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Mehr als nur ein Danke: Warum sich diese Frau aus Washington D.C. an die Volksfreund-Redaktion wendet

Mehr als nur ein Danke Warum sich diese Frau aus Washington D.C. an die Volksfreund-Redaktion wendet

Trier · Im Mai stirbt Christina Duemlers Mutter auf der Palliativstation des Klinikums Mutterhaus Nord in Trier. Danach meldet sich Duemler mit einem ganz besonderen Anliegen in der Redaktion.

14.07.2026 , 06:26 Uhr

Hat ihre Wurzeln in Trier, lebt seit 2010 in den USA: Christina Duemler.

Foto: Trierischer Volksfreund/Marek Fritzen

Eigentlich soll es ein Leserbrief werden. Christina Duemler hat ihre Gedanken niedergeschrieben, in eine Mail gepackt und an den Volksfreund gesandt. Ende Mai landet die Nachricht im Postfach der Redaktion.

„Ein großes Dankeschön an das Klinikum Mutterhaus“, schreibt sie zu Beginn. Ihre Mutter habe die letzten 25 Tage ihres Lebens in dem Krankenhaus verbracht, zunächst auf der Inneren, später auf der Palliativstation. „Die kompetente medizinische Hilfe, die herzliche Anteilnahme und menschliche Zuwendung, die sie dort von Ärzten und Pflegern erfahren hat, haben uns als Angehörige zutiefst berührt“, notiert Duemler.

In Deutschland werde schnell „gemeckert und geschimpft“, insbesondere die medizinische Versorgung und das Krankenhaussystem, findet sie, stünden dabei immer wieder in der Kritik, „zu teuer, zu ineffizient“.

„Danke an das gesamte Team“ des Klinikums Mutterhaus

Ja, und es gebe tatsächlich auch sicher so einiges zu verbessern, doch: „Unsere Mutter durfte ihre letzten Wochen in Würde und ohne große Schmerzen verbringen.“ Daher schließt Duemler ihre Nachricht mit den folgenden Worten: „Danke an das gesamte Team des Klinikums Mutterhaus.“

Klingt interessant, fast zu schade, um „nur“ als Leserbrief nach draußen geschickt zu werden. Denn: Braucht es nicht vielleicht genau solche Geschichten in Zeiten wie diesen, in denen doch so viele täglich, stündlich, ja minütlich ins Internet husten, dass jetzt aber wirklich alles immer schlimmer werde, wirklich gar nichts mehr funktioniere in diesem Deutschland?

In Zeiten also, in denen so viel gepostet wird, was so wenig bedeutet, was auseinanderbringt, die Hoffnung schwinden lässt, warum nicht mal dagegenhalten, was in die entgegengesetzte Richtung schieben, zeigen, was zusammenbringt, was gut läuft, was Mut macht?

Also Frau Duemler, eventuell bereit, ein wenig mehr zu berichten, von Ihrer Mutter, deren Leben, auch dem Aufenthalt in der Klinik? Klar, lautet kurz darauf die schriftliche Antwort, sehr gerne. Ein Treffen allerdings, das sei nicht so einfach, jedenfalls nicht sofort, denn sie sei inzwischen wieder zurück in Washington D.C.

Duemler arbeitet als Tourguide in Washington D.C.

Duemler, so lässt sich online fix zusammengoogeln, ist Stadtführerin in der US-Hauptstadt, bietet Themenführungen durch die Metropole an. Anfang Juli, so schreibt sie in einer weiteren Mail, da komme sie wieder nach Trier, vielleicht klappe es ja dann auf einen Kaffee in der Stadt.

An einem sonnigen Donnerstagmorgen im Juli sitzt Christina Duemler im Außenbereich eines Cafés unweit des Viehmarkts. Sie trinkt Cappuccino, schön heiß, so hat sie es bei der Bestellung betont, solle das Getränk bitte sein, und am besten mit Deckel drauf, damit das mit der Hitze auch möglichst lange so bleibt ...

Die kommenden zwei Wochen wird sie in Trier sein, einiges, so erzählt sie, habe sie noch zu regeln in ihrer Heimatstadt, in der sie 1982 am Angela-Merici-Gymnasium ihr Abitur abgelegt hat, dann rausgezogen ist in die große, weite Welt ...

