. Mehr Verantwortung für Ehrenamtliche.
Twistringen – Gläubige Katholikinnen und Katholiken können nicht mehr davon ausgehen, dass die Hauptamtlichen der Kirche ihnen ein Angebot gewissermaßen auf dem Silbertablett servieren. So sieht Anke Lührsen, Mitglied des Pfarrgemeinderates St. Anna, das Ergebnis des sogenannten Dekanatsprozesses, mit dem das Bistum Osnabrück die Kirchen in der Region für die Zukunft aufstellen will. „Wenn ich Christ sein will, muss ich mitgestalten“, schließt Lührsen aus den Ergebnissen. Das sei auch eine Chance für die Kirche in Twistringen und darüber hinaus.
So schnell schrumpft die katholische Kirche in Twistringen
Dem Bistum Osnabrück zufolge lief besagter Prozess im Dekanat Twistringen im November 2023 an. Haupt- und Ehrenamtliche hätten sich geeinigt, das Gebiet, das von der Bremer Stadtgrenze bis nach Diepholz und Uchte im Landkreis Nienburg reicht, in drei statt in vier Regionen zu unterteilen, da weniger Personal zur Verfügung steht. Strukturell bleibt die Twistringer Pfarrgemeinschaft St. Anna mit Marhorst, Bassum und Harpstedt erhalten, erklärt die zuständige Dekanatsreferentin Jutta Sievers auf Nachfrage. Dort leben 6.600 Katholiken, erklärt der dortige Pfarrer Joachim Kießlich. Zukünftig werde die Zahl der Hauptamtlichen auf zweieinhalb Stellen in Twistringen reduziert, erklärt er. Bis 2030 sollen die Strukturen umgebaut sein.
Laut Lührsen sei das eine Kürzung um etwa die Hälfte. Die Pfarrei beschäftigt aktuell fünf Menschen, darunter zwei Priester. Aus Sicht der Laienvertreterin werden die Umstrukturierungen für Twistringen und die anhängigen Gemeinden wohl weniger schwerwiegend. „Wir sind schon eine Pfarrei und damit weiter im Prozess“, sagt sie. Andere Gemeinden mit eigenständigen Gremien müssten nun diese Strukturen deutlich härter aufbrechen und sich voraussichtlich zu Pfarrgemeinschaften zusammentun, um mit der geringeren Zahl an Hauptamtlichen umzugehen.
„Das Dekanat ist geschrumpft“, begründet Sievers die Kürzung der zugewiesenen Stellen. Bis auf die Kirchen in der Twistringer Pfarrei seien alle Gemeinden nach Ende des Zweiten Weltkriegs von Vertriebenen gegründet worden. „Manche der Kirchen sind baufällig, und nicht alle sind am Sonntag gefüllt“, schildert Sievers die Situation der Katholiken in der Region.
Zukünftig werden die hauptamtlichen Priester und Kirchenangestellten mehrere Gemeinden betreuen, erklärt Sievers den Plan. Das Gemeindeleben vor Ort werde dadurch hauptsächlich in die Hand engagierter Gläubiger gegeben. Priester sollen ansprechbar bleiben und Sakramente spenden. Eucharistie feiern, firmen, Beichten abnehmen, Ehen schließen, weihen und Kranke salben dürfen in der katholischen Kirche nur sie. Die Hauptamtlichen in Twistringen werden zukünftig auch noch Dekanatsaufträge zu erfüllen haben, erklärt Kießlich die Planung. „Man wird sehen, was wir dann mit zweieinhalb Stellen schaffen“, sagt der Priester über die zukünftige Personalausstattung der Pfarrei.
Ein Versprechen gibt Sievers den Gläubigen: „Wo es noch Gottesdienst gibt, soll das auch so bleiben.“ Unter den Ehrenamtlichen gebe es auch einen Trend dazu, sich zum Abhalten von Wortgottesdiensten fortzubilden. „Und das wird auch gut angenommen“, sagt Sievers. Im Grunde unterscheidet sich eine Wortgottesfeier von einem vollständigen Gottesdienst durch die fehlende Eucharistiefeier. In dem Sakrament werden Hostien zum Leib Jesu. Der Vollzug dessen vor der Kommunion – der Ausgabe der Hostie im Gottesdienst – ist Priestern vorbehalten.
„Eucharistie wird jetzt etwas, das wir wirklich feiern, wenn wir es haben“, kommentiert Lührsen. „Die Jugend lebt uns vor, dass wir unsere Kirche gestalten müssen“, sagt die Twistringerin. Aus dieser Perspektive könnte in der Entwicklung weg von hauptamtlichen Priestern auch eine Chance liegen. „Früher waren wir auch davon abhängig, dass Hauptamtliche etwas zugelassen haben“, erinnert sie sich. Kießlich betont den Anspruch an seine Arbeit auf diesem Weg: „Den Ehrenamtlichen wird jetzt mehr zugetraut, das ist gut. Aber es muss auch für eine anständige Begleitung durch uns Hauptamtliche gesorgt sein.“
„Uns ist der Kirchort noch sehr wichtig“, zeigt sie Verständnis für ihre Generation der Gläubigen und die Sorgen, die mit dem Dekanatsprozess verbunden sind. Lührsen sieht aber auch hier eine Chance in der Weltsicht junger Katholiken: „Für sie ist eher die Gemeinschaft wichtig.“ Dahin werde sich die Kirche wohl entwickeln müssen. In der Dekanatsjugendarbeit funktioniere das bereits.