23. Juli 2026, 13:28 Uhr |
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Sobald das wohlbekannte „Ping“ ertönt, ein Flugzeug also seine Reiseflughöhe erreicht hat, freuen sich viele Passagiere darauf, die Rückenlehne ihres Sitzes zurückzustellen. Doch es gibt auch die Gegenposition: Menschen, die es als unhöflich empfinden, den ohnehin knappen Platz des Hintermanns weiter einzuschränken. Dabei scheint das Recht zunächst aufseiten der Zurückgelehnten zu sein – viele Sitze verfügen schließlich über die beschriebene Funktion. Doch damit ist noch nicht alles gesagt.
Um das Ganze abzukürzen: Natürlich darf man als Passagier die Rückenlehne seines Sitzes zurückstellen. Das bestätigt auf TRAVELBOOK-Nachfrage auch eine Flugbegleiterin bei einer großen deutschen Fluggesellschaft, die hier anonym bleiben möchte. „Es geht darum, das Flugerlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten“, erklärt sie. Die Sitze seien bewusst mit der Möglichkeit ausgestattet, in diese „Entspannungsposition“ versetzt zu werden.
Die Frage ist also womöglich nicht, ob man die Rückenlehne zurückstellen darf, sondern wann und wie man es tut. Denn auch wenn die Funktion zum Sitz gehört – beim Zurücklehnen ist Rücksicht auf die Mitreisenden gefragt. Zudem gibt es Situationen, in denen die Lehne ohnehin aufrechtbleiben muss. Und außerdem solche, in denen man aus Höflichkeit darauf verzichten sollte.
Wann Sie Ihre Rückenlehne nicht zurückstellen sollten
Während Start und Landung haben die Sitze aus Sicherheitsgründen in aufrechter Position zu sein. Außerdem werden die Fluggäste während der Service-Zeiten darum gebeten, die Rückenlehne vorzustellen, wie die Flugbegleiterin erklärt. Hierbei geht es darum, dass alle Mitreisenden in Ruhe essen können. Danach ist das Zurücklehnen wieder erlaubt.
Auch wenn die Frage damit eigentlich beantwortet scheint, bleibt das Thema umstritten. Denn zahlreiche Passagiere empfinden es nicht bloß beim Essen, sondern auch etwa beim Lesen oder grundsätzlich als unhöflich, wenn sich die Sitzlehne des Vordermanns plötzlich in ihren ohnehin begrenzten Raum neigt.
Und genau das ist oft der entscheidende Punkt. Meist führt nicht unbedingt das Zurückstellen der Lehne selbst zu Ärger, sondern die Art, wie es passiert – für den Hintermann häufig völlig unerwartet. Dabei könnte man sich in dieser Situation eleganter verhalten.
Knigge sieht Zurückstellen der Rückenlehne differenziert
Aus Sicht von Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft, geht es beim Zurückstellen der Rückenlehne vor allem um Umsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Wer reist, teilt sich einen begrenzten Raum mit vielen anderen Menschen. Deshalb sollte man die eigene Bequemlichkeitsentscheidung immer auch im Hinblick auf die Mitreisenden treffen.
Besonders prägnant formuliert sie einen Grundsatz moderner Etikette: „Man muss nicht alles tun, nur weil man es kann.“ Die verstellbare Lehne sei ein Angebot der Airline – doch der Komfortgewinn für die eine Person kann für eine andere eine Einschränkung bedeuten. „Sind Flugzeug oder Zug voll besetzt, stimmen Sie sich am besten mit der hinter Ihnen sitzenden Person ab, ob es in Ordnung ist, die Rückenlehne herunterzustellen“, so ihr Rat. „Eventuell kann man sich auf einen festen Zeitraum einigen.“
Überhaupt scheint Kommunikation der Schlüssel zu sein. Wie die Knigge-Expertin betont, darf auch die Person dahinter „freundlich und sachlich darauf hinweisen, dass die Aktion problematisch ist und um Korrektur bitten“.
»So verhalten, wie man es sich von anderen wünscht
Zusammenfassend erinnert sie daran, dass Reisen immer mit gewissen Einschränkungen und Kompromissen verbunden ist. Und gerade deshalb sollte man sich so verhalten, wie man es sich selbst von anderen wünschen würde.
Wie man es also richtig macht: kurz nach hinten schauen und gegebenenfalls freundlich nachfragen, bevor man die Rückenlehne verstellt. Die Geste löst zwar nicht das grundsätzliche Platzproblem im Flugzeug, kann aber viel bewirken. Denn wer sich vom Vordermann berücksichtigt fühlt, reagiert meist weniger verärgert, wenn die Lehne anschließend tatsächlich zurückgeht.
Dass diese Gangart sich allgemein etabliert zu haben scheint, zeigen auch zahlreiche Kommentare auf „Reddit“. Viele Nutzer berichten, dass sie vor dem Zurücklehnen prüfen, ob der Passagier dahinter etwas auf dem Tisch liegen hat – etwa ein Getränk, ein Buch oder einen Laptop – oder ihn kurz informieren.
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Unsere Insiderin nennt einen immer wiederkehrenden Fall, in dem sie und ihre Kollegen doch vermitteln müssen: wenn Passagiere verärgert sind, da der Vordermann die Rückenlehne zurückgestellt hat, sie selbst dies jedoch nicht können. „Auf der Kurzstrecke gibt es auch Sitze, bei denen die Rückenlehne nicht verstellt werden kann“, klärt sie auf. „Dann versuchen wir immer, freundlich zu erklären, dass wir den Frust verstehen. Bei kurzen Flügen hoffen wir aber auch auf das Verständnis der Passagiere.“
Der Streitpunkt sind übrigens nur wenige Zentimeter
Übrigens fällt die Neigung der Rückenlehnen in der Economy Class meist geringer aus, als viele Passagiere vermuten. Je nach Flugzeug und Sitzmodell lassen sich die Lehnen in der Regel nur um etwa fünf bis zehn Grad zurückstellen, in der Premium Economy Class etwas weiter. (Business-Class-Sitze bilden hier eine Ausnahme: Sie erlauben häufig deutlich größere Neigungswinkel, bieten ihren Passagieren aber auch mehr Abstand zum Vordermann und Platz.)
In der Praxis bewegt sich die Oberkante einer Economy-Lehne also oft nur wenige Zentimeter nach hinten. Spürbar wird diese kleine Veränderung trotzdem, denn bei dem ohnehin knappen Sitzabstand zwischen den Fluggästen kann selbst ein geringer Platzverlust einen Unterschied machen.