Nächste Angriffsnacht
Im Iran-Krieg ist weiter keine Entspannung in Sicht: Die USA haben das Land in der Nacht auf Samstag erneut attackiert, es war die siebente Angriffsnacht in Folge. In der iranischen Küstenregion Jask ist nach eigenen Angaben die Wasserversorgung für Tausende Menschen inmitten großer Hitze unterbrochen. Der Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen in den Golfstaaten.
Online seit heute, 12.15 Uhr
(Update: 12.32 Uhr)
In der Nacht bombardierten US-Streitkräfte nach eigenen Angaben iranische Überwachungsanlagen, unterirdische Waffenlager und andere militärische Infrastruktur. Iranische Medien sprachen dagegen erneut von Angriffen auf zivile Infrastruktur.
Während das US-Militär keine Angaben dazu machte, wo genau es attackierte, meldete der iranische Staatssender IRIB Detonationen in der Umgebung von Sirik nahe der Straße von Hormus sowie der Küstenstadt Bandar Abbas.
Laut der Nachrichtenagentur Fars gab es zudem in der Provinz Hormusgan im Süden erneut Angriffe auf Brücken. Laut dem regierungstreuen Sender Press TV wurden dort mindestens drei Zivilisten getötet und acht verletzt.
USA dementieren Berichte über explodierte Öltanker
Bevor das US-Militär die jüngste Angriffswelle in der Früh (MESZ) für beendet erklärte, hatte der iranische Sender Press TV unter Berufung auf die mächtige Revolutionsgarde den Abschuss einer US-Drohne im Bereich der Stadt Buschehr gemeldet.
Zudem stünden zwei Öltanker im Süden der Straße von Hormus in Brand. Das US-Militärkommando Centcom schrieb auf X, Behauptungen der Revolutionsgarden, zwei Öltanker seien dort explodiert, seien falsch.
Die Golfstaaten Kuwait und Bahrain gerieten unterdessen bei iranischen Vergeltungsschlägen erneut unter Beschuss. Kuwait meldete Schäden an einer Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung. In einem Teil der Einrichtung sei ein Feuer ausgebrochen, mehrere Generatoren seien daher vorsorglich abgeschaltet worden, so das zuständige Ministerium.
Zudem gab es Berichte über Explosionen in Saudi-Arabien sowie in Jordanien, in den Ländern gibt es US-Militärstützpunkte. Laut iranischer Revolutionsgarde sollen bei Angriffen auf Stützpunkte der Luftstreitkräfte in Jordanien mindestens zwei US-Kampfflugzeuge zerstört worden sein. Unabhängig verifizieren lassen sich diese Berichte nicht.
Experte warnt vor „totalem Krieg“
Die USA wollten durch Angriffe auf Brücken sowie andere Ziele im Landesinneren den Druck im ganzen Land erhöhen und ein Ende der iranischen Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus erzwingen, berichtete das „Wall Street Journal“ („WSJ“). Der Iran reagiere darauf mit umfassenderen Gegenangriffen.
„Diese Eskalation verschärft sich rapide und gerät außer Kontrolle“, sagte Saeid Golkar, Experte für iranische Sicherheitsfragen an der University of Tennessee, der Zeitung. Es bestehe die Gefahr, „dass wir in einen totalen Krieg zurückfallen, auch wenn keine der beiden Seiten das will.“
Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Huthi-Miliz
Zudem wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen warnte das mit Washington verbündete Nachbarland Saudi-Arabien vor einer „Belagerung“. Man sei bereit, das Prinzip „Belagerung gegen Belagerung, Flughafen gegen Flughafen und Hafen gegen Hafen“ anzuwenden, zitierte die jemenitische Nachrichtenagentur Saba heute den Verteidigungsminister der Miliz, Mohammed al-Atafi.
Diese Woche wurde der Flughafen in Sanaa angegriffen
Dieser bezog sich damit offenbar auf einen Luftangriff am Beginn der Woche auf den Flughafen der Hauptstadt Sanaa, für den die Miliz Saudi-Arabien verantwortlich gemacht hatte. Wenig später hatte das Verteidigungsministerium der international anerkannten Regierung im Jemen, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, die Angriffe für sich reklamiert.
Pakistan: Gefahr überregionaler Eskalation
Die Miliz gilt als einer der wichtigsten nicht staatlichen Verbündeten des Iran. Sollte es zu einer weiteren Eskalation im Iran-Krieg zwischen Washington und Teheran kommen, könnte die Huthi-Miliz wieder mit Drohungen und Angriffen am Eingang zum Roten Meer den Schiffsverkehr durch den Sueskanal zum Erliegen bringen. Das hätte nicht nur Folgen für den internationalen Handel.
Falls es auch zu neuen Kämpfen zwischen Saudi-Arabien und den Huthis kommt und sich der Iran-Krieg damit auf das saudische Königreich ausweitet, könnte das nach Angaben pakistanischer Diplomatenkreise zu Problemen bei den Vermittlungsbemühungen Pakistans im Krieg zwischen Washington und Teheran führen.
Pakistan, das seit vergangenem Jahr mit Saudi-Arabien ein Militärbündnis unterhält, könnte in dem Fall „gezwungen sein, in den Konflikt einzusteigen“, sagte ein pakistanischer Diplomat der Nachrichtenagentur dpa.
Revolutionsgarde ruft Jordanier zu Kampf gegen USA auf
Die iranische Revolutionsgarde forderte unterdessen die Bewohner und Bewohnerinnen im mehrheitlich muslimischen Jordanien zum Kampf gegen die USA auf. „Eure religiöse und menschliche Pflicht besteht darin, sie mit allen Mitteln außer Gefecht zu setzen und das heilige Land Jordanien von den Mördern unterdrückter Muslime zu säubern“, hieß es in einer am Samstag von iranischen Medien verbreiteten Erklärung der mächtigen Militärorganisation.
Kaum noch Schiffsverkehr in Straße von Hormus
Nach den wiederaufgenommenen gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran kam der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus fast wieder zum Erliegen. Daten des Anbieters Kpler zufolge passierten am Donnerstag lediglich acht Schiffe die Meerenge.
Das stelle den niedrigsten Wert seit drei Wochen dar, hieß es in einem Post von Kpler auf der Plattform X. Am Mittwoch seien es noch 15 Durchfahrten gewesen, vor zwei Wochen lag der Zähler bei 48 Passagen. Vor Kriegsbeginn Ende Februar durchquerten im Schnitt mehr als 100 Schiffe täglich die Straße von Hormus.