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Boris Nadeschdin in Haft: „Ich würde in einer Zelle einfach sterben“

Boris Nadeschdin in Haft: „Ich würde in einer Zelle einfach sterben“

Der russische Politiker Boris Nadeschdin wollte bei den Dumawahlen im September antreten. Dem hat Machthaber Putin nun ein Ende gesetzt.

Ein Mann im Grünen
Zu erfolgreich für Putin: Boris Nadeschdin, Oppositioneller, sitzt nun im Gefängnis

Foto: itar-tass/imago

Eigentlich hatte der russische Politiker Boris Nadeschdin bei den Dumawahlen im kommenden September antreten wollen. Doch daraus wird wohl nichts. Am vergangenen Montag wurde der 63-Jährige in Dolgoprudny, einer Stadt im Großraum Moskau, in seiner Wohnung festgenommen.

Er wird beschuldigt, „extremistische Symbole“ gezeigt zu haben. Dabei geht es um ein Video, in dem 10 Sekunden lang eine Aufnahme des 2024 in Haft zu Tode gekommenen Kremlkritikers Alexei Nawalny zu sehen ist. Dieses Video hatte Nadeschdin im November 2023 auf seinen Telegram- und Youtube-Kanälen repostet. Im Falle einer Verurteilung würde ihm das passive Wahlrecht für ein Jahr entzogen, eine Registrierung als Kandidat wäre unmöglich.

Im Juni hatte Nadeschdin die Wahlkommission von seiner Kandidatur in Kenntnis gesetzt und die Erlaubnis erhalten, Unterschriften zu sammeln. Am 10. Juli hatte das russische Justizministerium ihn jedoch in die Liste „ausländischer Agenten“ aufgenommen, was eine Kandidatur ebenfalls ausschließt.

Seine Reaktion darauf fiel kurz und knapp aus. Er werde weiter in Russland leben und arbeiten sowie Unterschriften für seine Kandidatur sammeln. Er habe keine Pläne, das Land zu verlassen. „Es wird eine Antwort geben. Eine eindrucksvolle und ungewöhnliche. Haltet schon mal Popcorn und Benzin bereit!“, schrieb er in den sozialen Medien.

Über 30 Jahre politisch aktiv

Nadeschdin wurde in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, geboren. In Moskau schloss er ein naturwissenschaftliches und ein Jurastudium ab. Politisch aktiv ist der verheiratete Vater von vier Kindern seit über 30 Jahren. Lange hatte er sich in der Partei Union der rechten Kräfte (SPS) an der Seite anderer Liberaler, wie dem 2015 erschossenen Boris Nemzow, engagiert.

Nach der Auflösung der SPS arbeitete er mit der regierungsnahen Partei Rechte Sache (Prawoje Delo) zusammen. 2019 wurde Nadeschdin als Vertreter der kremlnahen Partei Gerechtes Russland in das Lokalparlament von Dolgoprudny gewählt. Im Sommer 2024 legte er sein Mandat vorzeitig nieder, um unabhängige Kandidaten bei Kommunalwahlen in der Funktion eines Beobachters unterstützen zu können.

Bereits im Dezember 2023 hatte er seine Absicht kundgetan, bei der Präsidentenwahl 2024 für die Partei Bürgerinitiative anzutreten. Als er damit begann, Unterschriften zu sammeln, gingen Bilder von langen Menschenschlangen um die Welt, die geduldig darauf warteten, sich in Verzeichnisse einzutragen.

Während des Wahlkampfs sprach sich Nadeschdin als einziger Kandidat direkt gegen den Krieg in der Ukraine aus, den er als „militärische Spezialoperation“ bezeichnete. Die Entscheidung, einen Militäreinsatz zu beginnen, sei ein „fataler Fehler“ gewesen. Präsident Putin führe das Land „in die Katastrophe“, sagte er.

Angeblich ungültige Unterschriften

Schließlich lehnte die Wahlkommission Nadeschdins Kandidatur ab. Angeblich seien mehr als 9.000 Unterschriften ungültig gewesen, so die Begründung. Dreimal focht Nadeschdin diese Entscheidung vor Gericht an – erfolglos.

Was seinen Verbleib in Russland angeht, so könnte Nadeschdin seine Meinung geändert haben. Der Gedanke, das Land zu verlassen, werde diskutiert. Nicht so sehr von ihm, sondern seiner Familie, sagte er am 14. Juli auf dem Youtube-Kanal „The Breakfast Show“.

Zudem befürchtete er die Verhaftung. „Ich habe ein ungutes Gefühl“, sagte Nadeschdin dem Nachrichtenportal Agentstwo. „Leider bin ich weder gesundheitlich noch altersmäßig in der Lage, überhaupt 15 Tage in einer stickigen Zelle zu überleben. Ich würde dort einfach sterben.“

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