Sommerferien in der Stadt: Zeit, nicht nur Berlin neu kennenzulernen. Es gibt kaum eine Metropole, die von so vielen Wäldern und Seen, von so viel Einsamkeit und Landschaft umgeben ist. Wer Berlins Umgebung entdecken möchte, braucht dafür nicht unbedingt ein Auto. Wir haben die schönsten Tipps mit dem Deutschlandticket zusammengestellt. Zwei Ratschläge gelten für alle Empfehlungen: möglichst unter der Woche fahren. Und stets vorher die Route bei vbb.de prüfen.
Idylle im Wald: So sieht ein perfekter Ausflug aus. Auf dem südlichen Abschnitt der Regionalexpresslinie RE8 geht es entspannter zu als in den überfüllten Zügen an die Ostsee. Vom Bahnhof Klasdorf-Glashütte führt ein auto- und fahrradfreier Spazierweg durch Wälder und Felder. Nicht zu lang, genau ausreichend für das Gefühl, sich bewegt zu haben. Dann ist man schon in Glashütte, dem Glasmacherdorf bei Baruth.
Der abgeschiedene Ort mitten im Wald besteht nur aus wenigen Gebäuden. Doch in Glashütte gibt es genug zu tun für mehr als einen halben Tag. Ein Museum informiert über die Geschichte des Dorfes, in dem lange Zeit Glas hergestellt wurde. Nebenan geht es in einer zweiten Ausstellung um den in Glashütte geborenen Reinhold Burger, der in Berlin die Thermoskanne erfand. Wer shoppen will, schaut im Glasstudio, im Leinenkontor oder im alten Dorfkonsum vorbei.
Glashütte: Vor der Rückfahrt Wein aus Brandenburg
Im Weinsalon gibt es Wein (nicht nur) aus Brandenburg. Im Gasthof Reuner erwartet eine Dorfgastronomie, die für Brandenburger Verhältnisse ungewöhnlich professionell anmutet, die Ausflügler. Wer über Nacht bleiben will, findet Gästezimmer und Ferienwohnungen. Wer mindestens zwei Nächte einplant, kann auch im Bahnhof Klasdorf übernachten. Manchmal finden dort Kulturveranstaltungen statt. Dann lässt sich dort vor der Rückfahrt ein Glas Wein aus Baruth genießen.
Fahrtipp: Der Regionalexpress RE8 nach Elsterwerda hält täglich alle zwei Stunden in Klasdorf-Glashütte. Von dort verläuft ein Spazierweg auf einer alten Bahntrasse drei Kilometer nach Glashütte (Markierung: grüner Punkt). Wer nicht laufen möchte, bestellt mindestens 60 Minuten vor Fahrtantritt einen Rufbus unter Tel. (03371) 62 81 81.
Mehr als 300 Jahre Manufakturtradition: Im Glasmacherdorf Glashütte bei Baruth (Mark) kann man Industriegeschichte erleben.
© Peter Neumann/Berliner Zeitung
Weite genießen: Nach zehneinhalb Monaten Bauarbeiten fahren endlich wieder Züge auf der Hamburger Bahn. Damit rückt eine der schönsten Fahrradstrecken der Region wieder in erreichbare Nähe. Zwischen Wittenberge und Werben führt der Elbradweg durch eine fast menschenleere Gegend. Während er auf vielen anderen Abschnitten fast schon überlastet wirkt, ist auf diesem Teilstück kaum etwas los.
Wer in Wittenberge den sanierten schmalen Bohlenradweg auf der imposanten Bahnbrücke hinter sich gelassen hat, taucht ein in eine weite, abwechslungsreiche Flusslandschaft. In der unfassbar kleinen Hansestadt Werben, über der sich die Kirche St. Johannis erhebt, gibt es ein Freibad und mit dem Deutschen Haus auch die einzige Gastronomie auf diesem Abschnitt. Eine Erkundung der schläfrigen Altstadt lohnt. Ein Stück weiter in Havelberg, bekannt durch den Dom, ist schon etwas mehr los. Aber auch dort glaubt man kaum, dass man sich auf halbem Weg zwischen den beiden größten Städten Deutschlands befindet.
Fahrtipp: Mit dem Regionalexpress RE8 täglich alle 60 Minuten von Wittenberge. Die Elbe wird bei Räbel auf einer motorlosen Gierseilfähre gequert. Von Havelberg gesehen befindet sich die nächste Bahnstation zehn Kilometer entfernt in Glöwen. Weil der RE8 dort oft schon voll ist, sollte man die Fahrradtour zumindest sonntags dort beginnen.
Der Annenaltar in der Pfarrkirche St. Johannis in der Hansestadt Werben (Elbe).
© Peter Neumann/Berliner Zeitung
Zeitreise mit der Kleinbahn: Rund um Berlin gibt es Orte, an denen die Millionenstadt Berlin so weit weg wirkt wie der Mond. Buckow in der Märkischen Schweiz gehört dazu. Wer den verträumten Kneipp-Kurort besucht, fühlt sich wie in einer anderen Zeit. Als Influencer mit Stock und Hut unterwegs waren und zum Beispiel Theodor Fontane hießen. Als man nicht nach Koh Samui oder Las Vegas, sondern ins Umland in die Sommerfrische reiste. Buckow bietet die perfekte Zeitreise.
