Stand: 14.07.2026, 18:08 Uhr
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Gerd Beuke ist Vorsitzender des Fischereivereins Twistringen. Vor Ort gibt es aktuell keine Probleme mit toten Fischen, wohl aber mit Kormoranen. © Ulf BuschmannDer Fischereiverein Twistringen kämpft gegen gefräßige Kormorane. Der Verein setzt jetzt auf schwimmende Röhricht-Inseln mit Schutznetzen.
Twistringen – Angel ins Wasser und warten – stundenlanges Verweilen am Ufer des Lieblingsgewässers ist das ultimative Lebensglück eines Sportfischers. Doch dieses Glück kann schnell getrübt werden, wenn eine Hitzewelle das Land überrollt. Besonders in flachen Gewässern führt der Sauerstoffmangel dann oft zu einem verheerenden Fischsterben. So erging es auch dem Steinhuder Meer bei der ersten großen Hitzewelle dieses Jahres. Laut Berichten verendeten in Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee zahlreiche Fische, vor allem große Hechte. Der Anglerverband Niedersachsen schätzt die Zahl der toten Tiere auf über 1.000.

Eine der Inseln mit Röhrichtbewuchs, die der Fischerverein ausprobieren möchte. © VereinBeim Fischereiverein Twistringen können die Mitglieder allerdings aufatmen, wie der Vorsitzende Gerd Beuke berichtet. In den vom Verein betreuten Gewässern gibt es derzeit keine Probleme. Diese umfassen die Tonkuhlen an der Alten Ziegelei, den Teich am Anglerheim, den Teich in Heiligenloh sowie die Flüsse Delme und Hunte. Letztere wird im Rahmen einer sogenannten Besatzgemeinschaft gepflegt. Zudem verhandelt der Verein derzeit über die Pacht der Natenstedter Beeke, um die Gewässerökologie weiter zu verbessern, wie Beuke erklärt.
Das ist für die Vereine kaum finanzierbar.
Das letzte große Fischsterben in der Region liegt bereits einige Jahre zurück. Im heißen Sommer 2018 berichtete die Mediengruppe Kreiszeitung über Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen, im Dümmer. Diese Bakterien entziehen dem Wasser Sauerstoff, was zum Tod vieler Fische führte. Da die Hunte durch den Dümmer fließt, war auch der Fluss betroffen. Rund vier Tonnen Fisch verendeten damals, erinnert sich Beuke. Die Twistringer waren betroffen, da sie Mitglied der „Hunte-Besatz-Gemeinschaft 2“ sind. In diesem Rahmen sind die Sportfischer vom Markonah-Graben bis Oldenburg-Tungeln aktiv. Die Vereinsstrecke der Twistringer befindet sich laut Webseite „am Stau 3 in Varenesch“.
Die Vereine kümmern sich jedoch nicht nur ums Abfischen. Eine ihrer Hauptaufgaben ist der Erhalt des ökologischen (Gewässer-)Gleichgewichts. Dazu gehört, darauf zu achten, dass die Gewässer nicht umkippen und es zu Fischsterben kommt. Vereinschef Beuke empfiehlt, einen Röhrichtgürtel um die Uferzonen anzulegen. Auch große Bäume als Schattenspender sind sinnvoll, wobei die Wahl der Baumart entscheidend ist. Beuke rät zur Erle, deren Blätter sich innerhalb eines Jahres zu 90 Prozent zersetzen, was die Algenbildung reduziert. Eichenblätter hingegen zersetzen sich nur zu 10 bis 15 Prozent, was die Gefahr von Algenwachstum erhöht.
Für den Verein kaum finanzierbar
Eine größere Herausforderung für den Fischereiverein sind die Kormorane. Allein an den Tonkuhlen in Twistringen lassen sich im Winter bis zu 20 dieser Vögel nieder und bedienen sich an den von den Fischern ausgesetzten Fischen. Beuke rechnet vor: Ein Kormoran frisst täglich rund 400 Gramm Fisch. Bei 20 Vögeln sind das in drei Monaten fast eine halbe Tonne. Der Verein trägt den Schaden, denn Fische für den Neubesatz kosten aktuell mindestens 3.000 Euro. „Das ist für die Vereine kaum finanzierbar“, sagt Beuke.
Zum Schutz des Fischbestandes beschreitet der Verein daher neue Wege: Die Firma Rietmann Gewässerökologie aus Coesfeld bietet zwei mal fünf Meter große, mit Röhricht bepflanzte Inseln an. Unter Wasser befindet sich ein Netz, durch dessen Maschen kleine Fische hindurchpassen, nicht jedoch die größeren Jäger. Auch tauchende Kormorane haben keine Chance. Weitere Vorteile der Inseln sind laut Prospekt die Wasserreinigung und die Schaffung einer Nahrungsgrundlage für die Bewohner des jeweiligen Gewässers.