Lukas Zijp hat seit seiner Geburt eine schwere Form von frühkindlichem Autismus. Das ist eine Entwicklungsstörung, die viele Beeinträchtigungen mit sich bringt. Daher hat er lebenslang Anspruch auf finanzielle staatliche Unterstützung. In seinem Fall ist das die sogenannte "Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung".
Amt verlangt alle sechs Monate einen neuen Antrag
Halbjährlich soll Dorothee Zijp laut Stadt Herten einen Folgeantrag auf Grundsicherung bei Erwerbsminderung stellen. Denn die Leistung wird jeweils nur vorläufig bewilligt. Das versteht die 69-Jährige nicht. Denn weder der Zustand ihres Sohnes noch die finanzielle Situation der Familie können sich wesentlich ändern. Beide Eltern sind Rentner. Variabel sind lediglich die Zahlungen für das tägliche Mittagessen in der Werkstatt des Autismuszentrums Waltrop. Denn wenn Lukas Zijp mal krank ist, bekommt er für den krankheitsbedingten Ausfall keinen Zuschuss.
Der Antrag für Mai ist verspätet eingegangen, daher soll Lukas für einen Monat keine Grundsicherung bekommen.
"Das war für mich ein Schock. Ich habe selbst nur eine kleine Rente und weiß nicht, woher ich das nehmen soll."
Dorothee Zijp
Dorothee Zijp hat bei der Stadt angerufen, doch die Sachbearbeiterin winkt ab. Es sei das Verschulden der Familie Zijp, dass der Antrag verspätet eingegangen ist. Nachträglich seien diese Leistungen nicht zu bewilligen.
Stadt gibt zu: Antrag hätte gar nicht gestellt werden müssen
Nach unserer Anfrage beim Hertener Sozialdezernenten Manfred Pieper hat sich die Stadt den Fall nochmal genau angeschaut. Dabei hat sich ergeben, dass der Antrag auf Grundsicherung gar nicht neu hätte gestellt werden müssen.
"Da ist uns im Amt ein Fehler unterlaufen, den wir sehr bedauern. Die ursprüngliche ausgesprochene Ablehnung wird zurückgenommen, sodass Lukas Zijp jetzt auch für den Monat Mai das Geld bekommt."
Manfred Pieper, Sozialdezernent Stadt Herten
Jetzt wurde Lukas' Antrag auf Grundsicherung endgültig bewilligt. Künftig muss die Familie keine Folgeanträge für die Grundsicherung mehr stellen. Sie muss lediglich halbjährlich nachweisen, wie häufig der 35-Jährige am Gemeinschaftsessen in der Werkstatt in Waltrop teilgenommen hat.
Unsere Quellen:
- Reportergespräch mit Dorothee Zijp
- Manfred Pieper, Sozialdezernent der Stadt Herten
Sendung: WDR.de, Mutter soll 1.250 Euro selbst zahlen, 20.07.2026, 05:00 Uhr