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WM-Drama gegen die Schweiz: Kolumbien-Star erhält Morddrohungen – und flieht vor den eigenen Fans

Morddrohungen nach WM-Aus: Kolumbien-Spieler ist seit Tagen untergetaucht

Stand: 13.07.2026, 16:44 Uhr

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Der Verband verurteilt die Drohungen gegen Jaminton Campaz. Nach dem WM-Achtelfinale fehlt er auf dem Flug nach Bogotá.

Vancouver – Kolumbien galt als Geheimfavorit auf den Titel bei der WM 2026, doch die Schweiz hatte andere Pläne. Die Südamerikaner reisten mit großen Hoffnungen an und wurden ihrer Rolle zunächst auch gerecht, ehe sich im K.-o.-Duell gegen die Europäer die Partie zu einem nervenaufreibenden Krimi entwickelte. Am Ende sollte eine einzige vergebene Großchance weitreichende Folgen haben.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com

Kolumbien und die Schweiz trafen am Dienstag (7. Juli) im Achtelfinale in Vancouver aufeinander und lagen in den ersten 90 Minuten in einem torlosen Remis. In der 115. Minute der Verlängerung bot sich Jaminton Campaz eine riesige Gelegenheit vor dem Tor, doch er setzte seinen Schuss freistehend über die Latte.

Jaminton Campaz ist raus aus der WM.

Jaminton Campaz ist raus aus der WM. © IMAGO / Xinhua

Damit ließ er die beste Chance des Spiels aus, bevor das Duell ins Elfmeterschießen ging. Während Campaz einer von drei Spielern war, die ihren Elfmeter für „Los Cafeteros“ verwandelten, verlor Kolumbien das Duell gegen die Schweiz. Der Traum vom Titel war beendet, obwohl die Mannschaft über weite Strecken des Turniers überzeugt hatte und sich viele Beobachter ein Weiterkommen erwartet hatten.

Fans suchen Sündenbock und bedrohen Campaz

Es gibt viele Gründe, warum Kolumbien verlor, doch die Fans machten Campaz verantwortlich – so sehr, dass der kolumbianische Verband eine Erklärung veröffentlichen musste, in der er die gegen ihn gerichteten Morddrohungen verurteilte. Die Debatte verlagerte sich rasch von sportlicher Kritik hin zu persönlichen Angriffen, die den Spieler und sein Umfeld massiv belasteten.

„Kein Athlet und kein Mitglied seines engsten Umfelds sollte Einschüchterungen ausgesetzt sein, nur weil er sein Land auf einer Sportbühne vertritt“, heißt es in der Erklärung, wie von der Associated Press wiedergegeben. Der Verband rief zu Mäßigung auf und betonte, dass Leidenschaft für den Fußball niemals Hass oder Gewalt rechtfertigen dürfe.

Erinnerungen an den Fall Andrés Escobar

Es wurde zudem berichtet, dass Campaz sich nicht sicher fühlte, nach dem WM-Aus von „Los Cafeteros“ nach Kolumbien zurückzufliegen. Die Sorge um seine persönliche Sicherheit ist in dem Land besonders sensibel, weil es in der Vergangenheit bereits zu tragischen Vorfällen im Zusammenhang mit Fußballfehlern gekommen ist.

Der kolumbianische Verteidiger Andrés Escobar erzielte bei der Weltmeisterschaft 1994 in einer Niederlage gegen die Vereinigten Staaten ein Eigentor und wurde nach seiner Rückkehr nach Kolumbien tödlich angeschossen. Dieser Fall hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der kolumbianischen Fußballfans eingebrannt und wird nun erneut heraufbeschworen.

Unklarheit über Aufenthaltsort des Spielers

„Campaz sollte am Mittwoch von Vancouver nach Bogotá fliegen, zusammen mit seinen Teamkollegen Davinson Sánchez, James Rodríguez und Juan Fernando Quintero, wie die Online-Nachrichtenseite ‚Infobae‘ berichtete“, schrieb die New York Post. „Er stieg jedoch nie in das Flugzeug. Es ist unbekannt, ob Campaz noch in den USA ist oder stattdessen nach Argentinien geflogen ist – dorthin, wo er für den Primera-División-Klub Rosario Central spielt.“

Vor drei Tagen veröffentlichte Campaz einen ausführlichen Instagram-Beitrag über die Weltmeisterschaft und schloss ihn mit einem Appell für Respekt. Darin schildert er seine Träume, seine Dankbarkeit und seine Enttäuschung und versucht zugleich, die aufgeheizte Stimmung im Land zu beruhigen. Die vollständige Erklärung ist nachfolgend wiedergegeben.

Campaz‘ emotionaler Appell an Kolumbien

„Seit meiner Kindheit habe ich davon geträumt, die Farben Kolumbiens zu verteidigen, die Hymne zu hören, Millionen von Menschen zu vertreten und bei einer Weltmeisterschaft ein Tor zu erzielen. Heute kann ich nur Gott dafür danken, dass er mir erlaubt hat, diesen Traum zu erfüllen. Das sind Erinnerungen, die ich für immer mit mir tragen werde.“

Ich möchte von Herzen allen Menschen danken, die während dieser Weltmeisterschaft bei uns waren, denen, die an uns geglaubt haben, uns bis zur letzten Minute angefeuert und nie aufgehört haben, zu vertrauen. Danke auch an meine Familie, die bei jedem Schritt meine Stärke gewesen ist und an meiner Seite stand – in den glücklichsten Momenten und auch in den schwierigsten.“

„Dem ganzen Land kann ich nur sagen, dass ich den Schmerz über dieses Ausscheiden teile. Auch wir haben davon geträumt, weiterzukommen, und ich kenne die Traurigkeit, die wir heute als Kolumbianer empfinden. Es tut mir zutiefst leid, dass ich euch die Freude, auf die wir alle gehofft hatten, nicht geben konnte, aber ich möchte, dass ihr wisst, dass es nie an Einsatz, Hingabe oder Liebe zu diesem Trikot gefehlt hat. Ich habe auf dem Platz alles gegeben und würde es tausendmal wieder tun für mein Land.“

„Fußball besteht auch aus schwierigen Momenten. Heute gilt es nur zu lernen, aufzustehen und weiterzuarbeiten, um stärker zurückzukehren. Mi Colombia, bitte gib den Respekt niemals auf. Wir können unterschiedlich denken, Frustration oder Traurigkeit empfinden, aber keine Leidenschaft rechtfertigt Hass und ein Leben in Angst.“