everyschematic.com

Taco Bell streicht frische Zutaten: US-Ermittler prüfen Zusammenhang zwischen Fast-Food-Kette und Magen-Darm-Ausbruch

Gesundheitsbehörden in den USA gehen derzeit der Frage nach, ob Restaurants der Fast-Food-Kette Taco Bell zu einem der größten Ausbrüche einer Magen-Darm-Erkrankung in den USA beigetragen haben. Das berichtet die „Washington Post“ unter Berufung auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Personen.

Ausgelöst wird die Erkrankung von einem Parasiten, der frisches Obst und Gemüse befällt und tagelangen Durchfall verursachen kann. Hunderte Menschen sind bereits erkrankt.

In einigen Taco-Bell-Filialen im Raum Detroit hingen Medienberichten zufolge in der vergangenen Woche Aushänge, wonach das Unternehmen wegen eines landesweiten Rückrufs vorerst weder Salat noch Koriander, Zwiebeln, Pico de Gallo oder Guacamole anbieten könne. Taco Bell hat sich zu dem Schritt bislang öffentlich nicht geäußert.

Einen konkreten Erzeuger oder Lieferanten sollen die Behörden bislang nicht ermittelt haben, berichtet die „Washington Post“. Mehr als 80 Menschen seien im Zusammenhang mit dem Ausbruch ins Krankenhaus gekommen, der inzwischen mehrere Bundesstaaten erfasst hat. Fachleute im öffentlichen Gesundheitswesen halten es für möglich, dass mehrere Quellen zugleich verantwortlich sind.

Michigan verdächtigt Blattsalat

Am stärksten betroffen ist dem Bericht zufolge Michigan mit mehr als 2600 Fällen. Normalerweise meldet der US-Bundesstaat pro Jahr nur 40 bis 50 Fälle. Das dortige Gesundheitsministerium befragte nach Angaben der „Washington Post“ mehr als 1000 Patientinnen und Patienten und benannte am Montag Blattsalat als Hauptverdächtigen.

Erste Informationen deuten darauf hin, dass Blattsalat ein häufig genanntes Produkt ist.

Natasha Bagdasarian, Michigans oberste Gesundheitsbeauftragte

„Obwohl wir noch kein konkretes Produkt als Quelle des Ausbruchs identifiziert haben, möchten wir die Einwohner Michigans darüber informieren, was wir bisher erfahren haben, damit sie Maßnahmen zum Schutz ihrer Familien ergreifen können“, erklärte Michigans oberste Gesundheitsbeauftragte Natasha Bagdasarian. „Erste Informationen deuten darauf hin, dass Blattsalat ein häufig genanntes Produkt ist, das im Laufe der Ermittlungen immer wieder auftaucht.“

Eine mit den bundesweiten Ermittlungen vertraute Person nannte den Rückzug frischer Zutaten aus einigen Filialen gegenüber der „Washington Post“ eine angemessene Vorsichtsmaßnahme: „Es ist gut, dass die Kette bereits freiwillig den Verkauf einer Reihe von Produkten eingestellt hat.“

Zugleich dämpft dieselbe Person die Erwartung, damit sei die Quelle gefunden: Zwar hätten Erkrankte den Ermittlern berichtet, sie hätten bei Taco Bell gegessen. Andere Betroffene aber seien nie dort gewesen – das deutet darauf hin, dass der Ausbruch über die Kette hinausreicht.

Was der Parasit anrichtet

Cyclospora cayetanensis ist mikroskopisch klein, seine Folgen können erheblich sein. „Cyclospora befällt den Dünndarm und verursacht in der Regel wässrigen Durchfall mit häufigem und manchmal explosionsartigem Stuhlgang“, schreibt die US-Gesundheitsbehörde CDC. Übertragen wird der Erreger nicht direkt von Mensch zu Mensch, sondern über Lebensmittel oder Wasser, die mit Fäkalien verunreinigt sind.

Cyclospora befällt den Dünndarm und verursacht in der Regel wässrigen Durchfall mit häufigem und manchmal explosionsartigem Stuhlgang.

US-Gesundheitsbehörde CDC

Unbehandelt kann die Erkrankung wenige Tage bis mehr als einen Monat dauern. Tödlich verläuft sie in der Regel nicht, sie kann aber rasch zu einem gefährlichen Flüssigkeitsmangel führen. Nicht jeder Infizierte zeigt Symptome. Zum Nachweis müssen Patienten mehrere Stuhlproben abgeben.

Cyclospora gilt als einer der Erreger, deren Quelle sich am schwersten zurückverfolgen lässt. Zwischen der Aufnahme des Parasiten und den ersten Beschwerden vergeht Zeit – Erkrankte erinnern sich dann oft nicht mehr genau, was sie gegessen haben. Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Fälle höher liegt: Manche Menschen werden wieder gesund, ohne einen Arzt aufzusuchen und getestet zu werden.

Cyclospora-Ausbrüche treten in der Regel im Sommer auf. Frühere Ausbrüche in den USA gingen auf sehr unterschiedliche frische Produkte zurück, darunter Basilikum, Himbeeren, Salatmischungen, Koriander und Zuckererbsen. Dass die Zahlen in diesem Jahr landesweit so stark steigen, liegt vor allem an einzelnen Bundesstaaten mit außergewöhnlich vielen Fällen.

Andere Bundesstaaten melden Werte nahe dem saisonalen Durchschnitt: In New York etwa wurden laut dortiger Gesundheitsbehörde seit dem 1. Mai 470 Fälle festgestellt – keine deutliche Abweichung vom Üblichen. Die hohe Fallzahl hat für die Ermittler auch einen Vorteil: Je mehr Patienten befragt werden können, desto eher lassen sich gemeinsame Lebensmittel, Einkaufsgewohnheiten und Restaurantbesuche erkennen – und damit die Quelle eingrenzen. (Tsp mit dpa)