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Sozialbericht NRW: Armut steigt, Vermögen werden ungleicher verteilt

Eine Person hält in einer Hand fünf Euro in Münzen, in der anderen ein leeres Portmonaie

Stand: 14.07.2026, 16:42 Uhr

Mehr Armut und größere Vermögensunterschiede: Der NRW-Sozialbericht zeigt wachsende Schieflagen. SPD und DGB fordern Konsequenzen.

Die soziale Kluft in NRW ist größer geworden. Nach dem neuen Sozialbericht der Landesregierung waren 2024 rund 17,8 Prozent der Bevölkerung von relativer Einkommensarmut betroffen. Etwa zwei Millionen Menschen erhielten Mindestsicherungsleistungen, jede fünfte Person (20,7 Prozent) verfügte über kein Vermögen.

Zwar stieg das verfügbare Einkommen zwischen 2020 und 2023 nominal um 16,5 Prozent. Wegen der hohen Inflation blieb die Kaufkraft im Durchschnitt aber nahezu unverändert. Gleichzeitig wuchsen Vermögenseinkommen deutlich stärker als die Einkommen aus Arbeit.

Auch Berufstätige benötigen Unterstützung

Eine positive Entwicklung sieht der Bericht beim Niedriglohn: Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit besonders geringem Verdienst sank zwischen 2015 und 2024 um 2,5 Prozentpunkte. Erwerbstätigkeit bleibt zudem ein wichtiger Schutz vor Armut: Während fast die Hälfte der Erwerbslosen als armutsgefährdet galt, waren es bei den Erwerbstätigen 8,7 Prozent.

Dennoch benötigen auch viele Berufstätige Unterstützung. Die Sozialausgaben der Kommunen stiegen seit 2018 um 38,2 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro.

Sozialminister räumt weiteren Handlungsbedarf ein

NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) wertet die Zahlen als Beleg dafür, dass der Sozialstaat trotz Pandemie, Inflation und wirtschaftlicher Belastungen funktioniere. Zugleich räumte er weiteren Handlungsbedarf ein. Die Landesregierung wolle vor allem mehr Menschen in Arbeit bringen und jungen Menschen den Weg in eine Ausbildung erleichtern.

"Eine Ausbildung ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Weg in den Arbeitsmarkt und damit der beste Schutz vor Armut." NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Sozialleistungen müssten außerdem einfacher und transparenter werden, so Laumann. Menschen in finanziellen Notlagen sollten stärker beraten und bei der Vermittlung in Arbeit unterstützt werden.

Opposition und Gewerkschaften unzufrieden

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die SPD halten das für unzureichend. Der DGB fordert etwa mehr Investitionen in Bildung, soziale Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum sowie mehr tarifgebundene Arbeitsplätze und eine stärkere Besteuerung hoher Vermögen und Erbschaften.

Die SPD verweist auf rund 239.000 Menschen, die trotz Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen seien. Lena Teschlade, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, wirft der Landesregierung vor, Verantwortung auf die ohnehin stark belasteten Kommunen abzuwälzen. "Wer den Städten und Gemeinden immer mehr Verantwortung überträgt, muss sie auch finanziell in die Lage versetzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden", so Teschlade.

Die soziale Kluft in NRW wird größer

WDR Studios NRW. 14.07.2026. 00:54 Min.. Verfügbar bis 13.07.2028. WDR Online.

Nur ein Bericht pro Legislaturperiode

Der Bericht zur sozialen Lage in NRW wird einmal pro Legislaturperiode erstellt, zuletzt 2020. Er nimmt die Themen Einkommen, Vermögen, Armut und Reichtum in den Blick. Der Bericht stellt nach Angaben der Landesregierung eine wichtige Grundlage für ihre Sozial- und Arbeitsmarktpolitik dar.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de ODER WDR 5, SENDUNGS- / BEITRAGSNAME, xx.xx.2026, xx:xx Uhr