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Michael Ludwigs riskante Rettungsmission für Ruck

Der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, kommt seit Anfang des Jahres nicht aus den Schlagzeilen: Postenbesetzungen mit Familienmitgliedern, Manipulationsvorwürfe bei der Wirtschaftskammer-Wahl und fragwürdige Vorgänge beim Kauf der Signa-Immobilie am Praterstern (Haus der Wiener Wirtschaft) brachten Walter Ruck in Bedrängnis. Als sich der Präsident und sein Kommunikationsteam nicht mehr als Herren der Lage sahen, kam ein großer Befreiungsschlag. Walter Ruck zog seinen Krisenkommunikations-Joker: Michael Ludwig. Der Wiener Bürgermeister eilte seinem Freund in einem Zeitungs-Doppelinterview zu Hilfe. Die Übung gelang, das Unheil war vorerst abgewendet.

Ein paar Monate später sitzt der WKW-Präsident wieder in der Patsche. Grund sind jetzt Aussagen, die er selbst getätigt haben soll. Sie vermitteln ein irritierendes Politikverständnis, ein schockierendes Frauenbild und Beleidigungen, „die eines Kammerpräsidenten unwürdig sind“, wie es IV-Generalsekretär Christoph Neumayer bezeichnet. Die Folge: Rücktrittsaufforderungen von allen politischen Seiten. Ein anderer würde schon längst Konsequenzen ziehen. Aber nicht Walter Ruck. Als alle Felle davon zu schwimmen drohten, zog er wieder sein Krisenkommunikations-Ass aus dem Ärmel. Erneut eilt ihm Michael Ludwig zur Hilfe. Das ist ebenso spannend, wie riskant.

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Pia Ulrich

Drei Optionen

Aus kommunikationsstrategischer Sicht hatte der Wiener Bürgermeister drei Optionen: Erstens, auf Tauchstation gehen und sich raushalten. Nicht äußern wäre vermutlich als Signal bröckelnden Rückhalts gedeutet worden. Das war für Michael Ludwig anscheinend keine Option.

Zweitens, freundschaftlich distanzierend. Der Bürgermeister hätte in etwa sagen können: „Ich kenne und schätze Walter Ruck seit Jahren als konstruktiven und verbindenden Partner. Gemeinsam sind uns viele bedeutende Projekte im Sinne der Wiener Wirtschaft gelungen. Die kolportierten Aussagen sind ein Ton, den ich von ihm nicht kenne.“

Eine Freimau(r)er

Auch für diese Option entschied sich Michael Ludwig nicht, sondern es wurde Nummer drei: absoluter Rückhalt. Sämtliche Vorwürfe wurden weggewischt, formal-juristisch ausgeräumt und von Lob überdeckt. Diese mediale Schützenhilfe zeigt: Es gibt nichts Stabileres, als eine Freimau(r)er. Zwischen Ludwig und Ruck, die angeblich derselben Loge angehören, passt kein Blatt. Egal wie schwer die Vorwürfe wiegen. In diesen streng vertraulichen und diskreten Bruderschaften, deren Mitgliedschaft von den Betroffenen meistens nicht bestätigt wird, ist Loyalität eine Grundvoraussetzung. Diese Loyalität könnte für den Wiener Bürgermeister noch zur Last werden.

Spannend an Ludwigs Kommunikationsstrategie ist jedenfalls, dass sich Wiens Bürgermeister lieber hinter seinen verhaltensauffälligen Freund stellt, als vor seine eigene Vizebürgermeisterin. Also jene Politikerin, mit der Ruck anfangs nicht zusammenarbeiten wollte, weil sie eine Frau ist. Ludwig agiert damit auch gegen seine Parteikollegin, Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner, die ein „völlig überholtes Frauenbild“ Rucks kritisiert und ihm ein „veritables Problem“ attestiert. Riskant an dieser Kommunikation ist: Michael Ludwig macht Walter Ruck zu einem Problem der SPÖ Wien. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten und eventuell noch weitere Ungereimtheiten rund um Walter Ruck auftauchen, läuft der Bürgermeister Gefahr, nicht nur sich selbst zu beschädigen. Die medialen Auftritte von Michael Ludwig sind seit Jahren makellos, durchdacht und souverän. Wenn die Causa Ruck explodiert, hat das Presseteam alle Hände voll zu tun, damit am Bürgermeister nichts hängen bleibt.

Zur Autorin:

Pia Ulrich ist eine Wiener Unternehmerin. Nach 15 Jahren in der politischen Öffentlichkeitsarbeit (darunter auch in der WKW) hat sie sich als PR- und Kommunikationsexpertin selbstständig gemacht.

kurier.at  |  24.07.2026, 18:34