Ameisen als Topping
Ein Dessert könnte den Inhaber eines südkoreanischen Sternerestaurants teuer zu stehen kommen: Weil er es mit getrockneten Ameisen garnierte, landete er vor Gericht. Ihm drohen Gefängnis und eine saftige Geldstrafe, wie örtliche Medien am Dienstag berichteten. Was als kreativer Akzent der Spitzengastronomie gemeint war, ist in Südkorea ein klarer Gesetzesverstoß.
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Die Staatsanwaltschaft forderte eine einjährige Haftstrafe für den Besitzer des mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants. Zudem wurde eine Geldstrafe von 20 Millionen Won (rund 12.000 Euro) für die Betreibergesellschaft des Restaurants beantragt. Auslöser des Strafverfahrens ist ein möglicher Verstoß gegen das südkoreanische Lebensmittelhygienegesetz.
Das Restaurant soll getrocknete Ameisen aus den USA und Thailand importiert und etwa vier Jahre lang als Topping auf seinen Desserts verarbeitet haben. Zwar erlauben die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen des Landes den Verzehr bestimmter Insekten, darunter Heuschrecken, Wanderheuschrecken und Zweifleckgrillen, Ameisen gehören jedoch nicht dazu und dürfen dementsprechend nicht als Zutat für ein Gericht verwendet werden.
41.000 Ameisen in vier Jahren
Laut Staatsanwaltschaft servierte das Restaurant von April 2021 bis Jänner 2025 mehr als 12.200-mal Sorbet mit Ameisen als Garnitur und erzielte damit einen Umsatz von rund 120 Millionen Won (rund 170.000 Euro). Die Behörden schätzten, dass dafür etwa 41.000 Ameisen verarbeitet wurden.
Das Ministerium für Lebensmittelsicherheit veröffentlichte Fotos des verwendeten Produkts
Der Inhaber des Restaurants räumte den Medienberichten zufolge vor Gericht zwar ein, Ameisen verwendet zu haben, bestritt aber die Schätzung der Staatsanwaltschaft. Die beanstandete Garnitur sei lediglich in einem kleinen Teil des insgesamt 15 Gänge umfassenden Degustationsmenüs zum Einsatz gekommen, so der Inhaber.
Verräterische Fotos in Restaurantbewertungen
Zudem sei Restaurantbesucherinnen und -besuchern ausdrücklich mitgeteilt worden, dass sie stattdessen alternative Toppings wie fermentierten Essig und essbare Blüten wählen könnten. Nach Angaben der Verteidigung entschieden sich nur etwa 60 Prozent der Gäste dafür, die Ameisen zu probieren, während die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass sie jedem Gast serviert worden seien.
Die Ermittlungen hatten begonnen, nachdem Mitarbeiter des Ministeriums für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit im Internet auf Restaurantbewertungen mit Fotos von Desserts gestoßen waren, die mit Ameisen bestreut waren. Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch Laboruntersuchungen der Gesundheitsbehörden.
Zu hohe Schwermetallwerte
Laut einem Bericht der Zeitung „The Chosun Daily“ sollen die verwendeten Ameisen Schwermetallkonzentrationen aufgewiesen haben, die bis zu 55-mal höher lagen als bei den in Südkorea zugelassenen essbaren Insekten. Ob von den servierten Mengen tatsächlich ein Gesundheitsrisiko für Gäste ausging, ist allerdings nicht bekannt.
Für die Zulassung neuer Insektenarten als Lebensmittel berücksichtigen die südkoreanischen Behörden mehrere Kriterien. Dazu gehören Risiken für die Lebensmittelsicherheit, mögliche Giftstoffe, der Nährwert sowie die hygienische Zucht und Verarbeitung. Erst nach erfolgreicher Bewertung dürfen neue Arten offiziell als Lebensmittel verkauft werden.
Bestandteil der gehobenen Gastronomie
Die Verteidigung argumentierte auch, dass Ameisen in zahlreichen Ländern Bestandteil der gehobenen Gastronomie seien. So würden Restaurants in Australien, Dänemark und Großbritannien ebenfalls verschiedene Ameisenarten verwenden. Der bloße Einsatz dieser Tiere sei daher aus kulinarischer Sicht keineswegs außergewöhnlich.
In Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sind Ameisen schon lange Bestandteil der traditionellen Ernährung. In Thailand und Kambodscha gelten insbesondere Weberameisen und ihre Eier als Delikatesse und werden in Suppen, Salaten und Currys verarbeitet. In Kolumbien genießen geröstete Blattschneiderameisen-Königinnen einen besonderen Ruf und werden mitunter als „Kaviar der Anden“ bezeichnet.
Restaurant bleibt anonym
Weder der Name des Restaurants noch jener des Küchenchefs wurde in den Gerichtsunterlagen veröffentlicht. Bekannt ist lediglich, dass es sich um eines der zehn Restaurants in Seoul handelt, die derzeit mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet sind. Das Urteil in dem Verfahren soll voraussichtlich am 2. September verkündet werden.
Der „Guide Michelin“ vergibt maximal drei Sterne für außergewöhnliche Küchenleistungen. Zwei Sterne stehen nach den Kriterien des Restaurantführers für eine „Spitzenküche, die einen Umweg wert“ ist. Ob das Verfahren Auswirkungen auf die Auszeichnung des Restaurants in Seoul haben wird, bleibt abzuwarten.