Stand: 17.07.2026 • 18:03 Uhr
Rund einen Monat vor Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham ereilt den deutschen Top-Sprinter Owen Ansah eine Schocknachricht: Die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) ermittelt gegen den deutschen Rekordhalter über 100 Meter. Er kann das nicht nachvollziehen.
Die NADA hat so wörtlich "ein sportrechtliches Ergebnismanagementverfahren gegen den Sprinter und internationalen Athleten Owen Ansah wegen eines möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen" eingeleitet. Der Vorwurf: Verweigerung einer Dopingkontrolle. Eine Suspendierung sprach die Agentur aber zunächst nicht aus.
Owen Ansah: In Eile wegen Abflug nach Monaco
Der HSV-Athlet schildert den Vorgang so: "Ich bin vergangene Woche als Nachrücker ganz kurzfristig ins Starterfeld bei der Diamond League in Monaco gerutscht. Am Donnerstag gegen 14.30 Uhr wollte ich gerade Richtung Flughafen aufbrechen, als ein Kontrolleur außerhalb meines Zeitfensters klingelte und um die Abgabe einer Dopingprobe bat."
Das habe ihn in eine schwierige Situation gebracht. Ansah: "Ich war schon sehr spät dran und konnte so kurzfristig die Probe nicht abgeben, zumal ich kurz zuvor die Toilette besucht hatte. Dies habe ich mit dem Kontrolleur besprochen. Es wurde nicht angeboten, dass der Kontrolleur mit zum Flughafen fährt, damit ich dort die Probe abgeben kann. Zudem wurden keinerlei Konsequenzen aufgezeigt. Der Kontrolleur wünschte mir noch viel Glück in Monaco."
Ansah von der WADA in Monaco kontrolliert
Der Hamburger wurde wenig später mehrfach kontrolliert, wie er betont: "Dort (in Monaco, d.Red.) wurde ich am Wettkampftag von der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur, d.Red.) kontrolliert, ebenso am folgenden Montag von der NADA in dem von mir angegebenen Zeitfenster zwischen 6 und 7 Uhr. Ich werde alles dafür tun, um den Sachverhalt aufzuklären."
DLV steht in engem Austausch mit dem Sprinter
Die NADA beruft sich bei ihrer Vorgehensweise "auf den Welt Anti-Doping Code, den Nationalen Anti-Doping Code sowie die Anti-Doping-Bestimmungen des Deutschen Leichtathletik Verbandes" (DLV).
DLV-Vorstand Leistungssport Jörg Bügner verweist hingegen darauf, dass der Verband "Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen sowie Ergebnismanagement und Disziplinarverfahren an die NADA abgegeben" hat und ihre Arbeit vollumfänglich unterstützt. "Gleichzeitig sind wir für unsere Athleten da und stehen mit Owen im engen Austausch", so Bügner.
Keine Suspendierung
Nach Angaben der NADA ist der 25 Jahre alte Leichtathlet vom Hamburger SV derzeit nicht vorläufig suspendiert. Der Grund: "Für den dem Athleten vorgeworfenen Verstoß sieht das Anti-Doping-Regelwerk keine zwingend zu verhängende vorläufige Suspendierung vor." Weitere Einzelheiten nannte die NADA nicht.
Erster Deutscher unter zehn Sekunden
Ansah war vor zwei Jahren in Braunschweig in 9,99 Sekunden als erster deutscher Sprinter unter der Marke von zehn Sekunden geblieben. Am 6. Juni steigerte der in Mannheim bei Ex-Weltklasse-Weitspringer Sebastian Bayer trainierende Athlet die Bestmarke auf 9,98 Sekunden.
Bei der EM ab dem 10. August im englischen Birmingham hat Ansah nicht nur im Einzelrennen Medaillenchancen, sondern auch mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel.