Gericht
Neonazi terrorisiert Wohnblock: Jetzt gibt es Konsequenzen
Tim Schulze (Name geändert) ist in der Neonaziszene bekannt.
Hamburger Morgenpost Verlag GmbH
In der Neustadt terrorisiert ein Neonazi seine Nachbarn. Jetzt werden neue Details über den Fall bekannt – und der Mann muss seine Wohnung räumen.
Schreie, zerschmetterte Möbel und eine Angst, die einen ganzen Wohnblock im Griff hält. In der Katharinenstraße leben die Anwohner:innen mit der ständigen Sorge um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder. Ihr Nachbar, ein Mann, der der Neonaziszene zuzuordnen ist, lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Jetzt wurde bekannt: Bald könnte Schluss mit dem Terror sein.
Die Sommermonate müssen die Anwohner:innen noch aushalten. Am 30. September muss Tim Schulze – aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen und zum Schutz der Anwohner:innen haben wir den Namen geändert – die Wohnung in der Katharinenstraße räumen. Der MOPO ist der echte Name des Mannes bekannt.
Mietstreit vor Gericht: Psychische Probleme als Auslöser?
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Am 10. Juli hat das Amtsgericht das Urteil in dem mietrechtlichen Verfahren gesprochen. Im September 2025 hatte der Vermieter dem Mann nach mehreren Abmahnungen das Mietverhältnis fristlos gekündigt, es folgten weitere Kündigungen. Gegen ein Urteil aus dem Februar legte der Schulzes Anwalt Einspruch ein. Auch gegen das aktuelle Urteil kann noch Berufung beim Landgericht eingelegt werden.
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Vor Gericht hatte Schulze die Ruhestörungen, die die Anwohner:innen in seitenlangen Lärmprotokollen festhielten, nicht bestritten. Als Erklärung gab er psychische Probleme an: Er leide unter einer bipolaren Störung mit manischen und depressiven Episoden und einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung mit Impulsdurchbrüchen. Zudem konsumiere er unregelmäßig Drogen.
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Vor diesem Hintergrund argumentierte er, dass man ihm ein schuldhaftes Verhalten nicht anlasten könne und er weiter in seiner Wohnung wohnen bleiben dürfe. Ohne diese Wohnung drohe ihm die Obdachlosigkeit. So ist es dem Urteil zu entnehmen, das der MOPO in anonymisierter Form vorliegt.
Neonazi terrorisiert Wohnblock – mehrfach fristlos gekündigt
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Ende Juni berichtete die MOPO über den Fall rund um Tim Schulze. In dem Wohnblock trafen wir mehrere Anwohnerinnen und hörten ihre Geschichten. Sie berichteten von einem Klima der Angst. Schulze werfe Gegenstände vom Balkon in den Garten und auf den Gehweg, er schreie frauenfeindliche, rassistische und homophobe Dinge, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.
In Videos, die der MOPO vorliegen, quälte er zudem seinen Hund, der ihm mittlerweile weggenommen wurde. Mehrfach sei die Polizei seinetwegen angerückt. Einmal habe Schulze bei einem Einsatz gedroht, das ganze Haus totzuschlagen. Wenn er nach draußen gehe, rufe er: „Der Führer verlässt jetzt das Haus.“ Auch soll er „Heil Hitler“ geschrien haben.
Tim Schulze kommt aus der Neonazi-Szene. 1997 führte ihn das Bundesamt für Verfassungsschutz auf einer Liste als Rechtsextremisten. Im selben Jahr begann sein Mietverhältnis in der Katharinenstraße. Vor einigen Jahren vermuteten die Behörden ihn hinter einer verbotenen Veranstaltung und er wurde verurteilt, weil er den Hitlergruß zeigte.
Gericht: Krankheit kein Freibrief dafür, seine Nachbarn aus dem Schlaf zu reißen
Das Gericht begründet sein Urteil damit, dass die Erkrankungen von Schulze kein Freibrief dazu seien, seine Nachbarn regelmäßig aus dem Schlaf zu reißen. Den Nachbarn sei es nicht zuzumuten, wiederholt Drohungen durch ihn zu erdulden.
Die Räumungsfrist bis Ende September erklärt das Gericht damit, dass man dem Beschuldigten einen möglichen Übergang in eine betreute Einrichtung ermöglichen wolle.
Das Urteil scheint allerdings nichts an dem Verhalten von Schulze zu ändern. Eine Anwohnerin erzählt, dass die Ruhestörungen nicht aufgehört haben. „Ihr werdet alle noch sehen!“, habe er in einem seiner Anfälle wieder geschrien.