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Rasenmäher-Politik erklärt: Wie Sprachforscher die Tricks der Politiker durchschauen

Stand: 18.07.2026, 07:32 Uhr

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Wasser sprudelt in eine Gießkanne. Die grüne Kanne wird von einer Hand unter einen Auslass gehalten, aus dem Wasser läuft.

Wasser sprudelt in eine Gießkanne. © epd-bild/Paul-Philipp Braun

Ob Rasenmäher-Politik, Kahlschlag oder Gießkannen-Prinzip: Der Mannheimer Sprachforscher Henning Lobin erklärt, warum bei Politikern Sprachbilder aus der Natur so beliebt sind.

Mannheim – Nach Ansicht des Sprachforschers Henning Lobin sind Gartenmetaphern politisch so attraktiv, weil sie komplizierte politische Themen in eine Erfahrungswelt übersetzen, die den meisten Menschen vertraut ist. Solche Sprachbilder bedienten zwei unterschiedliche politische Ideale, sagte der Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim dem Evangelischen Pressedienst (epd): Sie suggerierten Natürlichkeit und Steuerbarkeit.

Ähnlich wie in einem Garten wolle Politik etwas wachsen lassen, aber in einem vorgegebenen Rahmen. „Eine interessante Metapher ist das Gießkannen-Prinzip, weil sie so ambivalent ist“, erläutert Lobin. Man versorge mit einer Gießkanne Pflanzen mit Wasser, aber nicht differenziert. Insofern sei die Gießkanne vielleicht das „etwas freundlichere Gegenstück“ zum Rasenmäher. Lobin: „Das eine verteilt pauschal, das andere kürzt pauschal.“

Es geht auch um Emotionalisierung

Metaphern hätten mehrere Funktionen und seien selten neutral. Sie dienten der Vereinfachung und gleichzeitig der Wertung. Zudem gehe es auch um Zuständigkeiten und eine gewisse Emotionalisierung, so der Sprachforscher. Dabei bleibe oft eine gewisse Vagheit im Spiel, um einen Sachverhalt in den Vordergrund zu stellen, aber nicht zugleich auch über Verantwortlichkeiten zu sprechen.

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Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit dem Evangelischen Pressesdienst (epd).

Begriffe wie Rasenmäher, Kahlschlag oder Wildwuchs würden bei den Reformdiskussionen im Bundestag meist von der Opposition als Kritik an der Bundesregierung benutzt. Es gebe aber auch positive Sprachbilder. „Man darf aber nicht vergessen, dass auch der Begriff Wachstum aus dem Bildfeld Garten stammt“, sagt Lobin.

So werde etwa von zarten Pflänzchen gesprochen, die erst mal Wurzeln schlagen müssten und dafür einen guten Nährboden bräuchten. „Wir haben uns schon so sehr an solche Begriffe gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr auffällt, in welchem Maße so ein agrikulturelles Vokabular eingesetzt wird.“

Metaphern aus Sport, Verkehr und Militär

Auch aus anderen Lebensbereichen wie Sport, Verkehr und Militär würden Metaphern verwendet. Als Beispiele nannte der Wissenschaftler Begriffe wie Wahlkampf, politische Fronten oder „Haushalts-Schlacht“. Beliebt seien zudem Sprachbilder aus dem Sport, wie etwa „ins Ziel kommen“ oder „die Latte höher legen“.

Auch Fußballmetaphern wie Rote Karte, „einen Kantersieg erringen“ oder „sich ins Abseits stellen“ würden verwendet. Aus dem Verkehrssektor stammten Begriffe wie Weichen stellen, Bremsklötze, Fahrplan oder Turbo einlegen.