Toxische Gase: Verbrannter Wald und Rauchschwaden nahe der französischen Gemeinde Saumos
Foto: Yves Herman / REUTERS
In Frankreich, Spanien und Italien breiten sich beispiellose Waldbrände aus – und mit ihnen giftiger Rauch, der mit dem Wind in Städte und Urlaubsorte getragen wird. Zahlreiche Betroffene berichten von Husten, Schwindel und Übelkeit, nachdem sie Rauch eingeatmet haben. Einwohner und Urlauber sollen laut Behörden im Ernstfall zu Hause bleiben, die Räume abdichten und auf körperliche Aktivitäten verzichten.
Was den Rauch so gefährlich macht
Rauch, der etwa bei der Verbrennung von Holz entsteht, enthält einen ganzen Cocktail von gesundheitsschädlichen Substanzen. Neben dem hochgiftigen Kohlenmonoxid und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) geht vorwiegend vom enthaltenen Feinstaub eine erhebliche Gefahr aus. Die winzigen Partikel können laut Umweltbundesamt tief in die Lunge eindringen, mitunter in das Blut übergehen und auch das Herz-Kreislauf-System belasten.
Direkt nach dem Einatmen des Rauchs können laut Umweltbundesamt Reizungen an Atemwegen, Augen und Haut sowie Gewebeschwellungen auftreten. Atmung und Lungenfunktion können dadurch deutlich beeinträchtigt werden.
Ebenso gravierend sind oft die mittel- und langfristigen gesundheitlichen Effekte der Rauchbelastung. So lösen etwa die Feinstaubpartikel laut Umweltbundesamt Entzündungen und Stress in menschlichen Zellen aus. Das kann unter anderem zu erhöhtem Blutdruck, einer verminderten Herzrhythmusvariabilität und einer insgesamt erhöhten Sterblichkeit führen.
Langfristig werden Verbindungen zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz diskutiert, zudem sind die im Rauch enthaltenen PAK nachweislich krebserregend. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass Gesundheitsbelastungen durch Waldbrände in den späten Monaten der Schwangerschaft negative Auswirkungen auf Neugeborene haben können. Welchen genauen Einfluss vermehrte Waldbrände auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, ist bisher nicht hinreichend erforscht.
Zudem gibt es viele Faktoren, die darüber entscheiden, wie stark sich der Rauch akut und langfristig auf die Gesundheit auswirkt. Dazu zählen unter anderem: Dauer der Exposition, Dichte und Zusammensetzung des Rauchs, meteorologische Bedingungen und individuelle Anfälligkeit und Vorerkrankungen.
Alte Menschen, Asthmatiker, Menschen mit Herzerkrankungen, Kinder und Schwangere sind besonders gefährdet. Diese sollten bei Beschwerden oder Atemproblemen eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Bei gravierenden Symptomen wie Atemnot, Blaufärbung der Lippen, starker Benommenheit oder einem Engegefühl in der Brust sollte immer der Notarzt gerufen werden.
Was vor Rauch schützt
In Frankreich rufen die Behörden die Menschen in der Nähe der Brandgebiete auf, möglichst zu Hause zu bleiben. Sie sollen Türen, Fenster und Rollläden geschlossen halten und elektrische Lüftungen ausschalten. Drinnen sind Zigaretten, Kerzen und Räucherstäbchen tabu. Das Auto soll stehen bleiben, es sei denn, es dient zur Evakuierung.
»Der wichtigste Schutz besteht darin, sich dem Rauch gar nicht erst auszusetzen«, sagt der Lungenspezialist Mathieu Molimard von der Universitätsklinik Bordeaux. Westlich der Stadt breiteten sich unkontrolliert die Flammen aus. »Wenn der Wind gedreht hat und die Luftqualität wieder besser ist, kann man die Wohnung wieder lüften«, erklärte Molimard.
Wer unbedingt das Haus verlassen muss, kann sich kurzzeitig mit einer FFP2-Maske schützen. Die Maske kann zwischen vier und acht Stunden vor den Feinstaubpartikeln schützen, lässt giftige Gase wie Stickstoffmonoxid oder das scharf riechende Acrolein aber durch. »Eine FFP2-Maske ist besser als nichts, aber nicht die Lösung für alles«, warnt Molimard. Wer keine zur Hand hat, solle ein nasses Tuch über Mund und Nase halten. Andere Masken seien nutzlos.
Joggen, Fußball oder Radfahren sind während der Waldbrände keine gute Idee. Sportlerinnen und Sportler atmen mehr giftigen Rauch ein, die Lunge ist stärker beansprucht. Wer unter Asthma oder chronischer Bronchitis leidet, sollte ohnehin zu Hause bleiben.
Bei der Rückkehr nach einer Evakuierung gilt: Asche und Staub möglichst nicht anfassen und nur mit Handschuhen und Wasser abwaschen – nicht mit dem Besen, Staubsauger oder Hochdruckreiniger, weil sie die Asche zusätzlich aufwirbeln. Gemüse und Obst aus dem Garten sollten abgewaschen und geschält werden. Betroffenen wird zudem empfohlen, den Wasserhahn zwei Minuten laufen zu lassen, bevor das Wasser getrunken wird.
jae/AFP