Dabei hat das Städtchen östlich von Berlin auch Anziehungspunkte, die heutigen Menschen gefallen. Das Brecht-Weigel-Haus zum Beispiel. Das Strandbad am Schermützelsee, dem eine gute Wasserqualität attestiert wird. Es gibt sogar ein Kino. Und außer Hotels auch akzeptable Gastronomie, etwa das Moses, eine Café-Bar-Vinothek am Markt. Um den liebenswert altbackenen Eindruck abzurunden, fährt an Wochenenden und Feiertagen eine elektrische Kleinbahn nach Buckow. Eine charmante Möglichkeit, die wald- und seenreiche Umgebung the old fashioned way zu erkunden.
Fahrtipp: Mit der Regionalbahnlinie RB26 täglich alle 60 Minuten nach Müncheberg (Mark). Von dort aus mit dem Bus 928 nach Buckow. An Wochenenden und Feiertagen stellt auch die ehrenamtlich betriebene Buckower Kleinbahn Verbindungen her. Hin- und Rückfahrt 7, ermäßigt 3,50 Euro. Das Deutschlandticket gilt in der Kleinbahn nicht.
Die Buckower Kleinbahn pausiert im Bahnhof Buckow (Märkische Schweiz). Die fünf Kilometer lange Strecke ist eine der wenigen elektrisch betriebenen Museumsbahnen.
© Peter Neumann/Berliner Zeitung
Paddeln im Urwald: Zugegeben, bei diesem Tipp habe ich gezögert. Weil die Anreise mit der Bahn an Wochenenden anstrengend sein kann, war ich mir nicht sicher. Zwischen Berlin und Rostock sind die Regionalzüge an Wochenenden oft überfüllt. Trotzdem nehme ich die Destination in die Liste auf. Weil die Route, um die es geht, einzigartig schön ist. Und weil zumindest während der Sommerferien manch einer Zeit hat, auch an einem Wochentag in den Müritz-Nationalpark zu reisen.
Schienenverkehr
Von Berlin über Kyritz an die Ostsee: Dieser Bahntraum bewegt die Prignitz
In Kratzeburg, eine Station jenseits von Neustrelitz, steigt man aus und ist gleich in einer Ferien- und Freizeitwelt. Nach einem Softeis in der Kleinen Molkerei oder einem Fischbrötchen bei der Havelquellseen-Fischerei Berkholz (beide an der Dorfstraße) folgt ein Spaziergang entlang der Landstraße ins benachbarte Dalmsdorf zum Kanu-Hecht. Das für diese Region sehr freundliche Team vermietet Kanus und Kajaks für Entdeckungstouren. Wer den manchmal unruhigen Käbelicksee geschafft hat, taucht ein in die wundersame Urwaldwelt entlang der Havel. Am Abend weiß man, was man geschafft hat. Und ist glücklich.
Fahrtipp: Mit dem Regionalexpress RE5 täglich im Stundentakt nach Kratzeburg, entweder durchgehend oder mit Umsteigen in Neustrelitz (riskant). Freitagnachmittag und am Wochenende sind die Züge voll. In Berlin nicht erst am Bahnhof Gesundbrunnen, sondern schon am Südkreuz einsteigen. Zurück sonn- und feiertags ist es meist sehr voll.
Pause beim Paddeln auf der Havel. Seen für eine Erfrischung gibt es genug.
© Peter Neumann/Berliner Zeitung
Baden im Großen Stechlinsee: Die einst legendäre Wasserqualität hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Trotzdem ist der mehr als 400 Hektar große, 70 Meter tiefe See im Norden des Landes Brandenburg weiterhin einen Ausflug wert. Der Große Stechlinsee ist nicht nur perfekt zum Baden. Die großen Wälder im Umkreis bilden eines der schönsten Wanderreviere, und es gibt auch einige gute Fahrradtrassen. Genug für einen Tag oder einen Kurzurlaub in der Natur.
Bahnverkehr
Italo will Deutschland erobern: Droht Pendlern in Berlin und Brandenburg bald das Chaos?
Neuglobsow, das einstige Glasmacherdorf, ist der beste Einstieg. Am Ostufer des Sees erstreckt sich eine Wiese mit vielen schattenspendenden Bäumen und einem Imbiss. Zehn Minuten Spaziergang entfernt warten bei der Fischerei Stechlinsee Räucherfisch, Backfisch und eingelegter Fisch. Im Ort gibt es im Café Glasklar Kaffee und Kuchen. Doch auch der Nachbarort Menz lohnt einen Ausflug. Dort ist es vor allem der Roofensee, der bei Hitze Abkühlung bietet. Wer ein Fahrrad mitbringt, bekommt in einer Scheune in Zernikow im Bric á Brac gute Crêpes und Cidre. Eine perfekte kleine Ferienlandschaft. Niedrigschwellig und ohne Chichi. Sommerfrische pur.
Fahrtipp: Mit dem Regionalexpress RE5 nach Gransee oder Fürstenberg (Havel). Die Buslinien 836 und 839 sorgen für Anschlüsse nach Neuglobsow und Menz. Rufbusse der Linie R844 ergänzen das Angebot (Tel. 03306/2307, mindestens 90 Minuten vor der Fahrt bestellen). Tipp: Unter der Woche fahren, am Wochenende ist der RE5 oft voll.
Idyllisch und bis zu 70 Meter tief: der Große Stechlinsee im Norden von Brandenburg.
© Cornelia Pithart/imago
Lesen Sie mehr zum Thema