In Berlin wird einem nie langweilig. Das gilt fürs Leben, aber auch fürs Laufen. Ich habe es vermutlich schon mehrfach betont, aber ich bin immer wieder begeistert davon, wie vielfältig die Laufstrecken in der Stadt sind. Das gilt allein schon für den Großen Tiergarten. Irgendwo gibt es immer noch einen Abzweig, den ich noch nie genommen habe und durch den ich wieder eine neue Ecke entdecken kann. Was mich zu der Erkenntnis bringt: Was für ein Glück, dass wir einen der größten Stadtparks Europas mitten in Berlin haben.
Auf der anderen Seite fallen mir aber auch immer wieder Dinge auf, bei denen ich mich frage: Warum ist das so? Auch das ist wahrscheinlich typisch Berlin. Dass Dinge nicht funktionieren, dass die Stadt noch viel schöner sein könnte, wenn alle sich ein wenig mehr um sie kümmern würden – das fällt mir beim Laufen besonders auf. Erstaunlich ist etwa manchmal, wie wenig Geld oder Kapazitäten offenbar vorhanden sind, um manche Grünanlagen zu pflegen. Jetzt, im Sommer, wuchert das Gestrüpp. Und der ungepflegte Zustand wird von manchen wiederum als Einladung interpretiert, dort gleich noch ihren Müll zu entsorgen.
In Berlin haben aber anscheinend auch diese wild wuchernden Flächen ihre Berechtigung. Zumindest wurde eine davon im Nord-Süd-Grünzug zwischen dem Südkreuz und der Yorckstraße als „geschütztes Biotop“ ausgewiesen. Schützenswert erscheint mir dort nichts – aber möglicherweise ist mir auch etwas entgangen.
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250 Trinkbrunnen in Berlin – nur blöd, wenn der angesteuerte kaputt ist
Im Sommer bietet Berlin gerade für Sportlerinnen und Sportler eigentlich einen großen Pluspunkt: die 250 Trinkbrunnen in der Stadt. Gerade bei längeren Läufen ist es kaum möglich, genügend Wasser mitzunehmen, wenn man nicht mit einem Zusatzgewicht von zwei Kilo unterwegs sein möchte. Ich rüste mich an warmen Tagen und bei längerer Laufdauer mit zwei 0,5-Liter-Flaschen aus. Und muss gestehen, dass ich davon schon genervt bin, wenn das Wasser bei jedem Schritt auf- und abschwappt. Ich setze darauf, dass das Ganze zumindest einen zusätzlichen Trainingseffekt mit sich bringt und mir das Laufen im Rennen, ohne mit Wasser beladen zu sein, leichter vorkommen wird.
So oder so bin ich darauf angewiesen, zwischendurch meine Flaschen nachzufüllen. Umso ärgerlicher ist es, wenn ich eine Route entlang von Trinkbrunnen plane, sie in der Realität aber leider nicht in Betrieb sind. Am vergangenen Wochenende war das im Park am Gleisdreieck der Fall, aus dem vergangenen Sommer erinnere ich mich besonders an eine Situation an der Turmstraße, zu der ich extra einen kleinen Umweg eingebaut hatte. Nur um dann vor einem abgesperrten Brunnen zu stehen und mich doch in die lange Supermarktschlange einzureihen.
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Kaputte Gehwege in Berlin: Blick auf den Boden statt in die Umgebung
Was mir zuletzt auch wieder aufgefallen ist: wie viele Wege in Berlin beschädigt sind. Im Hans-Baluschek-Park in Schöneberg etwa, wo die Unebenheiten immerhin bunt markiert sind. Über dieses Vorgehen freue ich mich auch auf Radwegen ganz besonders. Weil die Farbe vielleicht bewirkt, dass ich die Schäden früher sehe, aber natürlich nichts daran ändert, dass ein normales Fahrradfahren unmöglich ist. Beim Laufen haben Wurzelschäden oder lose Pflastersteine zur Folge, dass ich weniger von meiner Umgebung mitbekomme, sondern den Blick konzentriert auf den Boden richte. Was schade ist, weil ich auch aus dem Grund laufe: um Berlin zu entdecken.
Dazu kommen bestimmte Eigenheiten der Menschen hier, die mich immer wieder verwundert zurücklassen. Die Familie oder Freundesgruppe zum Beispiel, die zu dritt oder viert nebeneinander spaziert und sich stoisch weigert, Platz zu machen, wenn man ihnen entgegenläuft. Ich bin schon mehrfach in einen Grünstreifen neben dem eigentlichen Gehweg ausgewichen, um an den Leuten vorbeizukommen. Ebenso wenig Verständnis habe ich dafür, wenn mir unangeleinte Hunde entgegenlaufen. Die bestimmt gut erzogen sind, aber bei denen man doch nie weiß, wie sie auf eine rennende Person reagieren.
Es sind manchmal nur Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Das ist auch das Gute: Etwas zu verändern, ist gar nicht so schwierig, wenn alle sich ein wenig mehr bemühen.