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Waldbrände in Frankreich: Krankenhäuser aktivieren Notfallpläne

Stand: 24.07.2026, 18:40 Uhr

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Die Waldbrände in Frankreich haben eine neue Dimension erreicht: Krankenhäuser aktivieren Notfallpläne, während Zehntausende ihre Unterkünfte räumen müssen.

Bordeaux – An der französischen Atlantikküste nahe Bordeaux toben derzeit zwei der schwersten Waldbrände, die die Region in diesem Jahrzehnt erlebt hat. Die Feuer fressen sich durch ausgedörrtes Kiefernland, das nach einem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer kaum noch Widerstand bietet. Allein im laufenden Jahr sind in Frankreich bereits rund 50.000 Hektar Fläche verbrannt – nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez dreimal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.

Strandbesucher sitzen am Strand von Moutchic in Lacanau im Südwesten Frankreichs, während Rauchwolken von einem Waldbrand in den Himmel aufsteigen.

Strandbesucher sitzen am Strand von Moutchic in Lacanau im Südwesten Frankreichs, während Rauchwolken von einem Waldbrand in den Himmel aufsteigen. © Maximilien Lamy/dpa

Die Brände treffen eine Küstenregion, die in den Sommermonaten zu den meistbesuchten Urlaubszielen Europas gehört. Campingplätze, Feriendörfer und Wohnwagenstellplätze zwischen Arcachon und Biscarrosse sind besonders betroffen. Die Lage stellt Behörden, Einsatzkräfte und das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen. Hinzu kommen laut Météo-France ungünstige Wetterbedingungen.

Waldbrände in Frankreich: Mehr als 63.000 Menschen an der Atlantikküste evakuiert

Rund um das Becken von Arcachon und die Halbinsel Cap Ferret mussten zuletzt 20.000 weitere Menschen zehn Gemeinden verlassen. Zusammen mit bereits zuvor evakuierten Personen übersteigt die Gesamtzahl inzwischen 63.000 Betroffene. Zur Unterstützung der Evakuierung wurden von Cap Ferret aus auch Schiffe eingesetzt. Die französische Bahngesellschaft SNCF richtete Sonderzüge ein, um Evakuierte von Arcachon nach Bordeaux zu transportieren, wie Verkehrsminister Philippe Taberot bei X bestätigte. In der Messestadt selbst wurde eine Halle als Notunterkunft geöffnet.

Das erste der beiden Hauptfeuer hat sich auf eine Fläche von rund 10.000 Hektar ausgedehnt – ein Gebiet, das in etwa der Größe der Stadt Paris entspricht. Unter den aktuellen Bedingungen würden bis zu 1000 Hektar pro Stunde abbrennen, erklärte ein Feuerwehrsprecher bei BFMTV. 80 Gebäude wurden beschädigt, 50 davon vollständig zerstört. 27 Feuerwehrleute erlitten Verletzungen, darunter Kohlenmonoxidvergiftungen und einen Knochenbruch nach einer Gasexplosion. Aus der Bevölkerung wurden bislang keine Todesopfer gemeldet. Nun verdichten sich laut BFMTV Hinweise, dass das Feuer in der Gironde durch menschliches Handeln bei landwirtschaftlichen Arbeiten ausgelöst wurde.

Collage Waldbrände in Frankreich

Einsatzkräfte kämpfen gegen verheerende Waldbrände in Frankreich. © Collage Romain Perrocheau/picture alliance/dpa/AFP - Caroline Blumberg/picture alliance/dpa/AP

Die Ausmaße der Katastrophe haben auch das Gesundheitssystem erfasst. Das Universitätsklinikum Bordeaux aktivierte nach Berichten der Zeitung Le Monde seinen Notfallplan. Parallel dazu rief die regionale Gesundheitsbehörde (ARS) einen territorialen Notfallplan für alle Gesundheitseinrichtungen im Département Gironde aus. So soll die Versorgung sichergestellt werden, falls einzelne Gesundheitszentren oder Pflegeheime in der Region ausfallen oder evakuiert werden müssen. Erst vor zwei Wochen wütete ein Waldbrand in Paris.

Zweites Feuer bei Biscarrosse: Lieferwagen als mutmaßlicher Auslöser des Infernos

Südlich von Bordeaux, im Bereich der Gemeinde Biscarrosse, hat ein zweiter Brand rund 23.000 Menschen zur Evakuierung gezwungen. Dort soll ein Lieferwagen auf einer durch den Wald führenden Straße infolge eines technischen Defekts Feuer gefangen haben, woraufhin sich die Flammen rasch auf die umliegende Vegetation ausbreiteten. Dieses Feuer hat inzwischen eine Fläche von 2500 Hektar erfasst. Rund 700 Feuerwehrleute sind vor Ort im Einsatz, 100 Häuser wurden beschädigt.

Die Präfektur des Départements Landes meldete am Morgen, dass auch dieser Brand noch nicht unter Kontrolle sei. Starker Wind und Temperaturen, die in der Region auf bis zu 39 Grad steigen sollen, erschweren die Löscharbeiten erheblich. Wann Urlauber und Anwohner in ihre Unterkünfte zurückkehren können, ist nach Behördenangaben aktuell noch unklar. Viele Betroffene mussten Wohnwagen und Zelte auf den verwaisten Campingplätzen zurücklassen, die nun von der Gendarmerie bewacht werden. In Spanien gilt ebenfalls wegen Waldbränden für die Region Madrid und die Provinz Ávila nun der nationale Notstand.

Frankreich mobilisiert alle verfügbaren Ressourcen – Auswärtiges Amt erneuert Reisewarnung

Frankreich hat den EU-Zivilschutzmechanismus ausgelöst, der die Voraussetzung für internationale Unterstützung bei Waldbränden ist. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, dass zwei kroatische Löschflugzeuge sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei zur Verstärkung der französischen Kräfte entsandt werden. Laut einer EU-Kommissionssprecherin schickte die Union insgesamt drei Löschflugzeuge und zwei Helikopter nach Frankreich.

Überdies kündigte das französische Verteidigungsministerium an, ein großes Militärtransportflugzeug vom Typ Airbus A400M kurzfristig für Löscheinsätze umzurüsten. Das Flugzeug soll bereits binnen weniger Tage einsatzbereit sein. Das EU-Programm RescEU verfügt nach eigenen Angaben über 22 Löschflugzeuge, fünf Helikopter und einen Pool von 777 vorab stationierten Feuerwehrkräften.

Das Auswärtige Amt hat seine Reise- und Sicherheitshinweise für Frankreich aktualisiert und weist auf die erhöhte Waldbrandgefahr hin. Reisende werden aufgefordert, Anweisungen der Behörden unverzüglich zu befolgen und sich über den Dienst „Météo-France“ sowie die Webseiten der Präfekturen fortlaufend zu informieren. Die europäische Notrufnummer 112 ermöglicht im Notfall eine sofortige Ortung. (Quellen: Météo-France, X, BFMTV, Le Monde, Auswärtiges Amt) (jaka)