Nach dem erneuten Schlagabtausch mit Iran kündigt US-Präsident Trump an, die Straße von Hormus zu blockieren. Zudem will er eine Gebühr in Höhe von 20 Prozent auf alle durch die Passage transportierten Frachten erheben.
13.07.2026, 17.06 Uhr
„Wir werden uns zum Hüter der Meerenge aufschwingen“: US-Präsident Donald Trump
Foto: Mark Schiefelbein / AP
US-Präsident Donald Trump (80) kündigte am Montag die Wiedereinführung einer Seeblockade gegen den Iran an. Zudem sollen die USA eine Entschädigung in Höhe von 20 Prozent auf alle durch die Straße von Hormus transportierten Frachten erhalten. Der Prozess werde unverzüglich beginnen, erklärte Trump, ohne Einzelheiten zu nennen.
Die Streitkräfte der USA und des Iran lieferten sich zuletzt einen erneuten Schlagabtausch mit Raketen und Drohnen und kämpfen um die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus.
Trumps Ankündigung folgte auf die Erklärung Teherans, die strategisch wichtige Meerenge gesperrt zu haben. Die erneute Eskalation gefährdet das vor einem Monat geschlossene Übergangsabkommen zur Beilegung des Konflikts. An den Finanzmärkten legten die Ölpreise wegen der Sorgen über Lieferausfälle wieder zu.
Die iranischen Revolutionswächter teilten mit, sie hätten als Reaktion auf US-Angriffe amerikanische Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait ins Visier genommen, Radarsysteme in Oman zerstört sowie Treibstoff- und Munitionsdepots auf einem Stützpunkt in Jordanien beschossen. Das US-Militär erklärte seinerseits, am Sonntag iranische Luftabwehrsysteme, Küstenradarstationen, Raketen- und Drohnenstellungen sowie kleine Boote attackiert zu haben. Am Montag griffen die USA der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna zufolge Militärstützpunkte im Süden des Iran an, darunter in den Städten Keschm, Bandar Abbas und Abadan. In Abadan wurden nach Angaben staatlicher Medien zwei Menschen getötet. Bahrain teilte mit, seine Luftabwehr habe am Montagmorgen mehrere iranische Raketen und Drohnen abgefangen.
Trump: „Sie haben die Vereinbarung gebrochen“
Die jüngsten Angriffe markieren eine deutliche Verschärfung des Konflikts und gefährden das Abkommen, das eine 60-tägige Verhandlungsphase vorsah. Trump erklärte die Waffenruhe für beendet. „Wir hatten eine Vereinbarung. Es war eine beschlossene Sache, und dann haben sie sie gebrochen“, sagte der US-Präsident am Montag in einem Telefoninterview mit dem amerikanischen Fernsehsender Fox News. „Sie halten sich nie daran. Wir haben zehn Vereinbarungen mit diesen Leuten gehabt, und deshalb werden wir sie jetzt einfach sehr hart treffen.“ Der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf (64) schrieb am Sonntag auf der Plattform X: „Die Ära einseitiger Abkommen ist vorbei. Wir haben euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis. Die Realität holt euch ein.“
Deutschland, Frankreich und Großbritannien kritisierten das Vorgehen Irans am Montag scharf. In einer gemeinsamen Erklärung der drei europäischen Staaten (E3) hieß es, sie verurteilten „die rücksichtslosen Angriffe Irans auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus und auf Länder in der Region, darunter Katar, Kuwait, Oman und Jordanien“. Die Achtung der Souveränität über Küstenmeere sowie die Freiheit der Schifffahrt seien grundlegende Prinzipien des Völkerrechts. Zudem forderten die drei Staaten, den Waffenstillstand wiederherzustellen und die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran wiederaufzunehmen.
Durch die Straße von Hormus wird ein Fünftel des weltweiten Öl transportiert
Die Kontrolle über die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssigerdgases transportiert wurde, ist zu einem der Hauptstreitpunkte des Konflikts geworden. Der Preis für die Rohölsorte Brent stieg am Montag um mehr als 3 Prozent, blieb jedoch unter den Höchstständen aus der Anfangsphase des Ende Februar begonnenen Krieges. Trump forderte eine finanzielle Entschädigung für einen US-Einsatz in der Region. „Wir werden uns zum Hüter der Meerenge aufschwingen“, sagte er im Fox-News-Interview. „Und dafür sollten wir entschädigt werden.“ Höhere Energie- und Benzinpreise gelten für Trump vor den US-Kongresswahlen im November als politisch hochgradig brisant.
Der Iran versucht, ein dauerhaftes Gebühren- und Genehmigungssystem für Schiffe in der Meerenge durchzusetzen. Das Außenministerium in Teheran erklärte, die Regierung strebe einen gemeinsamen Mechanismus mit dem Nachbarland Oman an, die Gespräche seien jedoch durch Druck aus Washington behindert worden. Von den iranischen Revolutionswächter hieß es am Montag, die USA hätten durch ihre Einmischung in der Straße von Hormus die Sicherheit der weltweiten Öl- und Gasversorgung ernsthaft gefährdet. Zudem werde die Elitetruppe weiterhin die eigene Autorität und Kontrolle über die Meerenge geltend machen.
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Die USA betonten dagegen, ihre Streitkräfte sicherten die Freiheit der Schifffahrt. „Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Die Schifffahrt läuft ungehindert“, hieß es von US-Seite. US-Vertretern zufolge wurden in den vergangenen 24 Stunden rund 20 Schiffe eskortiert. Daten des Schiffsverfolgungsdienstes MarineTraffic zeigten jedoch, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge vom 10. bis 12. Juli im Vergleich zur Vorwoche um rund 52 Prozent zurückging.
Der von den USA und Israel am 28. Februar begonnene Krieg gegen den Iran hat die gesamte Golfregion destabilisiert. Tausende Menschen wurden seither getötet, vorwiegend in Iran und im Libanon. Am Montag weitete sich der Konflikt zudem auf den Jemen aus: Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen, die den Norden des Landes kontrollieren, beschuldigten Saudi-Arabien, Luftangriffe auf den Flughafen der Hauptstadt Sanaa geflogen zu haben, und kündigten Vergeltung an.
thh/Reuters