Ihre beiden Brüder und sie, sie haben jetzt, wo nach dem plötzlichen Tod des Vaters vor vier Jahren auch die Mutter verstorben ist, sie haben nun noch das eine oder andere zu klären. Zum Beispiel, was aus dem Elternhaus im Stadtteil Olewig wird?

Am 22. Juli, sagt Christina Duemler, da gehe es für sie zurück in die USA, wo sie mit ihrem Mann seit 16 Jahren lebt. Die Besuche in der Heimat, so glaubt sie, die würden in Zukunft wohl weniger werden. Drei-, manchmal viermal im Jahr sei sie zuletzt in Trier gewesen, um ihre Mutter, Lilli Simon, zu sehen, Zeit mit ihr zu verbringen.

Bis zuletzt habe die 87-Jährige allein im eigenen Haus gelebt. Habe funktioniert, sei ihr auch wichtig gewesen, die Eigenständigkeit. Doch seit geraumer Zeit habe sie, die gelernte Drogistin, körperlich immer mehr abgebaut.

Daher auch im Frühling die Entscheidung, eine 24-Stunden-Pflegekraft ins Haus zu holen. Doch die Frau, sie wird nie im Haushalt der Seniorin arbeiten, denn: Weil Lilli Simon zunehmend über Schmerzen im Bauchraum klagt, zudem immer schwächer wird, kommt die Seniorin Ende April ins Trierer Mutterhaus, landet dort auf der Inneren.

Ein Arzt im Mutterhaus überbringt Duemler eine folgenreiche Nachricht

Die Ärzte diagnostizieren eine Dysfunktionalität des Verdauungstraktes, zudem fängt sich Simon eine Lungenentzündung ein. Nach ein paar Tagen auf Station, so erinnert sich Christina Duemler, da habe sie ein Mediziner zur Seite genommen, mitgeteilt, das mit der Lunge, das bekomme man schon hin, sei nicht das Problem, aber, auch das sagt der Arzt der Tochter: Bei Lilli Simon habe der Sterbeprozess eingesetzt.

Völlig außer sich sei sie gewesen, als sie diese Worte vernommen habe, erinnert sich Christina Duemler. Ihre Mutter, so habe sie immer gehofft, die werde doch sicher 100. „Dass dann aber doch alles auf einmal so schnell gehen sollte, das war dann natürlich ein großer Schock – insbesondere, weil sie auch nicht schwer krank war.“ Aber, so fügt Duemler hinzu, sie sei halt einfach sehr schwach gewesen, habe am Ende nur noch 33 Kilogramm gewogen.

Gemeinsam mit der Klinik habe man dann entschieden, Lilli Simon auf die Palliativstation im Mutterhaus Nord, dem früheren Elisabethkrankenhaus zu verlegen. Dorthin, wo die 87-Jährige Jahrzehnte zuvor einst ihren jüngsten Sohn zur Welt gebracht hatte.

Ein „wunderschönes Zimmer“ habe ihre Mutter gehabt, erzählt Duemler, mit Blick in den Garten, auf die alten Kastanien, die vielen prächtigen Blumen. Vom ersten Moment an sei man ihr mit derart viel Achtung und Respekt begegnet, dass es kaum in Worte zu fassen sei. „Zu jeder Zeit wurde sie als der Mensch gesehen, der sie mal war und bis zum Ende bleiben konnte“, betont die Tochter.

Bei vollem Bewusstsein sei ihre Mutter gewesen, habe mehrmals geäußert, sie schaffe es „noch nicht über den Fluss“, erzählt die 63-Jährige. Auch darauf hätten die Pflegerinnen, die Pfleger mit einer unglaublichen Ruhe reagiert, „die einfach wohltuend“ gewesen sei.

„Es herrschte eine Unaufgeregtheit, eine Professionalität, immer nach dem Motto: ‚Haben Sie keine Sorge, wir haben das hier alles im Griff’.“ Das, so sagt es Duemler, das habe ihr und ihren Brüdern ein gutes Gefühl gegeben, eine gewisse Friedfertigkeit vermittelt. „Und ich muss ehrlich sagen, dass ich durch die Zeit dort, durch diese hervorragende Betreuung, dass ich dadurch meine Angst vor dem Tod ein Stück weit verloren habe“, sagt die Wahl-Amerikanerin.

Am 11. Mai schließlich, nach zehn Tagen auf der Palliativstation, stirbt Lilli Simon gegen 22.30 Uhr.

