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Opernplatz als Herz der Finals: Stabhochsprung-Wettkampf wird trotz Wind zur Mega-Party

Der deutsche Stabhochsprung-Meister Marec Metzger nach getaner Arbeit

Reportage

Opernplatz als Herz der Finals Stabhochsprung-Wettkampf wird trotz Wind zur Mega-Party

Stand: 23.07.2026 • 21:15 Uhr

Der Stabhochsprung der Männer hat den Opernplatz von Hannover zum ersten Mal zum emotionalen Zentrum der Finals gemacht. Die Athleten genossen die Mega-Stimmung vor rund 4.000 Zuschauern sichtlich - leider sorgte der Wind hier und da für lange Gesichter.

Auf dem ganzen Opernplatz brach Jubel aus. Lars Urich war bei seinem ersten Versuch über die 5,30 Meter gerade auf der Matte angekommen und schaute verwundert gen Himmel. Da lag die Latte oben. Aber sie bewegte sich noch - ganz langsam. Das Publikum hielt den Atem an - und atmete dann hörbar aus, als die Latte doch fiel.

"So habe ich das wirklich selten gehabt. Normalerweise reiße ich die Latte oder komme hoch drüber", sagte der 19-jährige Urich vom LAZ Zweibrücken. "Aber ich hatte schon oben gemerkt, dass ich sie berührt habe. Es wäre sehr glücklich gewesen, wenn sie wirklich oben geblieben wäre. Aber bei dieser Windlotterie brauchte man auch Glück."

Metzger feiert Überraschungs-Coup

Bitter war es trotzdem für Urich, der zwar gleich nach dem Sprung mit Bundestrainer Andrei Tivontchik in die Analyse ging, aber danach noch zweimal riss. Die 5,30 Meter im ersten Versuch hätten in der Endabrechnung zu einer Medaille gereicht. Top-Favorit Bo Kanda Lita Baehre scheiterte gleich dreimal an seiner Einstiegshöhe von 5,40 Meter und ging ebenfalls leer aus.

Schraubte seine Einstiegshöhe extra noch nachträglich auf 5,40m hinunter und ging trotzdem mit Salto nullo raus: Bo kanda Lita Baehre

Die 5,40 Meter hatte Sieger Marec Metzger im ersten Versuch geschafft - das bedeutete Gold. Der Mann vom TSV Gräfelfing nannte nicht zuletzt die vielen Zuschauer als Grund für seinen Sieg: "Das beflügelt einen unglaublich."

Das Herz der Finals schlägt am Opernplatz

Schon am ersten Tag der Finals hat sich der Opernplatz als Herz der Veranstaltung präsentiert. Die Beachvolleyball-Arena nebenan war ohnehin ausverkauft. Aber der Opernplatz platzte aus allen Nähten. An der Hochsprunganlage gab es keinen freien Platz mehr. Und rund herum drängelten sich die Menschen überall dort, wo auch nur ein Blick auf eine der Leinwände zu erhaschen war. Sowohl auf dem Platz, aber auch an der vorbeiführenden Straße und bei den Gastronomie-Buden.

Ich habe bei der Leichtathletik selten so viele Menschen auf einem Fleck gesehen. Die Stimmung war super.

EM-Fahrer Amadeus Gräber

4.000 Zuschauer beim Stabhochsprung meldeten die Veranstalter, die dazu nach eigener Aussage Bilder aus der Luft ausgewertet hatten. Es könnten aber noch mehr gewesen sein. Zumal auch in den umliegenden Häusern die Menschen an Fenstern und auf Balkonen standen. Sogar von den obersten Reihen der Beachvolleyball-Arena aus drehten sich die Köpfe immer wieder zum Stabhochsprung um.

Bundestrainer hadert und lobt

"Das ist fantastisch für die Athleten. Solch eine Kulisse ist selten. Es gibt zwar noch zwei, drei andere Meetings in der Stadt, aber das hier war heute noch mal besser", sagte Michael Kühnke. Der leitende Bundestrainer haderte zwar mit dem oft drehenden Wind. Dieser hätte nicht zuletzt Favorit Lita Baehre "einen Strich durch die Rechnung" gemacht.

Kühnke warnte aber davor, Sieger Metzger mit seiner vergleichsweise niedrigen Höhe "Unrecht" zu tun - oder den Titel deshalb "runterzumachen". Die Bedinungen könne eben niemand ändern - "und Marec hat sich am besten darauf eingestellt". Dabei habe nicht zuletzt die Psyche eine wichtige Rolle gespielt, ist der Coach überzeugt.

Finals-Maskottchen Finn ließ den Kopf hängen.

Pechvogel Urich: "Es war großartig"

Die richtige Einstellung zeigte auch der junge Urich trotz der knapp verpassten Medaille. "Ich habe mein Bestes gegeben. Bei den Bedingungen kann man nur einfach voll draufgehen und auf Glück hoffen." Normalerweise hat er die 5,30 Meter locker im Repertoire. Seine persönliche Bestleistung liegt bei 5,45 Metern. "Ich weiß, dass ich höher springen kann. Deshalb lasse ich mich davon nicht zu doll runterziehen."

Und nicht nur wegen des denkbar knappen Fehlversuchs wird der Saarbrücker die Finals 2026 so schnell nicht vergessen. "Es hat sich gar nicht angefühlt wie eine normale deutsche Meisterschaft, sondern wie ein cooles Stadtspringen. Es war großartig."