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Manuelle Kontrollen von KI-Output kosten Finanzteams jede Woche wertvolle Zeit

Die Versprechen der Künstlichen Intelligenz für den Finanzsektor klingen verlockend. Automatisierte Buchhaltung, sekundenschnelle Berichte und präzise Marktprognosen sollen Finanzteams von Routineaufgaben entlasten. Doch die Realität sieht oft anders aus: Statt einer vollautomatisierten Finanzabteilung entsteht in vielen Unternehmen eine neue Kontrollinstanz. Eine Studie des Analystenhauses IDC im Auftrag des Softwareherstellers Sage zeigt, dass der Aufwand für die Überprüfung von KI-Ergebnissen die erhofften Effizienzgewinne deutlich schmälert.

Für die Untersuchung befragten die Macher im Februar 2026 weltweit 2275 hochrangige Finanzentscheider aus kleineren und mittleren Unternehmen zu ihrem KI-Einsatz. Die Stichprobe umfasst 17 Branchen in Nordamerika sowie Europa und dem Nahen Osten, darunter Deutschland. Die Marktbeobachter sprechen anhand der Resultate von einer neuen Verifizierungssteuer. Damit beziffern sie die Arbeitszeit, die Finanzverantwortliche aufwenden müssen, um KI-generierte Daten manuell auf Plausibilität und Richtigkeit zu prüfen.

Für Deutschland fällt das Bild besonders ungünstig aus: Fast jeder dritte Finanzentscheider verbringt wöchentlich zwischen 15 und 29 Stunden mit der Validierung von KI-Ausgaben. Weitere 18 Prozent benötigen dafür sogar mehr als 30 Stunden pro Woche. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit entfällt damit auf Aufgaben, die KI eigentlich reduzieren sollte.

Das Dilemma der Intransparenz

Im Durchschnitt müssen hierzulande 28 Prozent der durch KI eingesparten Zeit wieder investiert werden, um Entscheidungen der Systeme nachzuvollziehen und für interne oder externe Beteiligte verständlich zu machen. Das Problem sind meist nicht offensichtliche Fehler, sondern fehlende Transparenz. Finanzabteilungen können Berichte oder Prognosen nicht freigeben, ohne Annahmen, Datenquellen und Berechnungen nachvollziehen zu können.

Dieses Misstrauen beeinflusst inzwischen auch die Softwareauswahl. Laut der Studie würden 68 Prozent der deutschen Finanzführungskräfte ein KI-Tool ablehnen, das seine Ergebnisse nicht nachvollziehbar begründet – selbst bei einer versprochenen Trefferquote von 99 Prozent. Weltweit liegt dieser Anteil mit 71 Prozent noch höher. Für viele Verantwortliche ist mangelnde Erklärbarkeit mit ihrer Verantwortung gegenüber Geschäftsführung oder Aufsichtsrat unvereinbar.

Neue Rollenbilder für Finanzchefs

Der Markt reagiert darauf mit transparenten „Glass-Box-Ansätzen“, die Entscheidungswege und genutzte Quellen offenlegen. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen wäre bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen. Im Durchschnitt liegt diese Transparenzprämie bei elf Prozent über den Standard-Lizenzkosten, bei besonders zahlungsbereiten Firmen bei rund 20 Prozent. Besonders hoch ist die Zahlungsbereitschaft in stark regulierten Branchen wie Gesundheitswesen, Bau und Finanzwirtschaft.

Gleichzeitig verändert sich das Anforderungsprofil an Finanzführungskräfte. Bei Neueinstellungen stehen Risikobewertung, verantwortungsvolle Steuerung und Entscheidungsfähigkeit heute vor klassischem Rechnungswesen. Der Chief Financial Officer (CFO) entwickelt sich zunehmend zum Verantwortlichen für die unternehmensweite KI-Regulierung. Knapp 70 Prozent der Befragten erwarten, dass bis 2030 die Fähigkeit, KI-Entscheidungen zu erklären, für CFOs ebenso wichtig sein wird wie das Lesen einer Bilanz.

Anderer Fokus für Softwarehersteller

Der Traum von der vollautonomen Finanzabteilung bleibt vorerst unrealistisch. Nur vier Prozent der Unternehmen arbeiten nach eigener Einschätzung bereits weitgehend autonom. 62 Prozent setzen weiter auf manuelle oder regelbasierte Prozesse. Der Trend geht zu Hybridmodellen, in denen KI Analysen, Datenabgleiche und Berichtsentwürfe beschleunigt, die endgültige Entscheidung aber beim Menschen bleibt.

Für die IT-Branche ist das ein Signal, meint IDC: Der Wettbewerb um die beste Finanz-KI werde künftig weniger über die Leistungsfähigkeit der Modelle entschieden als über ihre Transparenz. Anbieter, die den Prüfaufwand reduzieren und Vertrauen mit möglichst geringem Zeitaufwand schaffen, verschafften sich einen Wettbewerbsvorteil. Erklärbarkeit entwickele sich so vom ethischen Anspruch zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Laut einer anderen Studie geben fast 80 Prozent der hiesigen Firmen an, KI primär zur Effizienzsteigerung zu verwenden.

(nen)