Sie und ihre Brüder, sagt Christina Duemler, sie könnten sich nur herzlichst für diese Betreuung bedanken, die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger, auch der Mediziner, die könne gar nicht hoch genug bewertet werden. „Sie haben alles getan, um unserer Mutter einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen, dafür gesorgt, dass sie keinerlei Schmerzen erleiden musste“, sagt Duemler, „aber sie haben sich auch um uns Angehörige gekümmert, niemand hat sich alleingelassen gefühlt – einfach großartig“.

Die Erlebnisse aus der Klinik in Trier nimmt sie mit zurück in die USA

Das, so findet die Mutter zweier erwachsener Töchter, das sei es doch allemal wert, lobend erwähnt zu werden. Auch wenn der Verlust ihrer Mutter nicht in Worte zu fassen, ein bedeutendes Stück Heimat und Geborgenheit somit verloren gegangen sei, werde sie die Zeit im Trierer Mutterhaus in sehr guter Erinnerung behalten und mit zurück in die USA nehmen.

Irgendwann noch mal zurückzukommen nach Trier, wieder an die Mosel zu ziehen mit ihrem Mann, einem Deutschen, nein, das könne sie sich jedoch nicht vorstellen, betont Christina Duemler, zu wohl fühle sie sich inzwischen drüben auf der anderen Seite des Atlantiks.

Nach dem Abitur am AMG in Trier geht sie zunächst nach Mainz, studiert dort, wie sie berichtet, unter anderem Journalistik. Die Arbeit in den Medien, sie hat es der Triererin früh angetan. Nach dem Studium zieht sie nach München, arbeitet zunächst für die Süddeutsche, wechselt dann in den Hörfunk, zum Privatsender Radio Gong.

Chefredakteur ist damals der spätere Focus-Gründer Helmut Markwort. „Ich weiß noch gut, wie er irgendwann zu mir sagte: ,Christina, ist alles super, aber mit deinem Trierer Singsang können wir dich nicht on air gehen lassen.‘“

Sie nimmt Sprechtraining, klopft das Trierische aus ihren Worten und geht auf Sendung: „Meine erste Live-Schalte“, sagt Duemler, „daran erinnere ich mich noch genau, das war die Beerdigung von Franz Josef Strauß im Oktober 1988“.

Von München geht es später für sie nach Frankfurt. Dort arbeitet sie für Radio FFH, lernt zudem ihren Mann kennen, der in der Versicherungsbranche arbeitet, inzwischen im Ruhestand ist.

Aus Wien berichtet Duemler für RTL vom Opernball

Es folgt ein Wechsel zu RTL nach Hamburg. Für den Kölner Sender zieht sie später auch nach Wien, arbeitet aus der österreichischen Hauptstadt für das Promi-Magazin Explosiv, berichtet unter anderem vom Wiener Opernball.

„2010 sind wir dann in die USA gezogen“, erzählt die Triererin, die inzwischen neben der deutschen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Während ihre Töchter in Wien und London arbeiten, lebt sie mit ihrem Ehemann am Stadtrand von Washington D.C. rund 20 Autominuten vom Weißen Haus entfernt und bietet in der US-Metropole Führungen für deutschsprachige Touristen an. „Washington“, sagt Duemler grinsend, „das ist der Ort, wo es passiert, unsere Lokalnachrichten sind Weltnachrichten“.

Nein, nein, keine Frage, nicht alles laufe derzeit rund in den USA, das Land sei gespalten, gibt sie zum Ende des Gesprächs zu, aber es sei auch keinesfalls alles so schlimm, wie es häufig dargestellt werde. Washington zum Beispiel, das sei nach wie vor eine unglaublich liberale Stadt, sie lebten überaus gerne dort, wollten nicht mehr weg.

Und vielleicht, findet die Deutsch-Amerikanerin, vielleicht könne Deutschland in einem Punkt auch etwas lernen von den USA: Amerikaner, sagt sie, die seien oft risikofreudiger, eher bereit, Dinge selber in die Hand zu nehmen, nicht immer gleich nach dem Staat zu rufen. „Da gilt dann eher das Motto: ‚Ich mache das jetzt einfach mal, wird schon klappen’.“

Ein bisschen davon würde auch Deutschland guttun, glaubt Christina Duemler – frei nach dem Motto: „Mal das Positive und die Chancen sehen, anstatt ständig übers Negative und mögliche Risiken nachdenken …“