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Ein Forscher des Center for Retirement Research hat untersucht, wie sich der Arbeitsmarkt für ältere Mitarbeiter:innen seit der Einführung von ChatGPT verändert hat – und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.
Von Noëlle Bölling
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Auch erfahrene Fachkräfte sind vom Wandel durch KI betroffen. (Foto: Ground Picture / Shutterstock)
Beim KI-bedingten Wandel des Arbeitsmarkts stand bislang vor allem die Gen Z im Fokus. Diverse Studien deuten darauf hin, dass die neue Technologie insbesondere Einstiegsjobs verdrängt. Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit sind in Deutschland aktuell so viele unter 30-jährige Hochschulabsolvent:innen arbeitslos gemeldet wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine aktuelle Analyse des Center for Retirement Research am Boston College kommt allerdings zu dem Schluss, dass auch eine andere Altersgruppe zunehmend betroffen sein könnte – und das sind Mitarbeiter:innen kurz vor dem Ruhestand.
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Bürojobs besonders gefährdet
Geoffrey Sanzenbacher, Wirtschaftsprofessor am Boston College und Forscher im Bereich Rente, Altersvorsorge und Arbeitsmarkt, hat US-Beschäftigungsdaten ausgewertet. Er verglich Arbeitsmarktdaten aus den USA mit einem KI-Expositionsindex. Dabei handelt es sich um einen Datensatz, der erfasst, inwieweit bestimmte Berufe von Aufgaben abhängen, die KI übernehmen kann. Konkret untersuchte er, wie viele Arbeitnehmer:innen ab 55 Jahren vor und nach der Veröffentlichung von ChatGPT im Jahr 2022 aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind.
Sanzenbacher räumt zwar ein, dass die Auswirkungen von KI auf Arbeitnehmer:innen, nicht abschließend beantwortet werden könne, seine Ergebnisse würden aber auf eine deutliche Verschiebung hindeuten: Vor der Veröffentlichung von ChatGPT arbeiteten ältere Beschäftigte in stark KI-exponierten Berufen tendenziell länger als jene in manuellen Tätigkeiten. Dazu zählen insbesondere hochqualifizierte Wissensberufe wie Programmierung und Steuerberatung. „Die von KI betroffenen Berufsgruppen hatten früher einen relativen Vorteil hinsichtlich der Dauer der Berufstätigkeit”, erklärt Sanzenbacher. Nach dem Start von ChatGPT sei dieser Vorteil stark geschrumpft.
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Viele wollen länger arbeiten
Laut Sanzenbacher sei der Anteil der Arbeitnehmer:innen ab 55 Jahren, die ihren Angestelltenjob aufgeben, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Viele davon würden durch die aktuelle Entwicklung verdrängt und nicht freiwillig in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Auch sei zu beobachten, dass zahlreiche dieser erfahrenen Fachkräfte sich weiterhin aktiv bewerben und nach einer neuen Stelle suchen. Auch hier seien Bürojobs, die lange als sicher und gut bezahlt galten, besonders betroffen. Die Zahl der Arbeitnehmer:innen, die manuelle Tätigkeiten aufgaben, stieg zwischen den Jahren 2014 und 2025 nur um etwa zwei Prozent. Bei Wirtschaftsprüfer:innen waren es dagegen 22 Prozent und bei Computerprogrammierer:innen sogar 25 Prozent.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele ältere US-Amerikaner:innen weiterhin auf Erwerbsarbeit angewiesen sind. Immer mehr Rentner:innen kehren aus dem Ruhestand ins Arbeitsleben zurück – meist aus finanziellen Gründen. Laut einer Umfrage von Resume Builder unter mehr als 3.500 Senior:innen gaben 54 Prozent an, aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten wieder arbeiten zu wollen oder weiterarbeiten zu müssen. Sanzenbacher zufolge könne schon ein größeres gesundheitliches Problem dazu führen, dass Senior:innen erneut erwerbstätig werden müssten – besonders jene, die aufgrund eines geringeren Einkommens während ihrer Karriere weniger Rücklagen bilden konnten. Die aktuelle Entwicklung könnte ältere Mitarbeiter:innen somit gleich doppelt unter Druck setzen.
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