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Nachts, wenn in Berlin das Unbekannte durchs Schlafzimmer geistert

Es soll wieder richtig heiß werden, nicht gleich knapp 40 Grad, also kein Berliner Weltrekord wie vor drei Wochen, aber doch 30 Grad. Ab 25 Grad sprechen Fachleute von einem Sommertag, egal, welche Jahreszeit gerade ist. Ab 30 Grad wird die Sache „Hitzetag“ genannt, und so etwas kann es in Berlin auch im Frühling geben, so wie am 5. Mai 2003.

Jedenfalls ging es zuletzt mächtig hoch und runter zwischen 20 und 39 Grad. Vielleicht war das wechselhafte Wetter auch der Grund für jenes denkwürdige nächtliche Erlebnis, das ich überhaupt nicht einordnen kann, weil es so absurd ist.

Die große Streitfrage dieser Tage: Wann darf von schönem Wetter gesprochen werden?

Kolumne

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Ich lag im Bett und schlief tief und fest. Glücklicherweise träumte ich nichts Böses, sonst wäre es ein realer Albtraum geworden. Denn die Stehlampe neben dem Bett fiel um und mir fast auf den Kopf.

Ich schreckte auf, wollte sie wieder hinstellen, aber sie stand nicht. Ich wollte kein Licht machen, sonst wäre ich richtig wach geworden. Aber Schlaf ist viel zu kostbar, um ihn nicht zu genießen. Also legte ich die Lampe neben dem Bett auf den Boden und schlief weiter. Ohne böse Träume von Lampen, die auf mich niederstürzen.

Der Einbrecher, der die Zweifel säht

Am nächsten Morgen dachte ich, die Sache mit der Lampe sei sicher ein Traum gewesen. Ich schaute nach: Die Ikea-Lampe lag tatsächlich am Boden. Ganz unten hatte sie eine schwere, gefüllte Metallscheibe als Fuß, damit sie steht. Doch das Metall war leer. Da lag ein kleiner Haufen hartes Material, eine Mischung aus Gips und Stein, aber eben zerbröselt.

Was war passiert? Da hatte doch nachts niemand einen Vorschlaghammer geschwungen. Lag es etwa am Wetterumschwung? Mir fiel nichts Besseres und nichts Dümmeres ein. Ich habe keine Ahnung.

Wie viele Knöpfe am Hemd darf ein Mann in Berlin bei 40 Grad offen lassen?

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Aber mein Sohn sagte dann sinngemäß: Sei doch froh, dass du es erlebt hast. Stell dir vor, die Lampe wäre umgefallen, wenn wir irgendwann im Urlaub sind. Dann kommen wir zurück und du siehst den kleinen Schuttberg neben dem Bett. Du hättest doch nie und nimmer geglaubt, dass dieses harte Material einfach von ganz allein zerbröselt ist. Du hättest ganz sicher – so wie alle – geglaubt, dass da ein Einbrecher in der Wohnung war.

Er hat recht. Obwohl ich die Sache erlebt habe, fehlt mir jede Erklärung. Wie wäre es erst, wenn ich vor vollendete und unerklärliche Tatsachen gestellt worden wäre?

Mein Urvertrauen in die Unverletzlichkeit der Wohnung wäre dahin. Jedes nächtliche Knacken würde mich aufschrecken: War da wieder dieser Einbrecher, der in der Dunkelheit überall in Berlin die Füße von Ikea-Lampen zerbröselt, um den Zweifel in die Köpfe der Menschen zu pflanzen?

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